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Jazzwang Zoo: Old World Starling

Pop-rockige Avantgarde!
Wertung: 10/10
Genre: Indie/Jazz Rock
Spielzeit: 57:28
Release: 28.11.2007
Label: Eigenproduktion

Proberaumszenario: Radiohead sind gerade dabei ein paar neue Songs zu jammen. Mandeyo entern den Raum und ergänzen den Sound um ein paar jazzige und folkige Momente. Ein paar sphärische Gitarrenteppiche kommen dazu, als Pelican unter Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen ins Kabuff stolpern. Von all dem atmosphärischen Chaos angezogen stürmen die Arctic Monkeys auch ins Proberäumchen und geben dem Sound die nötige Indie-Rock/Pop-Attitüde. Wegen all der Musiker im Raum schnellt die Temperatur sogleich in unglaubliche Höhen, und der fehlende Sauerstoff ist der Grund für die schnelle Bewusstlosgkeit des Mobs. Als man nun wieder aufwacht, stellt man fest, dass man auf ein Drei-Mann-Kollektiv mit Gitarre, Bass und Schlagzeug zusammengeschrumpft ist. Fortan nennt man sich Jazzwang Zoo und beeindruckt offene Musikfans und Pressevertreter gleichermaßen. Pop-rockige Avantgarde!

So hätte die Entstehungsgeschichte des Münsteraner Trios durchaus lauten können, um nicht in die gängigen Schubladen für Improvisationsmusiker gesteckt zu werden. So starteten Jazzwang Zoo nämlich ihre Karriere, aber ziellos, verträumt und chaotisch sind die Herren nun wirklich nicht. Verrückt sind sie, ein Händchen für's Songwriting haben sie und auch der Groove kommt keinesfalls zu kurz, außerdem wissen sie genau, wo sie hinwollen – in die Gehörgänge, und am besten gar nicht mehr raus. Mit ihrem Debütalbum haben sie dafür nun den Grundstein gelegt.

„Old World Starling“ ist ein Album, welches sich aus verschiedensten und unmöglichsten Spielarten moderner Musik zusammensetzt. Während „Life In Suspense“ mit fein geschrammelter Indie-Gitarre, ordentlich Groove und Akkordeon überzeugt, geht’s bei „Sorrow Coffee“ mit umwerfenden Gesangslinien und viel Sehnsucht etwas getragener zu Werke. „Anxious Eagle“ besticht mit äußerst nettem U-Bahn-Sound-Intro und fließend darin übergehendem Jazz-Rock erster Güte. Kleine Reprisen und die durchaus tanzbare Grundstimmung dieses Songs lassen ihn zu einem Highlight der Scheibe werden. „Esteban“ fährt große Geschütze in Form von verfrickelten und exotisch anmutenden Melodien auf, während man bei „Star Of The Night“ im Anschluss an das graziöse Intro ganz deutlich die Post Rock-Elemente heraushören kann.

Erstaunlich ist, dass dieser enorm dichte und abwechslungsreiche Klang von nur drei Musikern, namentlich Niclas Stockel, Benjamin Kövener und Patrick Brakowsky, entworfen und umgesetzt worden ist mithilfe von Manfred Schulz an den Reglern. Und alle scheinen ihre Instrumente und besonders Niclas' seine Stimmbänder wunderbar zu bedienen wissen, dringt doch nicht ein einziger falsch anmutender Ton ans Ohr. Wie die Jungs das allerdings live umsetzen wollen, interessiert mich angesichts des sehr hohen Schwierigkeitsgrades doch sehr. Aber ich gehe davon aus, dass eventuelle Schwächen in der Komplexität durch Spielfreude ausgeglichen würden.

Aber nicht nur die Musik überzeugt auf ganzer Linie, sondern auch die Aufmachung. Wenn man als aufstrebende Band ohne Plattenvertrag mit viel Kreativität einfach keine Lust und kein Geld für Standard-Jewel Cases hat, dann bastelt man sich einfach ein feines Papp-Digipack und stempelt mit blauer Wasserfarbe ein sehr ansehnliches Cover-Artwork darauf. Auf die Rückseite wird dann noch das Bandkürzel „JWZ“ gestempelt, ins Innere der Silberling und Informationsblättchen mit Tracklist gelegt und - voilà – fertig ist die individuellste Verpackung seit langem – jedes Stück ein Unikat.

Jazzwang Zoo sei hiermit absolute Eigenständigkeit, höchstes Maß an Kreativität und umwerfendes Songwriting-Geschick zugesprochen. „Old World Starling“ ist angesichts der gelungenen Gratwanderungen und der hörbaren Spielfreude ein umwerfendes Stück moderner Musik geworden. Wie schon eingangs erwähnt, das ist pop-rockige Avantgarde!

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