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Jess And The Ancient Ones: Jess And The Ancient Ones

Definitiv der beste Newcomer in diesem Jahr bislang
Wertung: 9/10
Genre: Occult/ Psychedelic Rock
Spielzeit: 54:20
Release: 25.05.2012
Label: Svart Records

Ob die Retrowelle (eigentlich ein saublödes Wort, aber eben auch nicht völlig unpassend) eine Trotzreaktion auf die zunehmende Sterilität in Sachen Plattenproduktionen ist, sei dahingestellt, Fakt ist allerdings, dass der Erfolg von The Devil's Blood maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Bands, die sich stark von okkultem und/ oder psychedelischem Rock der Sechziger und frühen Siebziger inspirieren lassen, zur Zeit voll angesagt sind: Ghost, Blood Ceremony und Jex Thoth sind wohl die bekanntesten Beispiele, und das Erfreuliche an der ganzen Angelegenheit ist: Es gibt wenig bis gar nichts von jenen Kapellen, was als Grütze bezeichnet werden müsste, wenngleich das zugegebenermaßen eine rein subjektive Betrachtungsweise ist.

Vielleicht sind inzwischen auch schon einige von dem „Retro-Hype“ genervt, doch muss fairerweise gesagt werden, dass es in diesem Bereich trotzdem bei weitem nicht so einen Veröffentlichungs-Overkill gibt wie beispielsweise zu den Spitzenzeiten des Metalcore oder in der immer noch anhaltenden Neo-Thrash-Bewegung.

Hype hin oder her – Jess And The Ancient Ones aus Finnland sind die neueste Entdeckung des Genres und machen schon mit ihrem Debüt deutlich, dass sie ganz klar auf Anhieb zu den Besten der Szene gezählt werden müssen. Zweifellos ist diese siebenköpfige Truppe am ehesten mit den Satansjüngern um Selim L. vergleichbar, schwimmt aber trotz Parallelen zu den Holländern (drei Gitarristen im Line-Up) nicht einfach nur in deren Fahrwasser. Wer die Musik von The Devil's Blood schon immer mochte, jedoch mit dem Gesang Schwierigkeiten hat (davon soll es ja nicht wenige geben), könnte hier möglicherweise die richtige Band gefunden haben. Die namensgebende Jess singt weitaus weniger überdreht und theatralisch und weist nicht von der Hand zu weisende Ähnlichkeiten mit Grace Slick von den legendären Jefferson Airplane auf: Sehr natürlich und schnörkellos, aber doch sehr durchschlagskräftig und charismatisch.

Hinzu kommt der stärkere Einsatz von Keyboards (vor allem der Hammondorgel) und weniger ausufernde Gitarrenspielereien – hier werden nicht wie beim letzten TDB-Album 180 Spuren verwendet und keine Endlossoli vom Stapel gelassen, wodurch die Songs trotz bis auf eine Ausnahme konstanter Länge von mindestens sechs Minuten leichter zugänglich sind. Allein der Name der Band impliziert aber ja bereits, dass hier die Stimme im Vordergrund steht und keine langen Instrumentalpassagen – dennoch liegt angesichts eines Gitarrentripletts natürlich anspruchsvolle, vielschichtige Klampfenarbeit vor. Tatsächlich kommt das Septett sehr nahe an das musikalische Niveau der Eindhovener Großmeister heran und weiß von Anfang an durch mitreißende Songs und verspielte Arrangements zu begeistern. Der Opener „Prayer For Death And Fire“ sowie „13th Breath Of The Zodiac“ sind flotte Nummern mit tollen Gesangslinien, rockigen Riffs und mäandernden Gitarrenmelodien, „Ghost Riders“ besitzt einen satten, unwiderstehlichen Groove und herrliche Vocal-Harmonien, während „Twilight Witchcraft“ mit angezogener Handbremse und mystischerer Atmosphäre daherkommt und das Klavier-betonte, relaxte „The Devil (In G-Minor)“ ein sehr jazzig-smoothes Flair verströmt.

Am meisten beeindrucken kann die Band jedoch in den beiden jeweils zwölf Minuten dauernden Epen „Sulfur Giants“ und „Come Crimson Death“. Trotz der Länge kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, da über rockige Gitarrenpower, Maiden-artige Doppelläufe und psychedelisch-verträumten Sequenzen alles enthalten ist, was die Band ausmacht – plus erneut prägnante, bärenstarke Gesangsmelodien, gerade im Chorus von „Sulfur Giants“. Respekt vor so viel kompositorischem Können bereits auf der Debütscheibe!

Klares Fazit: Jeder Fan von The Devil's Blood sollte die Scheibe gehört haben und alle, die sich, wenn nicht am Gesang, so doch am satanistischen Image der Niederländer immer arg gestört haben, prinzipiell aber auf solche Art Musik stehen, sollten ebenfalls ein Ohr riskieren, denn Jess And The Ancient Ones wirken trotz okkulten Hintergrunds nicht ganz so sehr auf diese Komponente fixiert und sind vielleicht auch deshalb eine gute Alternative. Dass auch die Produktion ziemlich rau und roh ausgefallen ist, dürfte sich von selbst verstehen – die Gitarren klingen sehr drahtig und kratzig, nichtsdestotrotz hätte ein bisschen mehr Schmackes (vor allem, was den etwas untergehenden Bass betrifft) sicher nicht geschadet, an sich passt das Ganze aber zur Mucke. Definitiv der beste Newcomer in diesem Jahr bislang.

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