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Johnny Winter: Rockpalast - Blues Rock Legends Vol. 3

Der legendäre '79er Auftritt auf DVD - muss jeder Blues-Rock-Liebhaber besitzen
keine Wertung
Genre: Blues Rock, Rock'n'Roll
Spielzeit: 122:47
Release: 25.02.2011
Label: MIG Music

Der 22. April 1979 war ein nicht unwichtiger Tag in der Karriere von Johnny Winter. Natürlich war der wohl bekannteste Albino der Musikszene zuvor bereits auf dem Woodstock-Festival aufgetreten, was bei einem Rockmusiker schon ausreicht, um Legendenstatus zu erreichen, doch der Gig, welchen er an jenem Tag in der Essener Grugahalle gab, trug maßgeblich dazu bei, dass sich der Name des texanischen Gitarristen auch in Europa endgültig etablierte. Demnach war es nur eine Frage der Zeit, wann der Auftritt im Rahmen der großen Rockpalast-Konzerte, die nach und nach auf DVD erscheinen beziehungsweise erscheinen sind, endlich auf einen audiovisuellen Silberling gepresst werden würde.

Dass das Konzert – bei dem vor Winter und seinen beiden Mitmusikern Jon Paris (Bass) und Bob Torello (Drums) zuvor noch die J. Geils Band und die Patti Smith Group auftraten – zu etwas ganz Besonderem avancieren würde, lag wohl vor allem in der unglaublichen Spielfreude des Trios begründet. Die Band betritt ohne großes Vorgeplänkel die Bühne und legt gleich mal eine elfminütige Version von Freddie Kings „Hideaway“ aufs Parkett, womit sie das bereits gut vorgewärmte Publikum sofort auf ihrer Seite hat. Die drei Musiker sind von Anfang an wie im Rausch und wollen gar nicht mehr aufhören zu spielen – kein Wunder, dass fünf der zwölf dargebotenen Stücke die Zehn-Minuten-Grenze sprengen. Dazu passt außerdem die Aussage Peter Rüchels (dem Begründer des Rockpalastes), der erklärt, man habe vereinbart, dass Winter 80 Minuten Spielzeit bekomme, doch der Tourmanager habe angefragt, ob er nicht auch zwei Stunden spielen dürfe, was man ihm auch zugestand. Solche Flexibilität scheint heutzutage kaum noch denkbar, genauso wie die Begeisterungsfähigkeit des damaligen Publikums, das auch ultralange Stücke mit Jam-Charakter euphorisch abfeiert – die Geduld, Musik lange zu folgen, aufmerksam zuzuhören und nicht bloß zu konsumieren, ist schließlich inzwischen leider auch keine Selbstverständlichkeit mehr.

Johnny und seine beiden Mitstreiter jedenfalls zelebrieren den Blues in all seinen Facetten und wie sehr der weißhaarige Gitarrero in seine Musik versunken ist, zeigt allein die Tatsache, dass er seine Gesangsparts fast ausschließlich mit geschlossenen Augen vorträgt und bei den wenigen, spärlich gehaltenen Ansagen, die er in breitestem Nuschel-Texanisch vorträgt, regelrecht verschüchtert wirkt – fast so, als würde es ihn irritieren, dass er auch mal was zum Publikum sagen sollte. Erst etwa ab der Mitte des Sets, wo er mit „Johnny B. Goode“ zur Abwechslung auch mal eine Rock'n'Roll-Nummer aus dem Hut zaubert (später kommen noch weitere dazu), geht er etwas mehr aus sich heraus, um die Zuschauer richtig wachzurütteln („do you want the fucking rock'n'roll?!“). Auch auf Patti Smith, die zwischendurch die Bretter erklimmt, wohl von dem Wunsch beseelt, mit dem Meister zu jammen, geht er nicht ein – zu sehr schwebt er in seinem eigenen Kosmos. Legendär sind definitiv auch die sporadischen Schreie ins Mikro, als müsste er das Adrenalin herausbrüllen.

Höhepunkt des Auftritts ist wohl der 17 Minuten lange „Mississippi Blues“, der ganz ruhig und langsam beginnt, um sich im weiteren Verlauf immer mehr zu steigern, und bei dem Bassist Jon Paris erstmals zur Mundharmonika greift, die er in bester Bluesman-Manier in einem Gestell vor das Gesicht geschnallt hat, um die Hände für den Tieftöner frei zu haben. Im Prinzip jedoch muss das Konzert ohnehin als Ganzes gesehen werden – Highlights lassen sich so gesehen schlecht ausmachen, da alles wie aus einem Guss wirkt, selbst das Schlagzeugsolo (Winter über den Drummer: „He’s a natural pervert in every language, in every country“) wurde gut integriert, wird nur ein wenig durch Patti Smiths nerviges und völlig unangebrachtes Klarinettengedudel gestört. Die Stimmung ist hier allerdings am Überkochen und Torello, der auch mal seine Toms erklimmt, über die Bühne sprintet und auf dem Boden trommelt, sowie seine Rhythmen dem Klatschen der Leute anpasst, wird frenetisch gefeiert.

Erwähnenswert sind außerdem auch „I’m Ready“ und „Rockabilly Boogie“, bei denen Winter und Paris die Rollen tauschen, indem sich Johnny den Bass schnappt, während Jon den Lead-Vokalisten und Gitarristen mimt und hierbei zeigt, dass auch er die Klampfe ziemlich gut beherrscht. Bei letztgenanntem haben sie dann noch ein besonderes Gimmick in petto, das an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Insgesamt wirklich ein beeindruckender Auftritt, der mit einer fetten, sehr dreckigen Version des Stones-Klassikers „Jumpin' Jack Flash“ würdig beschlossen wird, nach der die Fans auch weiterhin nach Zugaben brüllen.

Technisch gesehen bewegt sich die DVD auf einem akzeptablen Niveau, der Ton hat ordentlich Schmackes, nur das Bild besitzt leider nicht mehr als bessere VHS-Qualität – allerdings muss hierbei bedacht werden, dass der Mitschnitt eben aus dem Jahre 1979 datiert, da kann man natürlich auch kein gestochen scharfes Bild erwarten. Fans des Rockpalastes und insbesondere von gutem Blues Rock kommen jedenfalls nicht um diese Scheibe herum.

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