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Jess And The Ancient Ones: Castaneda

Zwei gute neue Tracks
Wertung: 8/10
Genre: Occult/Psychedelic Rock
Spielzeit: 11:52
Release: 21.11.2014
Label: Svart Records

Mühsam nährt sich das Eichhörnchen: Nach dem Release ihres grandiosen selbstbetitelten Debüts Mitte 2012 haben Jess And The Ancient Ones im letzten Jahr die EP „Astral Sabbat“ herausgebracht, nun folgt in Form von „Castaneda“ eine weitere Kurzrille. Ob die Finnen wohl auch die Meinung so mancher Musikerkollegen vertreten, dass Full-length-Alben der Vergangenheit angehören und man sich nur noch auf EPs konzentrieren sollte? Vielleicht ist es aber auch lediglich ein weiterer Brückenschlag bis zum zweiten Longplayer, der die lechzende Fanmeute bei der Stange halten soll.

Diesmal handelt es sich allerdings um nur zwei neue Tracks (also eher eine Single), die interessanterweise ausschließlich als Download und Vinyl 10" erhältlich sind – nicht jedoch auf CD. Auf einen Longtrack, von denen die Band auf ihrem Album zwei und auch auf „Astral Sabbat“ mit „More Than Living“ einen am Start hatte, muss dabei diesmal leider verzichtet werden. Jene Epen stellen möglicherweise die größte Stärke der Band dar, da es derzeit kaum jemand in solcher Weise vermag, lange Stücke spannend und durchaus komplex zu gestalten, dabei aber in den entscheidenden Momenten eingängig zu bleiben und nie den songschreiberischen roten Faden zu verlieren.

Auf „Castaneda“ bleibt man dennoch bei Längen von unter sieben Minuten; auf der A-Seite findet sich zunächst der Titeltrack, benannt nach dem umstrittenen US-amerikanischen Anthropologen und Schriftsteller Carlos Castaneda (1925 – 1998; sein Kopf ist auch auf dem großartigen Flower-Power-Coverartwork zu sehen), dessen Schaffen besonders Esoteriker und Hippies beschäftigte – nicht zuletzt deswegen, weil Castaneda reichlich mit halluzinogenen Drogen herumexperimentierte. Dies passt natürlich bestens zu einer Gruppe wie JATAO, und wenn der erste Satz in der Nummer „Your mind is dazed“ lautet, ist das natürlich ziemlich vielsagend. Die unheimliche, Vibes früher Pink Floyd verbreitende Grusel-Orgel, die auch problemlos als Soundtrack-Element in einem Horrorfilm fungieren könnte, sowie das immer wieder leiernde Mellotron bilden die Basis für die drogengeschwängerte Stimmung. Trotz dieser psychedelischen, rauschhaften Atmosphäre ist es den Finnen erneut gelungen, mittels eines dramatischen und sehr melodischen Refrains auf einen klaren Höhepunkt in „Castaneda“ hinzuarbeiten.

Der zweite Track „As To Be With Him“ ist ein klein wenig länger und verspielter geraten. Zunächst geht das Septett recht groovig mit hervorstechender Basslinie zu Werke, der Refrain ist dann erneut relativ dramatisch gehalten, während die Melodien und Riffs in der zweiten Hälfte variiert werden. Nach einem etwas abgefahreneren Part endet der Song, getragen von wundervollen offenen Gitarrenakkorden, sehr harmonisch in einem Fade-out.

Viel haben Jess And The Ancient Ones eigentlich nicht verändert – und doch klingt das inzwischen schon anders als noch zu Debützeiten. Die Orientierung an psychedelischen und okkulten Rockgruppen der Sechziger ist selbstverständlich erhalten geblieben, doch kommen die beiden Stücke noch drogenvernebelter als bislang daher. Außerdem steht die markante Stimme der namensgebenden Frontfrau Jess vielleicht noch einen Tick mehr im Vordergrund, was aber auch daran liegen dürfte, dass es eben keine Longtracks gibt, in denen ausgiebige Instrumentalpassagen zelebriert würden. So oder so zwei gute Songs, die das ungeduldige Warten auf die nächste Full-length-Scheibe nur noch schüren.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann