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Karthago: Second Step

Eine Legende steht wieder auf
Wertung: 8/10
Genre: Rock
Spielzeit: 46:52
Release: 09.12.2011
Label: MIG Music

Karthago werden den Jüngeren unter den Lesern im ersten Moment wohl eher kein Begriff sein. Dabei darf man die Bedeutung der Band in den Siebzigerjahren nicht unterschätzen. 

Auch wenn die Musik der Band nicht wirklich deutsch klingt, so war die Gruppe mit ihrem hohen musikalischen Niveau für viele nachfolgende Bands mehr als nur wegweisend. 

Die Musik lässt sich schlecht festnageln. Der Stil schwingt immer zwischen Funk, Jazz und frühem Rock. Dabei gibt es auch immer wieder eine Prise Discosound dazwischen geklemmt. Alles klingt sehr frei und ungekünstelt, ehrlich eben. Die Band bestand während der Aufnahmen zu diesem Album aus mehr als nur begabten Künstlern, was aus der Scheibe eine Fundgrube für musikalische Höchstleistungen der zweiten Stunde macht. Am meisten verzaubern die Instrumentalparts. Es ist dabei völlig egal, ob man sich die Drums, die Gitarren, die Synthies oder auch die Orgel vornimmt. Man wird zu dem Entschluss, dass an der Scheibe geniale Musiker gearbeitet haben, kommen müssen. 

Die musikalischen und textlichen Themen der Songs sind so weit gestreut wie die Lieder und die Musiker an sich. Da sich praktisch alle Musiker der Gruppe am Songwriting beteiligten (in unterschiedlich fester Komponente), kam es zwangsläufig zu diversen Konflikten, die dann im Endeffekt darin gipfelten, dass Schlagzeuger Wolfgang Brock die Segel strich. 

Für Rockmusikfans, die diese Zeit miterlebt haben, ist diese aufbereitete Wiederauflage natürlich ein ganz besonderes Schmankerl, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Schwieriger wird es, den jüngeren Anhängern Strom-orientierter Musik dieses Kleinod schmackhaft zu machen, denn für Hörer unter einem gewissen Alter könnte die Scheibe einfach nur altmodisch und uninteressant klingen. Der Bezug zu anspruchsvollerer Musik kommt eben manchmal später.  

Die neue Aufmachung steht der Scheibe sehr gut zu Gesicht. Der Verfasser des Artikels kennt die Originale nicht, aber der Sound der hier besprochenen CD ist klar, akkurat definiert und verhältnismäßig modern. 

Besonders interessant sind unter anderem die Lieder „Croswords And Intermission“ und „Wild River“. Dazu gesellt sich die Ausnahmenummer „Lamento Juvenil“. Im Prinzip stellt die ganze Scheibe eine Retrospektive in die Zeit der hochklassigen Musikschöpfungen der deutschen Nachkriegsgeschichte dar.  

Wer sich also für die Entstehung der heute so gewaltigen deutschen Musikszene interessiert, der sollte sich „Second Step“ durchaus einmal reinziehen. Mit einer gewissen Weitsichtigkeit ausgestattete Hörer werden kaum enttäuscht werden. 

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