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Katatonia: Sanctitude

Beeindruckend und intensiv – muss jeder Fan haben!
keine Wertung
Genre: Akustik/ Progressive
Spielzeit: 79:55
Release: 03.04.2015
Label: KScope

2013 veröffentlichten Katatonia mit „Dethroned And Uncrowned“ eine alternative Version von „Dead End Kings“, bei der die Songs dieser Scheibe in akustischer, reduzierter Form dargeboten wurden. Da dies sehr gut ankam und Katatonia ohnehin eine Band sind, bei der Emotionen eine besonders große Rolle spielen, war eine Tour in dieser Manier letztlich nur logisch und eine Frage der Zeit. Dabei haben die Schweden wie immer Stil bewiesen und sich hauptsächlich Kirchen als Auftrittsorte ausgesucht. Es entbehrt natürlich nie einer gewissen Ironie, wenn Metalbands in Kirchen auftreten, wo die Kirche doch eigentlich schon immer das größte Feindbild der Szene darstellte. Nichtsdestotrotz – und das muss auch der größte Gegner der Kirche einräumen, ich zähle mich ja selbst dazu – sind Kirchen besondere Orte von oft beeindruckender Architektur und besitzen zudem eine ganz eigene, tolle Akustik.

Für die traurigen, tiefgängigen und elegischen Kompositionen von Renkse, Nyström und Co. sind die sakralen Stätten definitiv prädestiniert. Als Ort für einen Livemitschnitt der „Unplugged And Reworked“-Tour hat man sich London ausgesucht, genauer gesagt die Union Chapel im Stadtteil Islington, in der öfters mal Livemusik aufgeführt wird. Bevor man die CD in den Schacht gelegt hat, fällt zunächst einmal der erneut grandiose Titel auf: „Sanctitude“ dürfte wohl ein Kofferwort aus „Sanctity“ und „Solitude“ sein und passt sowohl zu Katatonia als auch einem Ort wie eben einer Kirche. Auch das wunderschöne Cover von Travis Smith springt ins Auge und wurde konsequenterweise in der „Dethroned And Uncrowned“-Ästhetik gehalten.

An sich handelt es sich bei „Sanctitude“ um ein Doppelpack, das aus einer CD und einer DVD bzw. Blu-ray besteht – leider aber ist die Promoversion wie so häufig unvollständig und es liegt lediglich die CD vor. Sehr ärgerlich und unverständlich, weil man so natürlich keine tatsächlich adäquate Rezension abliefern kann; zumindest auf die Qualität des Bildes und des Schnittes kann nicht eingegangen werden. Es bleibt die rein akustische Komponente, die ohne Frage brillant genannt werden muss. Der Klang ist ein ganz besonderer und die intensiven Stücke der Skandinavier gewinnen noch zusätzlich an Tiefgang, gerade deswegen jedoch wäre es schön gewesen, das entsprechende Bildmaterial dazu zu haben.

Sei’s drum, die Truppe präsentiert einen bunten Mix aus fast der gesamten Bandhistorie, angefangen mit „In The White“ von der „The Great Cold Distance“-Platte über eher selten (oder noch gar nicht) gespielte, ältere Stücke wie „Gone“ oder „A Darkness Coming“ bis zu Neuerem à la „Undo You“, „Lethean“, „Idle Blood“ oder „The One That You’re Looking For“, wo The Gathering-Frontlady Silje Wergeland wie auch auf dem Album als Gast auftritt.

Inzwischen sind Katatonia ja auf ein Trio geschrumpft, nachdem im letzten Jahr bedauerlicherweise auch noch Langzeit-Drummer Daniel Liljekvist seinen Abschied erklärte; für die Akustiktour holte man sich daher einen gewissen JP Asplund an den Percussions sowie The Pineapple Thief-Chefdenker Bruce Soord an Gitarre und Hintergrundgesang zur Unterstützung. Beide erledigen einen tadellosen Job, überhaupt ist die Performance insgesamt eindringlich und teilweise geradezu atemberaubend. Die Arrangements sind mit viel Liebe zum Detail durchdacht, geschmackvoll und mitunter fast zu Tränen rührend. Wobei letzteres besonders auf Jonas Renkses unglaubliche Gesangsleistung zutrifft: Dass der Mann ein fantastischer Sänger mit einer wahnsinnig zu Herzen gehenden Stimme, zweifellos einer der schönsten der gesamten Szene, ist, weiß jeder, doch was er hier abliefert, sucht wahrlich seinesgleichen. Gänsehaut bis zur letzten Minute!

Ein Fazit braucht man somit kaum noch extra anzuführen; es ist eine Selbstverständlichkeit, dass jeder Katatonia-Fan diese Veröffentlichung haben muss – wenn’s geht, natürlich mit Bild. Ein ganz besonderes Konzert einer ganz besonderen Band, mal sehen, ob sie so etwas noch mal wiederholen. Vorstellbar wäre es, denn mit „Sanctitude“ beweisen die Schweden erneut, dass sie auf beiden Hochzeiten – akustischer wie auch metallischer – bestens tanzen können.

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