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KadavriK: Grimm I & II

Brutal destruktiv und extrem ausgereift
Wertung: 9/10
Genre: Atmospheric Black Metal
Spielzeit: 43:07
Release: 26.06.2015
Label: Testimony Records

Leichte Kost haben KadavriK in der Vergangenheit niemals vorgelegt, und wer denkt, das würden sie bei dem mittlerweile vierten Longplayer ändern, der hat dabei wohl viel zu sehr an den Froschkönig oder Dornröschen gedacht. Wie ein verschworener Haufen präsentieren sie sich, wenn man ihnen begegnet, und wie aus einem Guss präsentieren sie sich auch auf „Grimm I & II“, denn derartige Mucke schreibt man nicht bei kreativen Differenzen und schon gar nicht mal eben aus dem Handgelenk – Stimmungen wollen halt nicht nur eingefangen, sondern auch mit Tiefgang präsentiert werden.

Wer schon wie beim Evil Horde Metalfest 2015 die Gelegenheit hatte, die ersten neuen Songs auch live erfahren zu dürfen, dem wird ganz sicher die zusätzliche stilistische Ausweitung aufgefallen sein, denn die todmetallischen und immer auch pechschwarz angehauchten Tracks werden durch zahlreiche sehr atmosphärische, in ihrer Wirkung sehr destruktive Parts „aufgelockert“ und sorgen so für ein nicht nur sehr abwechslungsreiches Album, sondern auch für eine genreübergreifende Vielfalt, wie man sie von den auch schon in der Vergangenheit teilweise sehr experimentierfreudigen jungen Herren aus Wesel – man denke nur an die deutschen Texte auf „N.O.A.H.“ – auch noch nicht gewohnt war.

Wer nun hier beim Titel auf Friede-Freude-Eierkuchen-Romantik setzt, der dürfte auch von der „Haß“-Vergangenheit keinen Schimmer haben, denn auch wenn das spielerisch wirkende „7 Years“ durchaus noch einen Funken Hoffnung in der märchenhaften Seele beherbergt, so sorgen die immer wieder konspirativ bedrohlichen Gitarren dafür, dass man nicht in Grimmsche Träumerei verfällt. Die dürfte denn auch gar nicht erst bei den ersten Nummern aufgekommen sein, loten KadvriK doch so schon alle Grenzen schwermetallischer Kunst aus. Schon die kurz gehaltene Einleitung zum Opener „Wither Away“ mit einem blackmetallisch fauchenden Niklas, gepaart mit den häufig schleppenden Arrangements und den teilweise gar epischen Keyboardteppichen, die immer für wieder zwischen hoffnungsvoller Freude und tiefenabwehrender Beklemmung pendeln, dazu ein paar ausweidende Knüppelpassagen: fertig ist ein atmosphärischer Black-Metal-Song, der passend durch Wolfsgeknurre ausfadet.

Und im Grunde setzen KadavriK dort auch immer wieder an, denn die Hauptzutaten wie songdienliche Drums – mal schleppend, mal heftig vorantreibend – und manchmal spielerisch wirkende Gitarren werden gerade durch die monumentalen Tasten, gespielt durch Hateful Han Of Hate (alles klar...; Anm. d. Red.), jederzeit lieblich umgarnt oder auch dramatisch konterkariert. Fast schon im chaotischen Geschwindigkeitsrausch toben sich die Weseler in „Ruins“ aus, setzen auf disharmonische Töne und spinnen den wirren Handlungsfaden zu einem Konglomerat aus eingängiger Melancholie und dem Zusammenbruch gängiger Geschichtserzählstrukturen.

Wie geschickt sie mit den Emotionen spielen können, zeigen sie auch mit „Lords“ auf. Zuerst wird man durch die leichte Muse geküsst, ein paar Klaviertupfer gaukeln die Leichtigkeit des Seins vor, brechen dann aber unvermittelt in einem brutalen Gehacke zusammen, wobei auch hier das pure Chaos die Oberhand zu gewinnen droht, die Vertonung über das Ausbrechen gängiger Muster, wobei sie trotzdem noch immer eingängig genug bleiben, um den Rahmen nicht komplett zu überdrehen. Auch das anschließende „Voids“ reitet erst auf dem leichtfertigen Gedanken herum, hier könnte dann doch noch etwas Märchenromantik aufkommen, doch diese werden dann durch die schwer schleppende Gangart zuerst langsam zerlegt, nachher sogar durch eine Tempoverschärfung zerfetzt. Sollte dann aber noch etwas davon übrig geblieben sein, sorgt „Shuttered“ auch für die die Zerlegung der allerletzten Brotkrumenhoffnung – bedrohlich, destruktiv und doch auf eine Art befremdlich einigend.

Es war einmal... So fangen sicher viele Rezensenten an, wenn sie „Grimm I& II“ in ihrem Player aufliegen haben, dabei müsste es eigentlich heißen: „Es müsste sein...“. KadavriK legen mit dem vierten Full-Length-Scheibchen mit Sicherheit ihre bisher reifste Leistung vor. In der Vergangenheit konnte man immer erahnen, zu welcher Leistung das Quintett im Stande sein würde; dass sie aber ausgerechnet mit dem Märchenthema derart ihr kreatives Potenzial auszuschöpfen wissen, ist dann doch ein wenig überraschend. Da bleiben eigentlich nur noch zwei Hoffnungen mit verbunden: Zum einen mögen sie endlich dem heimischen Underground entwachsen, zum anderen kann auch das nur ein Zwischenschritt zu noch mehr guter Musik sein. Und so wird die Story trotz aller destruktiven Phasen ein gutes Ende finden.

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