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John Garcia: John Garcia And The Band Of Gold

Immer wieder gut, trotz Selbst-Recycling
Wertung: 8/10
Genre: Stoner Rock
Spielzeit: 41:05
Release: 04.01.2019
Label: Napalm Records

Erstes Review im neuen Jahr und dann ausgerechnet John Garcia – ein harter Brocken, fast schon etwas Persönliches, konnte der Mann doch live schon wahnsinnig überzeugen, während die „The Coyote Who Spoke In Tongues“ doch mit einem leichten Nachgeschmack daherkam. Man hatte mehr erwartet von einer Soloplatte des Meisters – nichtsdestotrotz wurde die neue Scheibe „John Garcia And The Band Of Gold“ gleich bei Bekanntwerden vorbestellt und rotiert jetzt in schickem, limitiertem Glowing-in-the-dark-Vinyl auf dem Plattenteller.

Immerhin, mit Chris Gross hat sich ein alter Kumpel eingeschaltet: Der Mann produzierte bereits Platten von John Garcias alter Band Kyuss und den mighty mighty Queens Of The Stone Age, herausgekommen ist ein schön dumpfer, erdiger Sound, der deutlich mehr Bums hat als auf der Kojotenplatte. Musikalisch hat sich die Truppe klassisch aufgestellt – mit einer Gitarre (Ehren Grobin), Multitalent Mike Pygmie am Bass und Drummer Greg Saenz, der unter anderem schon bei Suicidal Tendencies aktiv war, nicht die schlechteste Ausgangslage für den alternden Stoner-Rocker.

Gleich beim ersten Durchhören fällt auf: Der Mann steht auf Recycling. Der geniale „Coyote“-Opener „Kylie“ hat dem Mann anscheinend selbst so gut gefallen, dass er für die neue Platte eine ähnliche Version namens „Cheyletiella“ mit auf die Tracklist gepackt hat, die aber gegen die Ursprungsversion nicht gewinnen kann. Dafür wird die Platte mit einem wunderbar Garcia-typischen Instrumentalstück („Space Vato“) eingeleitet, das sich erst bekifft-zäh durch die Membran wälzt, dann aber nach vorne drängt, durch die Drums von null auf hundert in wenigen Augenblicken beschleunigt und schließlich in das starke „Jim‘s Whiskers“ übergeht.

Überhaupt dieses Drängende ist es, was den Sound von John Garcia – obwohl mittlerweile seit 30 Jahren bekannt – immer wieder hörenswert macht. Diese nölige Draufgängerattitüde, die Herausforderung an den potentiellen Hörer in jeder gesungenen Zeile, auf die man sich einlassen muss, ohne es so richtig zu wollen – genau das macht den Charme aus, den der Wüstensound schon damals bei Kyuss verbreitete. Tracks wie das wundervoll eindringliche, beinah aufdringliche „My Everything“ mit seinem treibenden Groove landen schon nach dem ersten Durchlauf auf der Liste der Anspieltipps, obwohl man sich trotz Text vor der Nase nicht hundertprozentig sicher sein kann, ob Garcia sich hier über einen Menschen oder eine Substanz begeistert.

Regelrecht tanzbar zeigt sich dann das flotte, sehnsuchtsvolle „Lillianna“, bei dem man fast wieder vergessen könnte, dass der Mann schon mehr als ein Vierteljahrhundert allein an Bühnengeschichte auf dem Buckel hat. Vielleicht vergisst er aber mittlerweile auch das ein oder andere: „Don‘t Even Think About It“ bedient sich nämlich des Textes der auf dem letzten Album vorstellig gewordenen „The Hollingsworth Session“ - ein geiler Song, egal auf welcher Platte, aber im Geiste muss man da doch allmählich mal das ein oder andere Pünktchen wegen künstlerischer Faulheit abziehen.

Damit bleibt das Fazit ähnlich wie beim letzten Solo-Album: An sich kann man mit John Garcia nie etwas falsch machen, warum der Mann sich aber stellenweise selbst recyclen muss, ist mir schleierhaft, haben doch Stücke wie das finale „Softer Side“ und auch Knaller wie „My Everything“ das Zeug zum Bandklassiker. Schade, aber mehr als die zum letzten Album gegebenen acht Punkte werden es so auch diesmal nicht.

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