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Jutta Weinhold: Read Between The Lines

Mehr drin als erwartet, nichts für sture Puristen
Wertung: 8/10
Genre: Hard Jazz, Blues, Musical, Rock, Metal
Spielzeit: 49:01
Release: 27.09.2010
Label: Fastball Music

Wie hieß noch die ehemalige Frontfrau von Zed Yago? Ohne Jutta zerbrach das Schiff und auch der Comebackversuch versank recht unerhört im Meer. Aber das ist zu wenig, um die Frau zu beschreiben. Als Musical-Sängerin (Hair, Jesus Christ Superstar) gestartet, sang sie in der Band von Udo Lindenberg, machte diverse Soloalben und konnte sich mit Zed Yago zumindest in Deutschland einen nicht unbeträchtlichen Namen erspielen. Danach gab es noch Velvet Viper und eigene Projekte, von denen ich einfach nur mal Akustik Randale benennen will. Habe ich erzählt, dass sie einen Gospel-Rock-Chor leitet? Egal, denn es geht hier um ihr brandneues Album „Read Between The Lines“.

Mit „Sex, No Drugs But Rock’n’Roll“ wird hier deftiger Heavy Metal rausgehauen. Das klingt natürlich recht Image-geschädigt, ist es sicher irgendwo auch, aber hier wird schön old schoolig gerockt und Jutta brilliert mit ihrer tollen Stimme. Die Band treibt zünftig voran und Jutta zelebriert die Magie ihrer Stimmbänder. Recht schlicht und sehr direkt geht sie hier vor. Das macht Spaß und vermittelt einen guten Eindruck an die Anfangstage der harten lauten Gitarrenmusik.

„Are You Ready Love“ beginnt mit mächtigem Doom-Bass. Mal langsam, dann wieder im Midtempo verschafft sich der Song viel Platz. Dieser fulminante Refrain von Jutta ist dann mal wieder ein richtig fettes Highlight. Kai Reuter haut dann auch noch ein starkes, passendes Gitarrensolo mit viel Gefühl raus und schon haben wir einen zweiten, großartigen Track.

„Nothing Has Changed“ ist dann ein waschechter Hardrocker. Auch wenn ich mir hier eine zweite Gitarre gewünscht hätte, ist dies ein weiteres kleines Juwel. Eigentlich wie fast alle Songs auf dem Album sehr straight gehalten, marschiert Jutta mit Band einfach nur geradeaus vorwärts. Es wird immer klarer, dass dies kein Album für Hörer ist, welche sich auf eine Stilrichtung festlegen.

Wow, was kommt denn dann? „The Garden Of Love“ ist ein leicht melancholischer Song, dargeboten in balladesker Form. Akustikgitarre, dominanter Bass und Juttas Stimme. Hört sich erst einmal ein wenig schräg an, aber so nach und nach brennt sich der Song ganz tief ins Gedächtniszentrum ein. Frau Weinhold singt teilweise richtig rau, als ob sie ein wenig heiser zu werden scheint. Toll, was sie hier abliefern kann.

„A Tired Girl“ ist dann der nächste Stilbrecher. Irgendwie seltsam anmutend und absolut nicht metallisch oder hart rockend. Akustisch unterstützt haut die Band hier ein recht offen inspiriertes Stück raus, welches schon Mut zeigt. Irgendwie fließt hier ein Schuss Musical, ein wenig Reggae und noch weiteres, für Rocker schwer Verdauliches, mit ein. Flower Power anno 2010? Nein, auch das trifft nicht wirklich zu, aber der Song hat was und berührt die Seele.

„Watch Out“ wird von starkem Groove dominiert. Recht aufmüpfig singt Jutta ihre Strophen und lediglich beim Refrain vermisse ich dieses kleine bisschen Angepissheit.

Eigentlich ist zu diesem Zeitpunkt auch so ein bisschen das Lowlight erreicht. „Point Of Return“ reißt den Qualitätslevel nicht wirklich hoch. Einfach ein wenig zu sehr im Mittelmaß angesiedelt, kann hier aber auch die Gesangsmelodie nicht wirklich überzeugen.

„Heavenly Helpers“ entschädigt dafür aber schon wieder für einiges. Ständig im Rhythmus und Melodie wechselnd, hinterlässt der Song beim Durchqueren des Trommelfelles Kratz- und Beißspuren. Da spielen heftige Metal-Parts mit Musical-Arrangements und Gospel-Einflüssen und leichten „Flower Power“-Lüftchen, eine regelrechte Achterbahnfahrt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stücken ein Track, der hohe Aufmerksamkeit erfordert und unwillkürlich zum Betätigen der Repeat-Taste nötigt.

„I Feel Sorry“ ist ein eher textlich starker Song, da sich die Melodie doch recht schnell abnutzt. Selbstverständlich ist dieser Song dann logischerweise auch ein wenig ruhiger geraten.

„7 Days“ fällt da natürlich ganz anders aus. Ein hoher Anteil Blues sitzt hier in der Stimme von Jutta Weinhold. Aufgepeppt mit ein wenig Jazz weiß der Song definitiv zu gefallen. Hans Christiansens Solo kommt richtig gut, das emulierte Klavier von Dr. Bogart trägt ebenso zum Gesamtwerk bei und pusht den Qualitätsregler nach oben.

„Groove Baby“ möchte man schreien, wenn „Bye Bye Colour TV“ erklingt. Coole Nummer, auch wenn ich den Text recht platt finde, bei dem es eine Abrechnung mit den teilweise auch sehr, sehr platten Fernsehshows gibt.

Allein die Tatsache, dass da schon „DJ Remix“ hinter dem Song „Rock On“ steht, lässt mich nicht wirklich Gutes erahnen. Dieses Cover vom eigenen Projekt Akustik Randale beginnt stark, aber das, was dann DJ-mäßig fabriziert wird, lässt ansatzweise die Zehennägel kräuseln. Da ist auch für mich der Tellerrand zu hoch, um erfreut zu sein. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum man heiße (Rock)-Musik mit kalter Mucke kreuzt. Wenn man sich nur auf den Gesang konzentriert, kann man erahnen, wie gut der Song im Original sein muss. Schade, dass das Album so beschlossen wird.

Fazit: „Open Minded“ heißt hier das Stichwort. Geht man anderes an die Scheibe heran, so ist man sicher genervt. Aber befreit man sich von den selbst auferlegten Zwängen, kann man dieses Album richtig genießen. Jutta Weinhold ist eine tolle Sängerin. Wer nun aber denkt, er bekommt nun Mucke à la Zed Yago, der sollte besser einen großen Bogen um „Read Between The Lines“ machen. Aber da ist dann halt der Name Programm. Wenn man das Album hört, versteht man, warum sie nicht selten als Grande Dame bezeichnet wird. Trotzdem, oder gerade deshalb scheint sie nur das zu machen, was sie will.

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