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Kavrila: Blight

Schwer einzuordnen, dafür richtig gut
Wertung: 9/10
Genre: Doom-Punk
Spielzeit: 24:35
Release: 04.08.2017
Label: Backbite Records/ Broken Silence

Jaaaa, so sollte man sicher kein Review beginnen, aber die Steilvorlage kann man nicht ignorieren: Kavrilas Labelinfo beschreibt die Musik der Hamburger so: „Kavrila sind der haarige Arsch, der dir ins Gesicht springt, während du beim Frühstückstee sitzt.“ Aha! Dieses Statement soll zum Kauf des Albums animieren? Okay, wenn man auf haarige Ärsche steht, dann vielleicht… Spinnen wir den Gedanken weiter: Sieht man im Plattenladen nun zufällig jemanden „Blight“ von Kavrila kaufen, ist er oder sie dann ein potentieller Fan von haarigen Ärschen?

Genug von dem Schwachsinn, kommen wir schnell zum eigentlichen Thema. Kavrila ist eine vierköpfige Band aus Hamburg und brachte Anfang August ihr Album „Blight“ heraus. Genretechnisch sind die Jungs zunächst einmal schwer einzuordnen, eine gewisse Eigenständigkeit muss man ihnen also definitiv zugestehen, was doch mal eine schöne Sache ist. Sucht man eine Referenz, um sich das Ganze besser vorstellen zu können, kann man sich Mantar mit ein bisschen mehr Punk und dafür weniger Groove vorstellen. Dieser Vergleich trifft dann die Musik von Kavrila immer noch nicht ganz, kommt der Sache aber schon recht nahe. Insbesondere die gefühlte (nennen wir es) „Garagenbandstimmung“, die beim Hören der beiden Kapellen aufkommt, ist durchaus vergleichbar. Auf „Blight“ erwartet den Hörer eine durchweg gelungene Mischung aus Punk (nur ein bisschen), Rock’n Roll und (härterem) Metal. Groovige Passagen, Melodien, Aggression, musikalische Dampfwalze: alles vorhanden und wunderbar kombiniert. Die Stimmung des Albums ist dabei insgesamt recht düster.

Äußerst positiv fällt auf, dass nicht nur jeder Song für sich steht, sondern dass sie auch alle etwas unterschiedlich klingen. Kein Einheitsbrei, kein gleichbleibendes Schema, schön abwechslungsreich. Ein wirklich schlechtes Stück findet man nicht, weshalb sich jedes Lied als Anspieltipp eignet. Besonders hervorheben kann man an dieser Stelle „Lungs“, da dieses Stück die gesamte Bandbreite Kavrilas recht gut darstellt, und „Apocalypse, weil es ein kurzes, knappes und heftiges Ausrufezeichen setzt, bevor das Album mit dem vergleichsweise ruhigem „Each, Pt. 2“ ausklingt.

Bei „Blight“ lohnt sich auch einmal ein Blick ins Booklet. Weniger aus künstlerischem Aspekt, sondern weil die Texte jetzt gar nicht mal so schlecht sind. Gar nicht mal so schlecht bedeutet, dass sie zumindest etwas mehr inhaltlichen Tiefgang haben als nur Tod und Teufel. Das ist jetzt nicht unbedingt notwendig für ein gutes Album, aber es ist auch mal etwas Schönes.

Eine Gesamtspieldauer von nur 24 Minuten ist jetzt nicht allzu lange, beugt dafür etwaiger Langeweile vor. Bei dem hochwertigen Material, das Kavrila hier bieten, hätte es aber durchaus ein wenig mehr sein dürfen. Vielleicht kommt ja dafür bald eine Folgeveröffentlichung heraus. Wenn man für einen negativen Kritikpunkt schon die Spieldauer anführen muss, ist das wohl ein deutliches Zeichen, dass das Album ansonsten wenige Schwachpunkte hat.

Fazit: Ein wirklich gelungenes Album, das die Genregrenzen sprengt, nie langweilt und Langzeitwirkung hat. Also ein voller Erfolg. Großes Lob und ein Dankeschön an alle Beteiligten.

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