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Jonathan Davis: Black Labyrinth

Ein lohnender Kauf auch für Korn-Fans
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Metal
Spielzeit: 50:20
Release: 25.05.2018
Label: Sumerian Records

Wenn Fronter sich zumindest kurzfristig von ihrer Band lossagen, kann das schon mal ziemlich schwer nach hinten losgehen – entsprechend sah man als jahrelanger Korn-Fan dem angekündigten Solo-Release von Sänger Jonathan Davis ein bisschen ängstlich entgegen, zumal der Mann vor knapp sieben Jahren schon mal ein Live-Solo-Album veröffentlichte, das zwar einige Korn-Songs ziemlich cool umarrangiert präsentierte, aber nicht der Überflieger war, den man sich erhofft hatte. Mit „Black Labyrinth“ wurde jetzt zwar ein Albumtitel gewählt, der zumindest eine Menge Interpretationsspielraum lässt, aber schon alleine das etwas pathetisch anmutende Cover, mit Davis in einem Meer verschwommener Kerzen, lässt dann doch wieder die Skepsis hervorkriechen.

Wie groß die Anspannung, ja, die Angst war, zeigt allein die Tatsache, dass die Schreiberin dieser Zeilen sich die Platte zwar vorbestellt hatte, das gute Stück dann aber nicht etwa wegen Zeitmangels bald zwei Monate auf dem heimischen Schreibtisch vergammelte, sondern weil man sich manchmal nicht recht überwinden kann, sich eine Platte anzuhören, die mit solch großen persönlichen Erwartungen verknüpft ist. Bleiben wir also noch kurz bei den beruhigenden Fakten: Davis tobt sich auf der Platte nicht nur stimmlich aus, sondern hat sich auch noch Gitarre, Keyboards, Violine und Sitar geschnappt, außerdem war der Allrounder für die Produktion zuständig. Ein richtiges Davis-Baby also, aber ganz abnabeln konnte der Mann sich wohl doch nicht: Zumindest Korn-Drummer Ray Luzier ist mit an Bord, außerdem als schöne Überraschung Limp Bizkits Mastermind Wes Borland, der einige Gitarrenparts beisteuern durfte.

Nun kann der Mensch naturgemäß nicht aus seiner Haut, entsprechend überrascht es nicht, dass man die hier vorliegenden Texte auch gut für Korn-Songs hätte nutzen können. Schon der Opener „Underneath My Skin“ kann dann aber für erstes Erstaunen sorgen, findet man doch hier einen etwas poppigen, aber im Refrain geradezu mitreißenden Track, der sich gut zum Aufwärmen eignet. Zwar tauchen bereits bei „Everyone“ die bekannten aggressiven, immer leicht atemlos klingenden Vocals auf, die man von Davis‘ Hauptband gewöhnt ist, insgesamt hält der Musiker sich aber mit stimmlichen Ausrastern zurück.

„Walk On By“ kredenzt dann den nächsten Ohrwurm, hier geht man deutlich schwermütiger zu Werke als noch zu Beginn der Platte; überhaupt ist der Haupttenor der Scheibe getragen von Davis‘ wahrscheinlich nicht mehr zu kurierender Unsicherheit und dem Gefühl, nirgends so recht dazu zu gehören, das der Mann vermutlich auch mit 80 noch mit sich herumtragen wird. „Walk On By“ beinhaltet neben dem ohrwurmigen Refrain, den man auch recht flott mitsingen kann, auch ein grantiges, verzerrtes Intermezzo, das dem Song ziemlich gut steht und ein bisschen Abwechslung in die Sache bringt.

Etwas Pathos („The Secret“) lässt sich aber nicht vermeiden, man hatte es ja bei dem Frontcover schon vermutet, und auch die Bilder des Sängers in der Kirche, die das Booklet zieren, hatten darauf hingedeutet – bei allen überschwänglichen Gefühlen kriegt der Ami aber immer ziemlich gut die Kurve am Kitsch vorbei, und seien wir mal ehrlich: Die Stimme ist und bleibt einzigartig und faszinierend, sei es nun beim Schreien oder bei dem hier hauptsächlich praktizierten Klargesang. „Please Tell Me“ kommt dann beispielsweise recht minimalistisch und teilweise etwas gedämpft daher, erhebt sich aber durch den großartigen Gesang im Refrain auf‘s Anspieltipptreppchen und verursacht sogar ein bisschen Gänsehaut.

Richtig experimentell wird es dann noch mal bei „What You Believe“, ein bisschen erinnert man sich vor allem durch die perkussiven Elemente an die „Unplugged“-Show aus dem Jahr 2007 – laut Internetangaben hat Davis auch im selben Jahr bereits angefangen, am vorliegenden Soloalbum zu arbeiten. So schließt sich also ein bisschen der Kreis – Angst und Skepsis waren im Vorfeld vielleicht berechtigt, werden von den meisten Tracks auf „Black Labyrinth“ aber zum Glück zerstreut. Herausgekommen ist eine Platte, die zwar die Wiedererkennungswerte des Sängers beinhaltet, aber gleichzeitig auch einige überraschende Elemente hat, die sich gut ins Gesamtbild einfügen. So darf sich die Scheibe im oberen Punktedrittel einordnen – kaufen lohnt sich also für alle Davis-Fans.

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