Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Katatonia: Dead End Kings

Sehr subtile Veränderungen
Wertung: 9/10
Genre: Dark/Progressive Metal
Spielzeit: 48:40
Release: 24.08.2012
Label: Peaceville

Auf ihren letzten Alben vollzogen Katatonia stets ziemlich klare Entwicklungen: „The Great Cold Distance“ war wesentlich brachialer und düsterer als der Vorgänger „Viva Emptiness“ und „Night Is The New Day“ wiederum hatte dann eine melancholischere Schlagseite und vor allem deutlich mehr Keyboardanteile. Mit dem sehnsüchtig erwarteten, nun endlich vorliegenden Nachfolger „Dead End Kings“ verhält es sich etwas anders. Oberflächlich betrachtet wurde die Linie des direkten Vorgängers weitestgehend beibehalten und wenn man die Veränderungen der Schweden zuletzt voller Spannung verfolgte, wird man nach dem ersten Durchgang möglicherweise sogar leicht enttäuscht sein. Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer: Obwohl Katatonia schon seit Langem auf kompakte Songs anstatt auf lange Epen setzen, gehen sie mittlerweile doch um einiges progressiver und verschachtelter zu Werke; die Eingängigkeit, die bei Alben wie „Last Fair Deal Gone Down“ und „Viva Emptiness“ vorherrschte, gehört der Vergangenheit an, die neueren Platten kommen noch schwermütiger und vertrackter daher. So gesehen ist „Dead End Kings“ nichts weiter als die logische Fortsetzung von „Night Is The New Day“.

Dennoch haben Jonas Renkse und Co. besonders in der ersten Hälfte der Scheibe natürlich wieder ein paar Nummern in petto, die sich recht schnell festsetzen: Beim Opener „The Parting“ dürfte es sich wohl gleich um einen der eingängigsten Tracks des Albums handeln – eine gewisse Ähnlichkeit zu „Forsaker“ besonders im opulenten Chorus kann nicht abgestritten werden, so dass es nur konsequent erscheint, dass das Stück an erster Stelle steht. In eben jenem Refrain treten zum ersten Mal die typisch sägenden Breitwand-Gitarren zutage, die für die Band so charakteristisch sind und sogleich untermalen, dass bei der Produktion erneut Erstklassiges geleistet wurde.

Auch das sehr entspannt groovende, softere „The One You’re Looking For Is Not Here“ kann als relativ leicht zugänglich bezeichnet werden, ist für meine Begriffe jedoch etwas unspektakulär ausgefallen. Der Gastbeitrag von The Gathering-Sängerin Silje Wergeland geht ein wenig unter, wobei es andererseits eigentlich löblich ist, sie nicht auf Teufel-komm-raus in den Vordergrund zu stellen, sondern ihr eher eine Rolle als dezente Hintergrundsängerin zukommen zu lassen.

Offenkundiges Highlight ist zunächst einmal dann jedoch das grandiose „Hypnone“ – vielleicht der beste Track der Platte; auf einer simplen, ohrwurmigen Klaviermelodie basierend, steigert er sich geradezu in Ekstase und wechselt zwischen einer aufwühlenden Strophe, einer zerbrechlichen Bridge und einem mörderischen Refrain, bei dem einem jeden Fan einfach Gänsehautschauer über den Rücken laufen müssen. Großartig ist auch, wie danach sehr unauffällig in den balladesken Beginn von „The Racing Heart“ übergeleitet wird. Auch das wütende, eindeutig von den Gitarren getragene „Buildings“, das aufgrund seines Härtegrades am ehesten Erinnerungen an „The Great Cold Distance“ erweckt, sticht schnell hervor, danach wird es einem bis auf den Abschluss „Dead Letters“, der ja bereits vorab bekannt war und einen starken Eindruck hinterließ, nicht immer ganz einfach gemacht.

„Leech“, „Ambitions“, „Undo You“, „Lethean“ und „First Prayer“ besitzen zum Teil durchaus Passagen mit Wiedererkennungswert, doch werden diese durch nicht sofort durchschaubare Strukturen und teils überraschende Wendungen konterkariert, durch die man erst einmal durchsteigen muss. Zweifellos stellen Katatonia durch viel Laut/Leise-Dynamik und – wie sich letztlich zeigt – sorgsam platzierte Samples, Keyboards und Effekte (wie beispielsweise die inzwischen allseits beliebten Telefonhörer-Vocals) ihre Musikalität unter Beweis und die Melodien und Gesangsarrangements entpuppen sich ohnehin alsbald als großartig. Und bei „Lethean“ gibt es sogar ein waschechtes Gitarrensolo zu hören, was nun auch nicht unbedingt Standard bei dieser Combo und laut Jonas Neugitarrist und Fredrik-Norrman-Nachfolger Per Eriksson zu verdanken ist.

„Dead End Kings“ ist alles andere als ein leicht verdauliches Album, aber selbstredend Katatonia in Reinkultur, dafür sorgen schon die einzigartige Atmosphäre und natürlich Jonas Renkses unglaublich emotionale, unverkennbare Stimme. Ob besser oder schlechter als der Vorgänger ist müßig zu diskutieren, denn letztlich ist es eben doch wieder anders – obwohl diesmal weniger verändert wurde und einen bei so mancher Sequenz das Gefühl überkommt, man habe sie so ähnlich schon einmal von den Schweden gehört, doch ohne dass es sich um plumpe Selbstkopie handeln würde. Und allein das schaffen nur sehr wenige.

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann

Rund um das neue Album

„Ist egal, ob die Verstärker kaputt sind, aber um den Laden mache ich mir echt Sorgen“

Und das Rudel feiert jeden Ton

Kontrolliertes Durcheinander