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John Garcia: The Coyote Who Spoke In Tongues

Qualitativ über jeden Verdacht erhaben - ein Nachgeschmack bleibt
Wertung: 8/10
Genre: Stoner Rock, Acoustic Rock
Spielzeit: 39:24
Release: 27.01.2017
Label: Napalm Records

Mit dem Namen John Garcia verbindet man automatisch die Sonnenbrille, den coolen tänzelnden Gang auf der Bühne und ganz viel trockenen Stoner Rock, hat sich der Amerikaner doch nicht nur mit den großen Kyuss einen auf ewig währenden Namen in der Szene gemacht, sondern auch mit seinen anderen Combos Unida, Vista Chino und Hermano – und wesentlich kurzlebiger auch Slo Burn – ins Bewusstsein zurückgebracht, nachdem Kyuss nicht mehr waren. Mit Kyuss Lives! hatte man auch noch mal die Möglichkeit, den Mann auf der Bühne zu erleben – wer das verpasst hat, kann sich mal ordentlich in den Hintern beißen (lassen).

Nun war es eigentlich nicht verwunderlich, dass die Ein-Mann-Show auch ein Soloalbum herausbringen wollte, so geschehen bereits 2014 – und „John Garcia“ war ziemlich genau das, was man erwarten konnte, nämlich verzerrt, wütend und dynamisch, mit einem geilen Artwork. Die neue Platte „The Coyote Who Spoke In Tongues“ verkörpert nur die ruhigere Seite, allein schon deswegen, weil die Platte ein Akustikwerk geworden ist, auf dem sich Gegenstücke zu „Argeleben“ genauso finden wie Neuinterpretation von Kyuss-Stücken. Auch hier ist das Artwork der Wahnsinn, ein Coyote heult in einer sternenklaren Nacht den Mond an, außenherum ein schwarzer Rahmen. Schlicht, aber wirkungsvoll, so wie es oft auch die Songs des Wüstenmannes sind.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich in den ersten Durchgängen schwergetan habe mit den elf Songs – zumindest mit dem Großteil davon, zumal sich mir nicht erschließt, wieso man die hundertste Version von "Green Machine“ brauchen könnte (außerdem gefällt mir irgendwie die Emil Bulls-Version auf der „The Life Acoustic“-Platte immer noch am besten; nichtsdestoweniger kann der Song eigentlich in jeder Version einiges). Zusätzlich ist der Gesang einfach eine Spur zu leise abgemischt; aber das mag sicherlich auch wieder Geschmackssache sein.

Mit „Space Cadet“, „Gardenia“ und „El Rodeo“ haben sich neben „Green Machine“ noch so ein paar Kyuss-Songs eingeschlichen; alle miteinander natürlich wesentlich ruhiger, aber nicht schlecht umgesetzt, nur bei „Gardenia“ geht der rüpelige Drive leider durch die Akustikbespielung verloren.

Natürlich hat der Meister auch neue Songs im Gepäck: Gerade der Opener „Kylie“ passt da mit seiner flotten Gitarre gut ins Gesamtbild, Garcia nimmt gleich von Anfang an Fahrt auf und mittlerweile (nach Durchgang Nummer 30 oder so) hat man sich auch daran gewöhnt, dass der Gesang einen Tick zu leise klingt. Das tut dem Drive des Songs glücklicherweise keinen Abbruch; ein weiterer Anspieltipp ist sicherlich das weich fließende „The Hollingsworth Session“, das im Refrain einen raueren Ton anschlägt und gerade dadurch zum Ohrwurm wird.

Das eingangs erwähnte „Argleben II“ steht seinem Namensvetter vom ersten Album in nichts nach, die düstere Leadgitarre fesselt einen regelrecht vor der Lautsprecherbox und hier kommt dann der etwas hintergründige Gesang auch perfekt zur Geltung. Der Refrain macht dann nicht nur dicke Gänsehaut, sondern gehört auch mit zu den besten Momenten auf „The Coyote Who Spoke In Tongues“. Zum Finale gibt’s noch das angetriebene, fiebrige Instrumentalstück „Court Order“ auf die Ohren (in einer erweiterten Version kommen danach noch zwei Live-Tracks auf’s Tapet).

Ein Fazit ist hier sauschwer. Seit zwei Tagen sitze ich nun an der verdammten Rezension und weiß immer noch kein Ergebnis. Qualitativ kann man nicht meckern; John Garcia ist über jeden Verdacht erhaben, zeigt auch hier Gesangs- und Gitarrenkünste und beschwört diese gleichzeitig lässige und getriebene Stimmung herauf, die man auch von Kyuss noch kennt und liebt. Allerdings kann man durchaus Abzüge in der B-Note vergeben: Neun Tracks auf der regulären Platte, davon vier „Altlasten“, macht summa summarum ganze fünf neue Songs, wenn man das Eigencover „Argleben II“ mal großzügig dazu rechnet. Das klingt schon ein bisschen nach Abzocke und lässt einen enttäuschten, bitteren Nachgeschmack. Zumal man sich hier beim Kauf natürlich für die (teurere) Vinyl-Variante entscheiden muss, denn wer hört schon John Garcia auf CD?!

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