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Jorn: Spirit Black

Jorn vergewaltigt musikalisch Tarja
Wertung: 5.5/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 40:47
Release: 05.06.2009
Label: Frontiers Records

Das Goldkehlchen des Hardrocks meldet sich zurück. Jorn Lande legt nach dem tollen Album „The Duke“ und „Lonely Are The Brave“ seinen nächsten Output vor. Der Frontmann der ansonsten in Bands wie Masterplan, Avantasis, Millenium und Ark sein Unwesen treibt, frönt hier wieder dem Hard Rock-Trieb. 

„Spirit Black“ beginnt nach kurzem Heul / Quietsch-Intro mit wirklichen Heavy Drums. In sehr gemäßigtem Tempo schleppt sich der Song voran. Und dann ist es endlich soweit und der Meister lässt seine Stimme erklingen. Irgendwie fühlt man sich an Black Sabbath zu melodischeren Zeiten erinnert. Nicht gerade der typische Opener, allein schon wegen des schleppenden Tempos, aber ein wirklich guter Stampfer allemal, auch wenn zum Ende hin immer mehr Ronnie James Dio durchbrechen.

„Below“ wirkt dagegen schon ein wenig peinlich. Wie schon beim „The Duke“- Album, als er doch recht deutlich bei Dios „Caught In The Middle“ geklaut hat („Blacksong“), gibt er hier wieder den schamlosen Räuber. Nun wird kräftig beim Übersong „Holy Diver“ geklaut. Zumindest bricht er im ursprünglichen Refrain ab, um nicht noch offensichtlicher als Plagiat durchzugehen. Um es weiter zu vertuschen, singt er hier etwas mehr im David Coverdaleschen Stil. Nein, lediglich als Beeinflussung kann man das sicher nicht durchgehen lassen.

Mit einem düsteren, sehr spannenden Intro wird dann „Road Of The Cross“ eingeleitet. Dem ehemaligen Black Sabbath und jetzigem Heaven & Hell-Sänger wird mal wieder deutlich mehr gehuldigt. Aber selbst wenn man mal diese Ähnlichkeiten komplett bei Seite schiebt, irgendwie kann Jorn Lande diesmal nicht so überzeugen. Aber das liegt dann wohl eher an den eher unspektakulären Songs. Er singt perfekt wie immer, aber die knackigen, sich im Gedächtnis festbrennenden Refrains fehlen. Drummer Willy Bendiksen hämmert sich mit Nachdruck ins Gedächtnis, zumal er augenscheinlich mehr Interesse daran hat, kräftig auf sein Schlagzeug einzuschlagen als technische Kabinettstückchen zu kreieren. 

„The Last Revolution“ zeigt dann wieder sehr deutlich, dass Jorn Lande wohl irgendwie ein Sohn von David Coverdale und Ronnie James Dio sein muss. Das klingt wirklich gut, aber da Whitesnake ja mit „Good To Be Bad“ einen Kracher erster Güte abgeliefert haben ist dies hier natürlich nicht mehr ganz so notwendig, wie in dem Jahrzehnt studioalbumloser Zeit. Und dass man dann deutlich frischer und agiler daher kommen kann, zeigten die Gitarren und auch generell das Tempo, welches die ursprünglichen Engländer an den Tag legten. Davon ist hier wenig zu spüren. Man trottet zumeist im gedämpften Midtempo daher.

„City Inbetween“ erscheint dann wie der erste Song, der ohne die bereits genannten Anleihen auskommt. Leider schafft es der Song nicht, den Hörer wirklich gefangen zu nehmen. Das wird wohl höchstens die eingefleischten Jorn-Fans wirklich entzücken. Der Refrain ist gelungen, aber irgendwie ist da zu wenig Substanz. Die Gitarren von Igor Gianola und Toren Moren halten sich deutlich zurück und dürfen nur beim Solo etwas brillieren, welches dann aber auch nicht so gelingt, um den Hörer von der Couch zu locken.

„Rock And Roll Angel“ verlässt dann auch sofort wieder die etwas eigenständigeren Pfade. Der Track beginnt sehr verträumt und recht süß, bevor er dann doch wieder den gewohnten Stampfer- Rhythmus zelebriert. Schade, denn der Start ließ viel erwarten. Viel zu seicht wird musikalische Unterstützung für den Gesang gegeben. Einfach nur schwach.

„Burn Your Flame“ zieht dann mal das Tempo ein wenig an, und man versucht verzweifelt, den Qualitätsstandard des letzten Whitesnake-Outputs zu erreichen. Die Gitarren zeigen zwar mehr, aber man ist meilenweit von Doug Aldrich oder Reb Beach entfernt. Der Song ist nicht wirklich schlecht, allerdings ist er auch nichts, was man unbedingt braucht. Bassist Nic Angileri bietet sein solides Spiel an und setzt auch nicht wirklich größere Duftmarken ab.

„World Gone Mad“ hat dann so ein wenig Charme der alten Bachman Turner Overdrive, welches so nicht zu erwarten war. Das reicht eigentlich für den zweiten Anspieltipp, denn der Song hat irgendwie das gewisse Flair. Schade, dass es davon nicht mehr Songs gab. Coole letzte Nummer, ach nein, da gibt es ja noch einen Song.

„I Walk Alone“, nein das darf jetzt nicht wirklich wahr sein. Jorn macht ein Cover von Tarja Turunen. Irgendwie bin ich kurz davor, dass mir Tränen über das Gesicht kullern. Jorn vergewaltigt Tarja]! Anders kann man es nicht sagen. Unglücklicherweise zeigt er damit aber auch sehr deutlich und unverhohlen, was das Dilemma dieses Albums ist. Es gibt nicht wirklich Originales und er kokettiert meist nur mit den großen Vorbildern, ohne deren Klasse zu erreichen. Hier ist „I Walk Alone“ eine recht gewöhnliche, durchschnittliche Hardrock-Nummer ohne jegliches Flair oder Hitcharakter. Tarjas Version geht ans Herz und sorgt für Gänsehaut. Das ist wie der Unterschied von Feuer und Wasser, von Whisky und Leitungswasser, von Leben und Tod. Selten habe ich ein derart schlechtes Cover gehört, weil es auch insgesamt nicht stimmig und überzeugend rüber kommt.


Fazit: Ein insgesamt recht durchschnittliches Album ohne wirkliche herausragende Glanzpunkte. Dafür gibt es einen unterirdischen Coversong, der zusätzlich zu einer Abwertung führt. Wo ist der Herr Lande geblieben, der auf „The Duke“ einen Hit nach dem anderen zelebrierte? Wenn es gut gemacht ist, dürfen auch sehr starke Parallelen zu seinen Vorbildern da sein, aber die Songs geben einfach zu wenig Potenzial her, als dass dies hier gelingen könnte. Vielleicht hätte er sich mehr Zeit lassen sollen mit dem neuen Album.


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