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Jeremias Meinhard: V

Nur in seiner Gesamtheit überzeugend
Wertung: 7/10
Genre: Rock/Gothic
Spielzeit: 21:28
Release: 02.05.2009
Label: Stella Nuova Records

Schon mehrere Künstler, darunter auch einige aus Deutschland, wie beispielsweise Cinema Bizarre oder Infection, versuchten sich an einer Umsetzung der aus Japan stammenden Visual Kei-Szene und waren dabei mal mehr, mal weniger erfolgreich. Mit Jeremias Meinhard offenbart sich nun ein Musiker, der stark von diesem Konzept beeinflusst ist und es dank seines Backgrounds schafft, es deutlich authentischer als so manch andere Gruppierung umzusetzen.

Der gebürtige Münchner studierte Japanologie und war auch bereits im Land der aufgehenden Sonne zu Gast, wo er einige Erfahrungen mit der einheimischen Musik-Szene sammelte, was sich sowohl in seiner Optik, die tatsächlich häufig mit dem Visual Kei assoziiert werden kann, als auch in seiner Musik niederschlägt, denn diese erinnert tatsächlich recht häufig an japanische Bands. Als musikalisch teilweise ähnlich gelagerten Vertreter des Visual Kei könnte man Merry in ihren weniger harten und nicht ganz so abgedrehten Momenten nennen, auch wenn der Sound Jeremias Meinhards für nicht Eingeweihte immer noch sehr ungewöhnlich klingt. Hauptsächlich im Uptempo angesiedelt, wirken manche Songs geradezu hektisch, insbesondere der erste Track „<This Is> The End“ gibt im Refrain hierfür ein gutes Beispiel.

Mit der Tatsache, dass sich stark an der besagten Szene orientiert wird, geht ebenfalls einher, dass sich die Musik nur sehr schlecht in gängige Genres einordnen lässt, grob könnte man sie wohl als Rock mit leichten Gothic-Einflüssen bezeichnen. Die Melodien sind allesamt sehr eingängig und bleiben meist sofort im Ohr hängen, wobei hier gerade der ungewöhnliche Klang dieser für Staunen sorgt. Ebenfalls exotisch kommen die Keyboards daher, die eng mit dem Konzept der vorliegenden EP „V“ verbunden sind: Einer bizarren Variante des Zirkus beziehungsweise des Jahrmarktes.

Schon japanische Bands wie Plastic Tree und Shinkou Shuukyou Gakudan NoGoD griffen diese Thematik auf und bauten diese teilweise auch in ihre Musik ein, bei Jeremias Meinhard jedoch ist sie fester Bestandteil der Songs. Als düsterer Clown beschäftigt er sich in seinen Texten mit dem Selbst des Menschen und verwendet dazu mal die deutsche, mal die englische Sprache. Hierbei passen die abgedrehten Formulierungen sehr gut zum Thema und führen zu einem durchweg gelungenen Ergebnis in diesem Bereich.

Neben den bereits erwähnten Keyboards, die oft Klänge und Melodien bieten, die man sofort mit dem Zirkus oder Jahrmarkt assoziiert, trägt auch die Stimme des exzentrischen Sängers und Gitarristen zu der Atmosphäre des Albums bei. Meinhard klingt dabei ein wenig, als würde Alexander Kaschte von Samsas Traum eine Visual Kei-Band gründen, oder um es einfacher zu sagen: Äußerst gewöhnungsbedürftig, dabei jedoch sehr eigenständig. Die Töne werden zwar fast immer getroffen, da der Gesangsstil jedoch wirklich recht stark an die japanischen Vorbilder erinnert, jedoch wird sich sicherlich nicht jeder für ihn begeistern können. Fakt ist aber, dass der Gesang gut mit der Musik harmoniert und zu dem angestrebten Konzept passt.

Letztendlich weiß Jeremias Meinhard auf musikalischer Ebene nicht vollkommen zu überzeugen, denn bis auf das gelungene „Vertigo“ klingen alle Stücke vom Songwriting her noch ein wenig unausgereift, auch wenn durchaus eine Menge Potenzial vorhanden ist, sind hier nicht mehr als sechs Punkte drin. Für die gelungene Umsetzung des künstlerischen Konzeptes gibt es jedoch noch einen Bonuspunkt, denn wer den Künstler Jeremias Meinhard in Verbindung mit allem setzt, was noch zu der Konzept-EP „V“ dazugehört, könnte durchaus Freude an ihr haben. Im schön aufgemachten Digipak finden sich zur Thematik passende Fotos von den Musikern und Objekten sowie die ebenfalls wichtigen Texte, die jedoch leider nicht immer gut lesbar sind.

Wer also schon länger nach einem würdigen nicht-japanischen Vertreter der Visual Kei-Szene sucht und bereit ist, Jeremias Meinhard als Ganzes zu betrachten, wird hier auf jeden Fall fündig, alle anderen sollten diese EP jedoch mit Vorsicht genießen und erst einmal Probehören.


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