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Kamikaze Girls: Seafoam

Leider nur wenige Ecken und Kanten
Wertung: 7/10
Genre: Punkrock
Spielzeit: 34:23
Release: 09.06.2017
Label: Big Scary Monsters

Schon der Name Kamikaze Girls führt den Hörer in die Irre, besteht die Band doch eigentlich nur aus einem Girl, nämlich Sängerin und Gitarristin Lucinda Livinstone; die restliche Hälfte macht Drummer Conor Dawson aus, der auch beim Zudrücken beider Augen beim besten Willen nicht als Mädel durchgeht. Auch der Titel „Seafoam“ bleibt erst mal mit einem Fragezeichen im Raum stehen, denn die Songs kommen keineswegs leicht und fluffig aus den Boxen; dass die Platte stattdessen derart verzweifelt und hoffnungslos klingt, hat aber seine guten Gründe: Nach der letzten Tour Ende 2016 stand die Sängerin nämlich ohne Wohnung, ohne Perspektive und mit den Albumaufnahmen im Nacken da. Eine aufwühlende Zeit, die die Briten einwandfrei in die Songs übertragen haben. Auf knapp einer halben Stunde wird die Traurigkeit quasi zelebriert – und das alles im Londoner Punkrock-Gewand mit einer Prise Pop, die aber recht gut versteckt wird hinter verzerrten Vocals, schrammelnden Gitarren und hoffnungslosen Texten.

In Songs wie „KG Go To The Pub“ schwingt außerdem aber noch eine ganz ordentliche Portion Wut mit, was sicherlich auch am Einsatz von Petrol Girls-Sängerin Ren Aldridge liegt, die stimmlich recht deftig dazwischen grätscht. Aber auch ohne fremde Hilfe macht die Truppe eine ausnehmend gute Figur in Songs wie „Berlin“, die richtig tanzbare Elemente beinhalten und dank der verzerrten Vocals trotzdem nur sehr kurz an der Pop-Schublade kratzen.

Leider schaffen Kamikaze Girls es nicht so recht, die rohe Angepisstheit auf der ganzen Spiellänge beizubehalten, ein Stück wie „Lights & Sounds“ wirkt eher beliebig und austauschbar, was vor allem deswegen schade ist, weil das Duo sonst mit Wiedererkennungsmerkmalen nicht geizig ist. Das Intro zu „Deathcap“ mit seiner gleichzeitig frischen und irgendwie deprimierenden Gitarre beispielsweise macht da schon wieder mehr Punkte, Sängerin Lucinda bedient sich vor allem im Refrain an reichlich Hall, zwischendurch wird fast schon Sprechgesang eingestreut – so gefallen Kamikaze Girls definitiv und können die Bewertung nochmal ein bisschen nach oben treiben.

Ähnliche Komponenten kann auch „Unhealthy Love“ aufweisen, das zwar auch eher poppig ausgerichtet ist, die Zutaten aber wesentlich homogener mischt als das bereits erwähnte „Lights & Sounds“, zumal hier die Melodie schöner und passender im Vordergrund steht. Gleichzeitig kommt auch hier wieder die Resignation durch, die Sänger Lucinda wirklich gut durch den Gesang transportieren kann – ein definitiver Anspieltipp kurz vor Schluss. „I Don’t Want To Be Sad Forever“ nimmt natürlich aller Albumemotion die Grundlage, wirkt aber tatsächlich etwas wütender und aggressiver als der große Rest der Platte; eine wirkliche Überraschung gibt es aber für den geneigten Hörer nicht mehr.

„Seafoam“ ist sicherlich ein Album, das nicht unbedingt polarisieren oder irgendjemandem negativ aufstoßen wird – zu wenige Ecken und Kanten bietet die knappe halbe Stunde. Gleichzeitig gibt es aber natürlich auch keinen Song, der als völlige Luftnummer durchgeht. So bewegt sich die Platte im Mittelfeld und macht es sich da für’s Erste gemütlich – wir werden sehen, was von den Briten noch kommt.

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