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Japanische Kampfhörspiele: Kaputte nackte Affen

Tschüß JaKa - wir werden euch sehr vermissen!
Wertung: 8.5/10
Genre: Grindpunk
Spielzeit: 42:53
Release: 28.01.2011
Label: Unundeux / Cargo Records

Ganz ehrlich: Ich war eigentlich noch nie ein großer Fan von Grindcore, das ist mir – auch wenn diese Mucke natürlich meistens mit einem Augenzwinkern gesehen beziehungsweise gehört werden muss – im Normalfall zu sehr Krach. Aber im Falle Japanische Kampfhörspiele läuft der Hase etwas anders: JaKa sind eben nicht einfach bloß Grindcore, sondern haben musikalisch weit mehr drauf als das Gros des Genres, jonglieren mit vielen verschiedenen Einflüssen und nennen ihre (a)tonalen Ergüsse nicht umsonst Grindpunk oder gar Popgrind – man will sich eben ein wenig von der Konkurrenz absetzen, zeigen, dass man über den Tellerrand blickt und außerdem beweisen, dass man jederzeit bereit ist, sich selbst auf die Schippe zu nehmen.

Vor diesem Hintergrund ist es umso bedauerlicher, dass „Kaputte nackte Affen“ (der nächste Kulttitel in einem ganzen Arsenal von Kulttiteln) das letzte Lebenszeichen der Krefelder ist, die erklärten, sie seien in gewisser Weise ausgebrannt und hätten sowohl musikalisch als auch lyrisch alles gesagt – wenig verwunderlich, dass sie ihr fünftes Full-length-Album auch als ihren Zenit ansehen, das Werk, das nicht mehr überboten werden kann.

Diese Behauptung werden bestimmt nicht alle Fans teilen, da die Band auf ihrer Abschiedsplatte vergleichsweise wenig im Uptempo agiert und eher selten die Blastbeatkeule schwingt – dass dennoch der Grind-typische Gesang, bestehend aus dem sich abwechselnden Gekeife von Markus „Bony“ Hoff und dem tiefen Grunzen von Martin Freund, vorherrscht, dürfte sich wohl von selbst verstehen. Mit „Die Krone der Schöpfung“ geht es auch relativ flott los, hier tauchen gleich Blastbeats auf, und auch der sich anschließende Titeltrack ist eher fix gehalten. Textlich wird allein anhand dieser beiden Titel natürlich schnell klar, dass sich JaKa wieder über die Spezies Mensch lustig machen und sämtliche Absurditäten des Homo sapiens auf unnachahmliche Weise anprangern: Als Hörer findet man es lustig, doch gleichzeitig macht es nachdenklich – diese Jungs legen den Finger in offene Wunden und kritisieren, ohne einen auf Moralapostel zu machen. Feinsinnig und intelligent heißt die Devise, wie eh und je – Poet und Drummer Christof Kather hat nichts verlernt. Da werden Sachen hinterfragt, die für viele als selbstverständlich gelten („Was wenn?“), da wird richtig schön zynisch auf Profitgier mittels Massenverblödung und Massenangst aufmerksam gemacht („Alter Trick“), der Beautywahn durch den Kakao gezogen („Mach dich fit für den Bikini“, „Näschen aus Papier“), nur um dann im letzten Stück „Wenn die Menschen einmal nicht mehr sind“ auf herrlich ironische Weise zu fragen, wer denn die Natur beschützen und die AKWs abschalten soll, wenn die Menschheit nicht mehr da ist.

So gesehen ist „Kaputte nackte Affen“ eine Art Konzeptalbum, denn die Texte sind thematisch alle sehr stark miteinander verbunden, so stark, wie auf keinem JaKa-Album zuvor. Musikalisch hat das Sextett seinen Horizont noch einmal erweitert und agiert ziemlich abwechslungsreich: Wie erwähnt geht es zu Beginn aggressiv und schnell nach vorne preschend zur Sache, doch danach wird der Fuß zumeist eher vom Gaspedal genommen; bei „Der Homo sapiens“ wird der Hörer von gnadenlos tief gestimmten, langsam mahlenden Gitarren geradezu zermalmt, „Was wenn?“ ist schon fast so etwas wie die eingängige „Popnummer“ mit viel Melodie, und die beiden Instrumentals „Statuspanik“ und „Bravohotelcrazyhorse“ (nee, kein Tippfehler, das wird wirklich so geschrieben) sind ebenso unterschiedlich wie sie interessant sind: Während Ersteres rhythmisch vertrackt daherkommt, sind bei Letzterem futuristische Keyboards und sogar ein Sitarsound eingebaut worden. Sehr gelungen ist auch „Ein blutiger Vormittag“, das sehr rockig geraten ist und bei dem auf äußerst originelle Art eine Polizeisirene in die Musik integriert wurde.

Manch einer wird kritisieren, dass auf „Kaputte nackte Affen“ zu wenig geblastet wird, aber JaKa ziehen eben ihr eigenes Ding durch und klingen trotz meist angezogener Handbremse immer noch völlig unverkennbar. Musikalisch ist das in der Tat ziemlich reif und möglicherweise wirklich kaum zu toppen; innerhalb der Grind-Grenzen jedenfalls wäre da wohl nicht mehr viel Luft nach oben. Dennoch – oder eben deswegen – ist es sehr bedauerlich, dass sich die Japanischen Kampfhörspiele nach 13 Jahren Bandgeschichte mit fünf Alben und zahlreichen Splits und Demos verabschieden. Schade, denn eine solch innovative Gruppe wird die Szene definitiv vermissen! 8,5 Punkte muss man vergeben, allein schon weil die Texte – unglaublich aber wahr – zum Teil sogar noch besser geworden sind als vorher. – P.S.: Man beachte die witzig gestaltete CD...

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