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kála: Antithesis

Ein starker EP-Abschluss, und von "Dreamo" kaum eine Spur
Wertung: 9/10
Genre: Post-Hardcore, Dreamo
Spielzeit: 20:49
Release: 19.07.2019
Label: Through Love Records

Die Österreicher kála haben sich mit „Dreamo“ nicht nur eine eigene Genre-Bezeichnung gebastelt (die viel mehr Kitsch vermuten lässt, als letzten Endes tatsächlich vorherrscht), sondern mit den EPs „Thesis“, „Antithesis“ und der aktuellen „Synthesis“ auch ein Konzept geschaffen, das auf der Lehre der Gegensätze, der Dialektik, beruht. Folgerichtig bildet die dritte EP also die Verschmelzung aller Einflüsse, gebannt auf sechs Songs zwischen Screamo, Post-Hardcore und den „Dreamo“ eigenen sphärischen Arrangements.

Erinnert wird man schon im Opener „Antidote“ an Bands wie Days In Grief, wozu hauptsächlich auch die emolastige Stimme von Sänger Sebastian beiträgt, der gemeinsam mit Gitarrist Jakob den verbliebenen Gründungskern der Truppe darstellt. So fühlt man sich gleich schon ein bisschen zuhause und auch wenn man die vorangegangenen beiden EPs nicht kennt, kann man sich in „Synthesis“ hineinfallen lassen, ohne auf harten Grund zu prallen. Gerade auch der Opener ist es, der sich am drängendsten in Hirn und Herz frisst, zaubert er den Hörer doch kurz mal zurück in die Anfangs-2000er, da stellen sich schon beim Intro-Riff alle Haare auf – vor allem der Refrain kann dann textlich gar noch deutlich mehr punkten: „We do heal as we speak/ We do heal as we touch/ We do heal when we dance with strangers in the dark...“ - da heilt man auch nur beim Anhören ein ganz kleines bisschen.

Ähnlich drängend schiebt sich „Echo“ dann in die Hirnwindungen, ohne allerdings zu aufdringlich zu sein. Hier werden die Österreicher ihrem Prädikat „Dreamo“ gerecht, nimmt man die perlende Gitarre und die sphärischen Arrangements ebenso als Referenz wie den hinterlegten Klargesang im Refrain. „Denial And Isolation“ verliert dann so ein bisschen den roten Faden der bisherigen einprägsamen Refrains, wirkt insgesamt ein wenig progressiver und entrückter, was sicherlich auch wieder an dem Klargesang im Hintergrund liegen mag; das Instrumentalintermezzo „Interlude“ bringt den Hörer mit seinem elektronischen Herzschlag dann wieder ein bisschen runter, hätte aber durchaus auch einen Hauch kürzer ausfallen dürfen. Als Gegenpart und finalen Song hätte man sich dann vielleicht ein etwas aggressiveres Stück gewünscht, erhält mit dem widersinnig betitelten „Prologue“ dann aber einen fast schon entspannten Track, der zwar durchaus eindringliche Momente hat, aber erst im Refrain ein bisschen mehr aus sich herausgeht – dann aber muss man vor allem die stampfenden Drums hervorheben, die dem Song noch mal ordentlich Dynamik verleihen. Und siehe da: Ein bisschen kakophonische Ausrasterei gibt es dann doch, der Song wendet sich beinah um 180 Grad, und kann in der letzten Minute dann noch mal zusätzliche Punkte einfahren.

Eine wahre Schande ist es, dass es weder „Thesis“ noch „Antithesis“ in physischer Form zu geben scheint, dafür wurde die aktuelle EP natürlich gleich bei den guten Leuten von Through Love Records nachbeordert. Kann eh nicht sein, dass eine starke Band wie kála bislang noch nicht im heimischen Plattenregal vertreten war. Wer also Bezugsquellen für die beiden Vorgänger-EPs kennt: Immer her damit. Ansonsten gilt: Anhören, anhören und zum 100. Mal anhören.

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