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Kamelot: One Cold Winter's Night

Alles richtig gemacht
Wertung: 8.5/10
Genre: Melodic Metal
Spielzeit: 90:0
Release: 27.10.2006
Label: Steamhammer/SPV

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Live – CD/DVD (der gute alte Karl Marx möge mir den „Mißbrauch“ nachsehen). Wie eine galoppierende Seuche breitet sich dieses Gespenst über die Regale der einschlägigen Märkte und Ketten aus. Ein Ende ist nicht abzusehen. Jeder – und ich meine damit wirklich jeden Künstler/Band – veröffentlicht derzeit irgend etwas auf DVD. Zumeist sind es Live – Mitschnitte. Das Gespenstische daran ist die Tatsache, dass vieles davon nicht ansatzweise veröffentlichungswert ist.

Folglich stellt sich die Frage, wie man in Zeiten solch medialer Überschwemmung die Spreu vom Weizen zu trennen vermag. Schwierig!?

Auch Kamelot wagen sich an die Veröffentlichung einer Box, die eine Doppel – DVD und die zu besprechende Live – Doppel – CD enthält. Ich wünsche den Jungs für den Verkauf dieser Box viel Glück.

Nun zurück zum mir vorliegenden Livealbum.

In meinen Augen sind Livealben eine ausgesprochen gefährliche und zweischneidige Angelegenheit. Zum Einen kann man mit ihnen den Beweis antreten, eine wirklich großartige Band zu sein. Zum Anderen besteht die Gefahr, sich bis auf die Knochen zu blamieren, da man nach den Liveaufnahmen viel Zeit im Studio verbringen muss, um sämtliche Fehler auszumerzen und die Fans nicht dumm (oder besser taub) genug sind, dies nicht zu bemerken.

Und über all dem hängt als Damokles – Schwert ein Livehammer namens „Made In Japan“ von einer der besten Bands aller Zeiten: Deep Purple. Dieses Album wird auf Ewigkeiten der Maßstab aller Dinge in Sachen Livealbum bleiben.

Bleibt die Frage, ob man sich daran messen will und kann – oder nicht!

Mit dem im Februar diesen Jahres in Oslo aufgenommen „One Cold Winter’s Night“ haben Kamelot ihre Sache mehr als respektabel gelöst. Auf zwei CDs verteilt, wird man Ohrenzeuge einer ausgesprochen opulenten und komplett gelungenen Vorstellung der inzwischen zum Quintett angewachsenen Band.

Los geht der Ohrenschmaus mit dem kurzen Intro „Un Assasino Molto Silenzioso“. Dem folgt das fulminante „The Black Halo“ – der Titelsong zum letzten und gleichnamigen Studioalbum. Auf dem liegt der Schwerpunkt der gesamten Show. Mit „Soul Society“ (CD “The Black Halo”) wird das Tempo gleich noch einmal angezogen. Die Band zeigt bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, dass sie sich in Höchstform befindet. Bevor es mit „The Edge Of Forever“ (CD „Epica“) weitergeht, begrüßt Sänger Khan seine Landsleute erst einmal in der gemeinsamen Muttersprache Norwegisch. (Kurze Anmerkung : Roy Khan ist in Norwegen aufgewachsen und hat vor Kamelot bei Conception einer von dort stammenden Progressive Rock/Metal – Band gesungen.) „Center Of The Universe“ (CD „Epica“) beweist einmal mehr was für ein Ausnahmesänger Khan ist. Kraftvoll, sauber und absolut fehlerfrei intoniert er den gesanglich sehr anspruchsvollen Song. Besonders bemerkenswert der perfekte Wechsel in den ruhigeren vom Klavier getragenen Mittelpart und das Duett mit Mari Youngblood (Ehefrau ? von Tom Youngblood). Als nächstes geht es noch einen Schritt weiter in die Vergangenheit. Mit „Nights Of Arabia“ präsentiert man einen Song von der CD „The Fourth Legacy“. Gesanglich wird Khan hier von Elisabeth Kjærnes unterstützt. Das epische „Abandoned“ kehrt nicht nur zur CD „The Black Halo“ zurück, sondern vereint erneut Khan und Mari Youngblood im Duett. Von einem wunderschönen Gitarrenintro eingeleitet, bricht sich einer der wohl bekanntesten und besten Kamelot – Songs aller Zeiten nämlich „Forever“ vom „Karma“ – Album die Bahn. Geniale Liveumsetzung. Mit dem vom neuen Keyboarder Oliver Palotai eingestreuten Solo kehrt etwas Ruhe ein, doch „The Haunting“(CD “The Black Halo”) liegt schon auf der Lauer und wartet abermals mit hochkarätiger Sangesunterstützung auf. Diesmal gibt sich die Epica – Frontfrau Simone Simons die Ehre. Perfekter Abschluss für Teil Eins ist das wunderschöne getragene „Moonlight“ von „The Black Halo“. Hier darf sich Produzent Sascha Paeth als Gastgitarrero mit Soloeinlage austoben.

„When The Lights Are Down“ von „The Black Halo“ eröffnet CD Nummer zwei. Die Band zeigt keinerlei Nachsehen mit dem Publikum und serviert erneut einen Nackenbrecher aller erster Güte. Unglaublich mit welcher Präzision und Spielfreude die wahrlich nicht einfachen Songs live präsentiert werden. Mit dem 13 – minütigen „Elizabeth“ (CD „Karma“) beweisen Kamelot sehr viel Mut. Das dreiteilige Opus repräsentiert die Band perfekt und zeigt auf ideale Weise den Facettenreichtum ihres musikalischen Schaffens. Der sich anschließende „March Of Mephisto“, ebenfalls von „The Black Halo“, marschiert im wahrsten Sinne des Wortes heran und baut die Brücke zum Titelsong des Albums “Karma”. Dieser ebenso wie „Nights Of Arabia“ orientalisch angehauchte Song führt einmal mehr den Einfallsreichtum der Band vor Augen. Das anschließende Drum – Solo zeigt Casey Grillo als Meister seines Faches. Als letzten regulären Song gibt es – wie passend – das flotte „Farewell“ (CD „Karma“) zu hören. Und dann ist auch schon fast Schluss. Khan verabschiedet sich auf norwegisch und es folgt das finale „Outro“, ein klavierbasiertes Instrumental.

Kamelot haben aus meiner Sicht alles richtig und nichts falsch gemacht. Einziger kleiner Wermutstropfen ist die Tatsache, dass auf Songs von den ersten drei Alben verzichtet wurde.

Fazit : Empfehlenswertes Live – Doppel – Album.

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