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Kärbholz: Überdosis Leben

Gediegenes Rockalbum
Wertung: 7,5/10
Genre: Rock
Spielzeit: 51:35
Release: 27.01.2017
Label: Metalville

Seit vierzehn Jahren sind Kärbholz nunmehr aktiv, konstant ging es in dieser Zeit mit ihrem selbstbetitelten „Vollgas Rock’n’Roll“ bergauf und mittlerweile sind die Ruppichterother aus der Deutsch-Rock-Szene nicht mehr wegzudenken. Mit „Überdosis Leben“ werfen sie ihr mittlerweile siebtes Studioalbum auf den Markt, welches fast auf den Tag genau zwei Jahre nach ihrem letzten Output „Karma“ veröffentlicht wurde. Und genau an dieses Album möchte man eben nicht reibungslos anknüpfen, so zumindest die bandeigene Ansage. Bedeutet so viel, dass man sich eben halt weiterentwickeln will, was zumindest mal ein hehrer Anspruch ist.

Ob ihnen dies gelungen ist, kann sich der Vierer wohl am besten selbst beantworten. Für den Hörer bleibt es wohl ein typisches Kärbholz-Album, welches ziemlich geradlinig und mit einem guten Schwung Energie daherkommt. Thematisch setzt sich der Vierer mit seiner Umwelt und ebenso mit sich selbst auseinander, dies auf einer lyrischen Stufe, die man als Straßenpoesie bezeichnen möchte und dadurch im Großen und Ganzen recht authentisch wirkt. Schon der knallige Opener „Ich hoffe du kannst mich sehen“ bietet eine Reflektion des eigenen Lebens, ebenso das roh belassene „Schwerelosigkeit“, welches zudem mit seinem Schlagzeugpart überzeugt. Kärbholz verzichten hierbei glücklicherweise auf zu viel Pathos, was gegenüber anderen Bands durchaus sehr angenehm wirkt und selbst beim im Genre oft zelebrierten Thema Freundschaft schaffen sie mit „Nur wir beide“ eine verhältnismäßig entspannte und wenig auf das Gemüt drückende Version.

Etwas anders sieht es da schon bei „Perfekt unperfekt“ aus, bei welchem Liedermacherin Franzi Kusche mit an Bord ist und was nicht nur deutlich ruhiger gestaltet ist, sondern gar einen leicht schnulzigen Touch besitzt. Dafür kann „Evolution umsonst“ diesen Punkt komplett wieder ausgleichen, hat dieses wenig schmeichelhafte Kompliment an die heutige Generation eh schon einen derberen Einschlag, hauen die Growls von Death-Metaller Lenny von Endseeker nochmal anständig rein, was den Song doch um einiges spezieller macht.

Als etwas eigen möchte man auch den Titel „Kind aus Hinterwald“ beschreiben, der die Liebe zur kleinstädtischen Heimat umschreibt und mit einem gehörigen Country-Einschlag daherkommt. Irgendwie wirkt das Ganze etwas kauzig, wobei die angelegte Selbstironie durchaus willkommen ist und sich zudem eben auch stilistisch etwas Abwechslung einschleicht, selbst wenn der Song nicht gerade zu den Stärksten zu zählen ist. Das abschließende „In Flammen“ bringt gar noch hymnische Anklänge auf die Scheibe, die wohl in jeder Südkurve beliebt sein dürften. Und bevor man endgültig zum Fazit übergeht, sollte unbedingt noch „Da ist noch Leben drin“ hervorgehoben werden, immerhin handelt es sich hier um den besten Song des Albums. Etwas rauer geraten, werden hier die Saiten ordentlich zum Glühen gebracht, zudem gibt es im Mittelteil noch einen Instrumentalteil, der das Stück noch weiter aufwertet.

Insgesamt bieten Kärbholz auf „Überdosis Leben“ geradlinigen Rock an, der mit einigen Facetten punkten kann. Die Produktion ist satt und eigentlich gehen fast alle Songs gut und druckvoll ins Ohr, ohne dabei komplett abgeschliffen zu wirken. Selbst wenn bei den Lyrics noch gut Platz nach oben ist, ist ihnen ein grundsolides Album gelungen, mit dem Fans von Deutschrock nichts verkehrt machen.

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