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Katatonia: The Longest Year

Mit "Sold Heart" gibt's ein sehr schönes neues Stück, insgesamt ist diese EP aber eher verzichtbar
keine Wertung
Genre: Dark Metal, Progressive Rock
Spielzeit: 18:10
Release: 12.03.2010
Label: Peaceville

Mit „Night Is The New Day“ haben Katatonia ein phantastisches neues Album und einen würdigen Nachfolger zur überragenden „The Great Cold Distance“-Scheibe veröffentlicht; mit „Day And Then The Shade“ wurde auch bereits eine Single ausgekoppelt, mit „The Longest Year“ wiederum hat man nun eine kleine EP nachgelegt.

Bei dem Titeltrack handelt es sich um den zweiten Song auf „Night Is The New Day“, ein mit der typischen Katatonia-Melancholie ausgestattetes Stück, das in der ruhigen Strophe mit einigen elektronisch-atmosphärischen Spielereien aufwartet und im Refrain eine wehmütige Gesangsmelodie und flächige Distortion-Gitarren bietet. Für meine Begriffe eine etwas seltsame Wahl für eine Auskopplung vom Album; der Song ist zwar – wie alle anderen auf „Night Is The New Day“ ebenfalls – sehr stark, aber sicherlich nicht gerade der am leichtesten zugängliche, ein paar Durchläufe sind also Pflicht. Die meisten dürften den Track aber ja ohnehin vom Album kennen und inzwischen lieben.

„Sold Heart“ ist dann ein bislang unveröffentlichtes Stück. Eine sehr ruhige Nummer, wie man sie so von Katatonia bislang sicher noch nicht gehört hat. Ruhige, geradezu zerbrechliche Clean-Gitarren-Sounds, die Jonas’ einfühlsame Stimme begleiten, lullen einen zu Beginn ein und kreieren eine traurige, aber gleichsam friedliche Atmosphäre. Auch hier werden, wie für Katatonias neuestes Werk typisch, viele Keyboards verwendet, die den Sound jedoch angenehm bereichern, die „Telefon“-Vocals am Ende erinnern an Porcupine Tree (Steven Wilson ist ja bekanntlich ein großer Fan dieses Effekts), und das hypnotische Schlagzeug passt ebenfalls bestens zur Stimmung des Songs. Ein wunderschönes Lied, das es zweifellos verdient gehabt hätte, ebenfalls auf der neuen Platte zu stehen.

Als nächstes gibt es zwei Remixe von „Day And Then The Shade“ und „Idle Blood“ zu hören. Also, ehrlich gesagt, bin ich alles andere als ein Freund von so etwas, solcherlei Dinge passen eher zur Popszene, wo ja bekanntlich bei den Singles auch immer gleich noch zwanzig weitere Versionen des eigentlichen Tracks auf den entsprechenden Silberling gepresst werden. Das im Original ziemlich rockige „Day And Then The Shade“ wurde hier zu einem tanzbaren Track mit leichtem Trance-Charakter umfunktioniert und auch „Idle Blood“ besitzt ein paar elektronische, Computer-artige Effekte, aber zumindest die Akustikgitarre bleibt. Trotzdem finde ich diese Remixe komplett unnötig. Als Experiment ganz witzig, aber mal im Ernst: Braucht das jemand? Da höre ich mir lieber die Originalversionen an, ähnlich wie bei Covern. Irgendwie sieht so etwas nur nach Füllmaterial aus und riecht somit immer gleich ein bisschen nach Abzocke.

Zusätzlich gibt es schließlich noch die Videoclips zu „The Longest Year“ und „Day And Then The Shade“ zu sehen. Während ersteres, bei dem Charlie Granberg (My Dying Bride) Regie führte, mit seinem leichten Sepia-Touch und den grobkörnigen Bildern der Atmosphäre des Songs gerecht wird, muss man sich bei letzterem fragen, was sich Lasse Hoile dabei gedacht hat. Würmer, Krabbelgetier und blutende Bäume tauchen auf, dazu irgendwelche Gothic-Schnallen, die wahlweise wie Frodo in einen Kokon gewickelt sind (oder hat sich der Regisseur hier von der „Akte X“-Folge „Der Kokon“ inspirieren lassen?), mit blutigem Gesicht in die Kamera stieren oder oben genannte Ekelviecher im Mund haben. Dazu sind Kameraführung und Schnitte viel zu hektisch. Nee, dieser Clip ist absoluter Mist, da hat Hoile bei Porcupine Tree schon besseres abgeliefert. Aber ich fand ja eh schon immer, dass Musikvideos die dämlichste Erfindung seit den Musicals von Andrew Lloyd Webber sind.

Insgesamt meine ich, ist diese EP verzichtbar. Der neue Song „Sold Heart“ ist wie erwähnt wunderschön, aber für eine EP ist das ein bisschen wenig. Ich weiß ja, dass Plattenfirmen nun mal so arbeiten und daher ist es eigentlich müßig, dieses Thema immer wieder zu erwähnen, aber dennoch: Es bleibt ein etwas fader Beigeschmack und ein paar weitere unveröffentlichte Tracks würden schon etwas mehr Kaufanreiz bieten. Wer die Kohle übrig hat, kann sich das Teil wohl besorgen (Komplettisten werden es sowieso tun), aber ich denke, alle anderen warten lieber auf den nächsten, „richtigen“ Release dieser Ausnahmeband. Eine Wertung macht bei einem einzigen wirklich neuen Song keinen Sinn, daher erspare ich mir das.   

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