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Jeff Loomis: Plains Of Oblivion

Deutlich vielfältiger als die erste Soloplatte des Ex-Nevermore-Gitarreros
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Thrash Metal
Spielzeit: 47:36
Release: 06.04.2012
Label: Century Media

Dass Jeff Loomis einer der begnadetsten Gitarristen innerhalb der Metalszene ist, muss wohl nicht weiter erläutert werden. Er hat maßgeblich seinen Teil zum einzigartigen Sound der Seattler Prog-Thrasher Nevermore beigetragen und man darf gespannt sein, wie die Band nach seinem Ausstieg vor gut einem Jahr weitermachen und ob sie in der Lage sein wird, an alte Erfolge anzuknüpfen.

Zunächst allerdings gilt es festzustellen, wie die weitere Entwicklung des blonden Saitenhexers verlaufen wird. Mit „Plains Of Oblivion“ liegt die zweite Soloscheibe des Gitarrenmeisters nach „Zero Order Phase“ von 2008 vor und bereits nach einem Durchlauf lässt sich konstatieren, dass Loomis diesmal deutlich mehr Wert auf Abwechslung legt. Die erste Platte war durchaus nicht von schlechten Eltern, aber vielleicht doch ein wenig zu sehr auf Geschredder getrimmt. Nicht, dass Jeff sich wie Yngwie Malmsteen auf seinen neueren Outputs ausschließlich auf selbstdarstellerisches Griffbrett-Gewichse beschränkt hätte, aber dennoch hat er sich manchmal ein bisschen zu sehr auf schnelle Läufe und weniger auf durchgängig gutes Songwriting verlassen.

War „Zero Order Phase“ also ein Album der Marke „Nevermore ohne Gesang mit noch etwas mehr Gefrickel“, ist „Plains Of Oblivion“ ein klarer Schritt in Richtung stilistische Vielfalt und Emanzipation von seiner früheren, langjährigen Hauptband. Natürlich sind immer noch die typischen, speedigen Schredder-Nummern dabei, sie sind schließlich auch ein Trademark des Amerikaners, doch vor allem die zweite Hälfte der CD wartet mit sehr unterschiedlichen Songs auf, die beweisen, dass der Mann offen für alle möglichen Richtungen ist.

Auch sind diesmal – wie im Vorfeld angekündigt – einige Gesangsbeiträge dabei, die das Ganze ein wenig auflockern und zusätzliche Würze verleihen. Spektakulär sicherlich vor allem das Mitwirken von Black-Metal-Papst Ihsahn, der beim härtesten und düstersten Track „Surrender“ sein unverkennbares, krächziges Organ einsetzt, und auf dessen Gastauftritt Loomis mit Recht besonders stolz ist. Hat man sich das Stück zu Gemüte geführt, kommt man schnell zu dem Schluss, dass es absolut nachvollziehbar ist, dass Jeff zuvor bereits sagte, dass für diesen Song eigentlich nur Ihsahn als Sänger in Frage kam – die Nummer hat eben jenes Flair und jene erhabene Epik, die gerade die Soloalben des Norwegers kennzeichnen (er selbst wird übrigens ebenfalls demnächst eine neue Soloplatte herausbringen – ein Review wird es selbstredend dann auch bei The-Pit.de geben).

Allerdings sind auch die beiden Lieder, bei denen Christine Rhoades – Nevermore-Kennern sicherlich noch bekannt als Gastsängerin auf dem Album „Dreaming Neon Black“ – ihre Stimme zur Verfügung gestellt hat, mehr als hörenswert, wenngleich freilich auch völlig gegensätzlich im Vergleich zu dem Stück mit dem Ex-Emperor-Mastermind. Mal abgesehen von der exzellenten Vocal-Performance an sich, sind die Gesangsharmonien bei „Tragedy And Harmony“ und die ergreifenden Melodien bei der fast schon ins Poppige tendierenden und trotzdem tollen Ballade „Chosen Time“ einfach zum Sterben schön. In der limitierten Edition liegen mit „Collide“ und „Reverie For Eternity“ im Übrigen noch zwei weitere Songs mit Christine vor, auf die mangels Vorhandensein in der Promoversion jedoch leider nicht näher eingegangen werden kann.

Was die weiteren Gastauftritte anbelangt, so hat Jeff Loomis sich mit den Ex-Megadeth-Gitarristen Marty Friedman und Chris Poland sowie seinem einstigen großen Vorbild Tony MacAlpine und Nevermore-Live-Klampfer Attila Vörös einige weitere äußerst talentierte Herrschaften ins Boot geholt, die sich zum Teil atemberaubende Schredder-Duelle mit ihm liefern, so geschehen bei „Mercurial“, „The Ultimatum“ und „Requiem For The Living“. „Continuum Drift“ hingegen wohnt so ein bisschen ein Steve Vai-Vibe inne und besitzt trotz seines instrumentalen Charakters Hitpotential. Sehr hübsch ist auch das kurze Interludium „Rapture“ geworden, das ein bisschen was von früheren Akustikausflügen Yngwie Malmsteens atmet, als der Kerl zumindest noch ein wenig Bodenhaftung besaß.

Ohne Zweifel hat Jeff Loomis mit „Plains Of Oblivion“ ein Album erschaffen, das Spaß macht; gerade wegen der Mixtur aus Hochgeschwindigkeitssoli, Balladeskem und mit Extrem-Metal Kokettierendem dürfen sich mehrere Zielgruppen angesprochen fühlen. Hier und da fehlt vielleicht noch ein wenig der rote Faden, um diese unterschiedlichen Stilrichtungen noch plausibler unter einen Hut zu bekommen, aber das kann der Blondschopf ja beim nächsten Album noch weiter verfeinern. Angesichts des prinzipiell starken Songwritings und des engagierten Bemühens um Vielfalt wäre eine Bewertung unter acht Punkten jedenfalls ein schlechter Witz.

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