Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

J.B.O.: Killeralbum

Wie immer ein zweischneidiges Schwert
Wertung: 7/10
Genre: Fun Metal
Spielzeit: 49:55
Release: 19.08.2011
Label: Megapress/Soulfood

Man kann es nicht oft genug sagen: J.B.O. sind Geschmackssache. Auf dem Summer Breeze 2011 konnte sich der anwesende Teil der Redaktion wieder mal davon überzeugen, dass die pinke Gewalt im Fun Metal ein extrem zweischneidiges Schwert ist: Da hämmern sich Knaller wie „Gänseblümchen“ durch den Gehörgang, gefolgt von Schwachheiten wie dem neuen „Killer“, wohnhaft auf dem neuen „Killeralbum“, das weder musikalisch noch textlich überzeugen kann. Fakt ist: Mit mehr Alkohol macht die Band mehr Spaß.

Natürlich nehmen sich die Franken selbst nicht sonderlich ernst, da wären sie ja auch schön doof. Seit 20 Jahren verbreitet die Rosa Armee Fraktion jetzt Blödsinn unter den Spaßwilligen, das letzte Album „I Don’t Like Metal – I Love It“ ist gerade mal zwei Jahre alt und sprach einigen Metalheads aus der Seele (so vielen, dass es sogar die Chart-Top-Ten infiltrieren konnte) und in ähnlichem Stil geht’s, zumindest textlich, direkt auf „Killeralbum“ weiter, dessen Releaseparty auf dem Summer Breeze bereits zünftig gefeiert wurde.

Direkt der Opener „Dr. Met“ zeigt: Metal ist oberste Religion im Hause James Blast Orchester! Musikalisch so lala, gibt der Text dem Song erst den letzten Schliff: „Der Heavy Metal ist der Doktor/Hat nicht studiert, dafür rockt er/Hör doch auf den Doktor/Andre flüchten, doch uns lockt er/Heavy Metal is’ der Doktor – für mein Herz“ – da wird einem ja ganz warm um die alte Pumpe. Recht haben die Jungs, das muss man ihnen lassen – einmal Metal, immer Metal.

„Rock’n’Roll Märtyrer“ nimmt dann das selbst auferlegte Los des Rockstars aufs Korn und hier sind J.B.O. tatsächlich auch mal lustig, ohne zu übertreiben – unterlegt mit lässigen Gitarren jammern die beiden Sänger Vito C. und Hannes darüber, wie anstrengend doch das Musikerdasein ist; schließlich müsste man ständig lustig und vollgepumpt mit Drogen sein. Dass die beiden das nicht im Entferntesten ernst meinen, weiß man spätestens, wenn man die Combo mal live gesehen hat.

Das eingangs erwähnte „Killer“ kann man sich direkt in die Haare schmieren, ebenso wie „Ich bin dein“, das von Bassist Ralph intoniert wird. Zeilen wie „Nun sind wir wieder mal zuhause/Und ich kack erst mal ins Eck“ mögen den gemeinen Musikliebhaber irritieren, in bester J.B.O.-Manier stellt sich aber am Ende heraus, dass es sich um einen Hund handelt. Irgendwer ’ne Skip-Taste? Erstaunlicherweise kann die „Jenseits von Eden“-Coverversion, salopp „Jenseits“ betitelt, ganz gut überzeugen – schon der Einstieg „Wenn der Black Metal kreischt wie die Sau/Dann sind wir jenseits von Schweden“ sollte jedem Metaller ein Grinsen ins Gesicht tackern, völlig abgesehen davon, dass Vito sich mit ordentlich Pathos in der Stimme in den Song reinhängt.

Schwierig wird’s dann bei solchen Ergüssen wie „3 Tage blau“ – „Jetzt beginnt die Schlumpfzeit, wir sind drei Tage blau“ – klingt ja durchaus irgendwie süß, aber so richtig intelligent ist das nicht. Muss es aber auch nicht sein, wie die Fans der Combo immer wieder beweisen. Dabei hat die Truppe musikalisch einiges auf dem Kasten und sicherlich wird den Sängern niemand ihr Können absprechen, nur die Umsetzung ist teils, naja, sagen wir mal: fraglich.

„Nein Mann“ bietet dann noch eine Laserkraft 3D-Coverversion zum Ende hin und die ist auch wirklich sehr gelungen; nicht nur, dass der Text schnell in den Kopf und die Musik schnell in die Beine geht, den Job der „Verführerin“ im Song übernimmt niemand Geringeres als die gute Doro Pesch, die ein bisschen klingt, als müsste sie sich ganz stark das Lachen verkneifen.

Inzwischen ist zumindest die Schreiberin dieser Zeilen nicht mehr völlig anti-J.B.O. eingestellt – die Truppe hat auch auf der neuen Platte einige Knaller parat, oftmals verwässert der recht seichte Humor aber die gute Musik. Man muss ja keine hochintellektuellen Scherze am laufenden Band raushauen, aber ein bisschen mehr als „Ich kill, kill, kille, kille, kille, kitzel dich/I’m gonna kill, kill, killer, kitzel you“ sollte bei solchen Musikern doch schon rauskommen. Nichtdestotrotz: Den Fans wird auch das „Killeralbum“ gefallen. Und ich höre mir jetzt vielleicht auch öfter andere Songs an als immer nur „Gänseblümchen“.

comments powered by Disqus

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands

Spektakulärer Abend, der kaum zu übertreffen ist

Das Wochenende klingt mit Volldampf aus

 

 

„Das ist genau der Punkt, kein erhobener Zeigefinger“