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Kansas: The Absence Of Presence

Wer den Vorgänger mochte, kann auch hier bedenkenlos zugreifen
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 47:21
Release: 17.07.2020
Label: InsideOut

Mit „The Prelude Implicit“, der ersten regulären Kansas-Platte seit 16 Jahren, hatten die US-Prog-Rocker seinerzeit bewiesen, dass es auch ohne Kreativkopf Kerry Livgren und den langjährigen Frontmann Steve Walsh geht. Sicherlich hatten viele befürchtet, dass das Comeback ohne diese beiden prägenden Figuren völlig in die Hose gehen würde, tatsächlich war das Gegenteil der Fall: Mit Ronnie Platt als neuem Leadsänger hatte die Combo einen sehr guten Griff getan und Platt war sogar – genau wie der zweite Neuzugang Zak Rizvi an der Gitarre – umgehend stark in den Kompositionsprozess involviert.

Dass die beiden vorher schon glühende Fans der Band waren, hörte man zu jeder Sekunde heraus: Die Songs klangen hörbar nach Kansas, dabei trotzdem nicht nach Rip-off der eigenen glorreichen Vergangenheit, sondern frisch und nach einer Band, die immer noch richtig Bock hat. Nachdem sie erfolgreiche Tourneen absolvierten, in denen die Jubiläen der Meisterwerke „Leftovertures“ und „Point Of Know Return“ zelebriert wurden, liegt nun das zweite Album nach dem Comeback vor: „The Absence Of Presence“.

Und so viel sei gleich gesagt: Wer an dem Vorgänger Gefallen gefunden hat, kann auch beim nunmehr 16. Studioalbum der Altprogger bedenkenlos zugreifen. Die Scheibe knüpft nahtlos an „The Prelude Implicit“ an und beinhaltet alle Trademarks, die Fans an der Gruppe lieben. Mag sein, dass es daher wenige in dem Sinne überraschende Momente gibt, dafür aber die geballte Ladung Kansas und einen Haufen schlichtweg richtig starker Songs.

Im Übrigen ist mit Tom Brislin am Keyboard wiederum ein Neuzugang zu verzeichnen und auch dieser ist von Anfang an erstaunlich viel am Songwriting beteiligt. Dieses Mal ist es sogar fast ausschließlich das Trio der Neuen, die sowohl für Musik als auch Lyrics verantwortlich zeichnen. Frisches Blut bringt neue Kreativität in den Laden, lautet da anscheinend die Devise – wohl auch bei den noch verbliebenen Originalmitgliedern Rich Williams (Gitarre) und Phil Ehart (Drums). Gute Musik abzuliefern scheint also wichtiger als die Sicherung von Royaltys – schön, dass es so was noch gibt.

Der eröffnende Titelsong (gleichzeitig auch die längste Nummer des Albums) ist gleich ein Mini-Prog-Epos allererster Güte: Mit ein paar vereinzelten Pianoakkorden startend, über der alsbald eine Geigenmelodie von David Ragsdale schwebt, die dann in eine groovende Passage mündet, bevor Ronnie Platt mit wunderbarem Wohlfühlgesang einsetzt, befindet man sich schwuppdiwupp im einzigartigen Kansas-Kosmos. Der Achteinhalb-Minuten-Track besticht vor allem durch die Tatsache, dass hier – songdienlich und exzellent strukturiert – so ziemlich alle typischen Elemente vereint sind: Herrliche Melodien, kraftvolles Riffing, bombastische Keyboards, ohrenschmeichelnde Violinen und proggige Verspieltheit.

Das Stück als die herausragende Nummer des Albums zu bezeichnen ist legitim, dennoch sollte das ebenfalls bärenstarke restliche Material nicht vernachlässigt werden. Das folgende „Throwing Mountains“ pumpt superheavy und vollbringt dabei trotzdem die Kunst, mit einem strahlenden Refrain in hohen Gesangslagen aufzuwarten und in „Jets Overhead“ tut sich vor allem Ragsdale erneut mit prägnantem Violinenspiel hervor. „Memories Down The Line“ und „Never“ stellen hingegen zwei Balladen dar, beide völlig unprätentiös und kitschfrei in Szene gesetzt – erstere eher melancholisch, letztere feierlich.

„Circus Of Illusion“ ist dann in erster Linie durch perlende Gitarren, konstant gedoppelten Gesang und das versierte Drumming gekennzeichnet, doch auch hier findet sich Platz für David Ragsdales charakteristische Geige und proggige Momente, während „Animals On The Roof“ regelrecht hymnisch erscheint. Im abschließenden „The Song The River Sang“ darf Keyboarder Tom Brislin gar den kompletten Leadgesang übernehmen, allerdings stammt die Komposition auch allein aus seiner Feder – man kann bei einer weltbekannten und sehr erfolgreichen Band als Neuzugang sicherlich einen schlechteren Einstand haben.

Wie erwähnt: Natürlich erfinden die Amis auf „The Presence Of Absence“ das Rad nicht neu, aber wer hat das erwartet? Das Album macht von vorne bis hinten Spaß und weckt wie sein Vorgänger Reminiszenzen an die kreativste und erfolgreichste Phase Mitte der Siebziger, klingt dabei aber erfreulich heavy, ist dennoch abwechslungsreich und wurde von Zak Rizvi modern und knackig produziert. Puristen, die lediglich die Originalbesetzung akzeptieren, lassen sich hier jedenfalls eine feine Platte durch die Lappen gehen.

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