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Katatonia: Night Is The New Day

Die logische Weiterentwicklung von "The Great Cold Distance"
Wertung: 9.5/10
Genre: Dark Metal, Progressive Rock
Spielzeit: 48:35
Release: 06.11.2009
Label: Peaceville

Mit „The Great Cold Distance“ veröffentlichten Katatonia im Jahre 2006 zumindest nach Meinung des Verfassers dieser Zeilen ein lupenreines Zehn-Punkte-Album, welches auch die Band selbst als ihr bislang bestes Werk ansieht. Um so größer war der Druck auf die Schweden, denn natürlich stellten sich alle die Frage, wie nach dieser großartigen Scheibe, die sich in punkto Songwriting auf schwindelerregend hohem Niveau befand, eine zumindest ansatzweise ebenbürtige neue Platte folgen sollte.

Drei Jahre zwischen zwei Alben sind bei anderen Gruppen nichts Ungewöhnliches – für Katatonia-Verhältnisse jedoch ist dies geradezu eine lange Zeit, da bisher höchstens zwei Jahre zwischen ihren Studio-Outputs lagen. Aber besser, man nimmt sich die Zeit, als wenn man einen Schnellschuss ablässt, der am Ende niemanden so richtig zufriedenstellt.

Und ein Schnellschuss ist das in bester Katatonia-Manier betitelte „Night Is The New Day“ zum Glück nicht geworden. Dem Quintett um die Bandköpfe Jonas Renkse und Anders Nyström ist vielmehr eine CD geglückt, die die logische Weiterentwicklung von „The Great Cold Distance“ darstellt. Der Vorgänger war ein sehr depressives, homogenes Werk, spannend und bravourös arrangiert, in seiner Stimmung kalt und nüchtern, vor allem durch Jonas’ Gesang gleichzeitig jedoch sehr emotional; dass etwas verändert werden musste, um abwechslungsreich zu bleiben, war von vornherein klar. So finden sich auf „Night Is The New Day“ wesentlich mehr Keyboardanteile, welche nicht aufgesetzt oder überladend wirken, sondern die Songs eher noch tiefgängiger und vielschichtiger erscheinen lassen.

Dabei ist der Opener „Forsaker“ ein Song, der gut und gerne auch auf „The Great Cold Distance“ hätte stehen können: Mit verloren anmutendem Gesang und cleanen Gitarren in der Strophe, im Chorus dagegen mit ordentlich bratenden Gitarren und wuchtigen Drums ausgestattet und songschreiberisch erneut auf einem ganz hohen Level, knüpft das Stück da an, wo das Vorgängeralbum aufhörte. Ähnlich verhält es sich mit „The Longest Year“, dessen Gitarren zu Beginn und dessen Rhythmus in den härteren Passagen entfernt an „Soil’s Song“ erinnern.

Erst beim folgenden „Idle Blood“ gibt es eine klare Änderung zu verzeichnen. Das Stück erweckt, was die Gesangslinien und die Akustikgitarren angeht, Reminiszenzen an Opeth; allein schon durch Jonas’ einzigartige Vocals ist jedoch immer noch klar erkennbar, dass es sich um Katatonia handelt. Zweifellos eins der ganz großen Highlights der CD – mit den sehr schön eingebauten Streichersounds und dem göttlichen, wundervollen Refrain ein Stück, das einem sprichwörtlich die Tränen in die Augen treibt und von dem man einfach nicht genug bekommen kann.

Spätestens in Form des sich anschließenden „Onward Into Battle“, das mit jeder Menge hervorragend integrierten Keyboards aufwartet, wird klar, dass die Band mit „Idle Blood“ keine Ausnahme vollzogen und sich eindeutig verändert hat: Mehr zu warmen Sounds hin, trotzdem immer noch in ihrer typischen, einzigartigen Manier verloren und depressiv in der Stimmung anmutend.

Überhaupt werden zur Mitte der Scheibe hin alte und neue Elemente immer gelungener unter einen Hut gebracht: „Liberation“ ist mächtig und heavy, aber mit subtilen Keyboards versehen und wird sich live wohl prächtig machen, und „The Promise Of Deceit“ groovt supereingängig im Chorus, baut sich genial auf und bietet zarte Streicherklänge und eine prägnante, Elektrosound-artige Melodie. Einfach nur erstklassig!

Oder die überaus schwermütigen „Nephilim“, der Quasi-Titelsong „New Night“ und „Inheritance“ – im Prinzip sind das typische Katatonia-Tracks: Depressiv, melancholisch, flächig, mächtig, dynamisch, songschreiberisch sowohl eingängig, als auch mit hohem Anspruch. Doch auch hier gibt es wieder einiges an clever eingebauten Keyboards zu entdecken, seien es perlende E-Piano- oder Cello-Sequenzen oder Ambient-mäßige Klangbilder.

Am Ende stehen mit dem treibenden „Day And Then The Shade“ und dem tiefschürfenden, sehr ruhigen Abschlusstrack „Departer“ noch zwei Songs zu Buche, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Ersterer ist ein mitreißender Track, den man wegen seiner treibenden Drums und des Mitsing-kompatiblen Refrains richtiggehend als Hit bezeichnen kann, letzterer, bei dem Textzeilen aus „July“ aufgegriffen werden, ein im Stile von „Journey Through Pressure“ gehaltes Stück; ähnlich wie „The Great Cold Distance“ wird „Night Is The New Day“ also mit sehr besinnlichen, nachdenklichen Klängen abgeschlossen, was sich bei einer so emotionalen Band wie Katatonia auch irgendwie besser macht als ein heftiger Rausschmeißer.

Fazit: Die Schweden sind und bleiben einmalig. Es scheint auf den ersten Blick gar nicht so viel zu sein, was sie verändert haben, so songdienlich, wie Keyboards und Samples eingebaut wurden. Doch große Bands zeichnen sich schließlich dadurch aus, dass sie nicht allzu viel verändern, sondern lediglich Nuancen, die sich erst nach mehrmaligem Hören richtig offenbaren. Katatonias größtes Plus ist und bleibt – neben der wunderschönen Stimme von Frontmann Jonas, der sich noch einmal gesteigert hat – sowieso das Songwriting. Einst starteten sie als von Doom- und Black Metal beeinflusste Band, die Stücke mit über zehn Minuten Länge im Programm hatte, erst später wurden die Tracks kürzer und kompakter. Mittlerweile macht ihnen da keiner mehr etwas vor: „Night Is The New Day“ ist ein mehr als würdiger Nachfolger von Göttergaben wie „The Great Cold Distance“ oder „Viva Emptiness“ und eine klare Weiterentwicklung – dass die Band sich diesmal mehr Zeit als sonst mit dem neuen Album gelassen hat, war offensichtlich eine goldrichtige Entscheidung.

Anmerkung: Auf der schwedischen und der Vinyl-Edition des Albums findet sich mit „Ashen“ noch ein Bonustrack, der hier in der Spielzeit nicht berücksichtigt wurde.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann