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Jex Thoth: Blood Moon Rise

Achtung: Macht naturstoned
Wertung: 9/10
Genre: Psychedelic Rock/ Doom Metal
Spielzeit: 46:31
Release: 15.06.2013
Label: I Hate

Wer Jex Thoth aus Wisconsin jemals live in einem Club und nicht auf einer Tagelicht-Open-Air-Show gesehen hat, der weiß davon zu berichten, wie magisch, fesselnd, gar spirituell eine Show der Psychedelic-Rock-Doomer wahrhaft ist. Das sollte man auch in heimischen Wänden versuchen zu imitieren, da gehört die Lavalampe genauso zur Ausstattung wie eine Schüssel Biogemüse oder sanft gedämpftes Rotlicht bei schmalem Kerzenschein – aber ohne Scheiß: Wer sich nicht derart einrichtet, der braucht nur die Augen zu schließen und ein wenig an den Patchouli-Duftstäbchen zu schnuppern, wenn antikes Sandelholz gerade nicht zur Verfügung steht.

Natürlich könnte man sich jetzt prima den Lästerern anschließen, dass hier doch wieder nur eine dieser wie Pilze aus den Boden schießenden Siebziger-Leichenfledderer angedoomt kommt, die Zutaten von Black Sabbath über Pink Floyd bis hin zu Blue Öyster Cult neu zusammen mischt und eigentlich der Szene doch gar nichts neues bringen kann. Falsch, denn das, was Jex Thoth ausmacht, das ist die absolute Überzeugungskraft, dass moderner Psychedelic Rock genau so gespielt werden muss, dass tonnenschwere, spärlich eingesetzte Riffs mit genau diesem, von Randall Dunn produzierten Sound zu klingen haben – tiefgehend bis in die letzte Zelle, intensiv bis in die letzte Haarspitze.

Wenig überraschend kommt auch, dass Jex Thoth im Gegensatz zu ihrem Debüt von 2008 nunmehr deutlich verstärkt auf rockigere Töne setzen und sich eigentlich schon durchweg im doomig-balladesken Fahrwasser befinden – und das ist auch gut so, weil sie dieses Konzept schlüssig und konsequent zu Ende führen. Herausragendes Beispiel dafür ist der mit ca. achteinhalb Minuten längste Track der Scheibe „Psyar“, der mit sanften und spärlichen Akustikgitarren und zerbrechlichen, traurig wirkenden, aber trotzdem Gänsehaut erzeugenden Celli zu einem der vielen Highlights der CD mutiert. Dazu gehört natürlich auch Jex’ betörend verstörender, extrem intensiver Gesang, der den Hörer gefangen nimmt, ohne dass man sich gegen die musikalischen Fesseln wehren kann. Und wenn nach etwas mehr als fünf Minuten dann doch noch die schwermütige E-Gitarre etwas Atmosphäre einstreut, hat man sich den zarten Klängen schon längst hingegeben.

Hört sich schwülstig an, oder? (Nee, hört sich gut an - Anm. d. Red.) Doch das solle es eigentlich gar nicht, denn Jex Thoth haben mit solcherlei Oberflächlichkeiten so gar nichts am Hut, zelebrieren mehr als leidlich performen, erzeugen Kopfbilder ohne Rauschmittel und sorgen statt für banale Fußwipper eher für tranceartiges Wippen des ganzen Oberkörpers. Und mehr Beispiele braucht das Album eigentlich gar nicht, denn genau das oben beschriebene zieht sich durch das proggige, aber nicht sperrige Scheibchen. Hier mal schnell noch mit der spacigen Orgel ganz im Sechziger/Siebziger-Gewand („The Places You Walk“, noch viel deutlicher in „The Divide“), die vertonte Schwermütigkeit und schamanischer Gesang bei dem etwas mehr als acht Minuten langen Epos „Eihä“: fertig ist das wohl hypnotischste Album in 2013 fernab gewollter okkulter Provokationen.

Jex Thoth-Fans werden den Entwicklungsschritt hin zu mehr rockig-balladesken Songs und deutlich mehr spacig-proggigen Elementen locker mitmachen, denn „Blood Moon Rise“ ist einfach schlüssig bis zur letzten Note. Allen anderen sei darüber hinaus angeraten, sich nur ein- oder zweimal mit dem vielschichtigen zweiten Werk auseinanderzusetzen, denn belohnt wird man mit einem Album, welches auch nach dem x-ten Durchlauf so manche überraschende Wendung in sich birgt – gar nicht dran zu denken, welche Kopfbilder entstehen, wenn man sich nicht nur an Duftstäbchen oder Sandelholz berauscht. „Blood Moon Rise“ macht naturstoned.

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