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Japanische Kampfhörspiele: Abschiedskonzert

Das letzte Konzert der Band überhaupt auf DVD
keine Wertung
Genre: Grindpunk
Spielzeit: 58:00
Release: 02.09.2011
Label: Unundeux / Cargo Records

Da bringen die Japanischen Kampfhörspiele endlich ihre erste DVD heraus – doch so richtig freuen kann man sich letztlich nicht darüber, da es sich um eine Aufzeichnung des allerletzten Gigs der Krefelder handelt; ausgerechnet der erste audiovisuelle Mitschnitt, der auf professionellem Niveau erfolgte, wird auch der letzte sein, denn schon länger kündigten die „Grindpunker“ oder auch „Pop-Grinder“, wie sich selbst auch gerne mal nennen, ja ihr Aus an.

Passenderweise hat man den Silberling, der im Januar 2011 im Münchener Feierwerk aufgenommen wurde, schlicht „Abschiedskonzert“ getauft, und es sind zwar lediglich 53 Minuten, die Japanische Kampfhörspiele auf der Bühne stehen, in dieser Zeit jedoch holzt man sich Genre-typisch durch eine 25 Songs umfassende Setlist, welche erstaunlicherweise keinen einzigen Track des letzten Albums „Kaputte nackte Affen“ enthält. Dennoch werden alle Anhänger hier definitiv gut bedient: Das Bild ist nicht gestochen scharf, aber völlig in Ordnung, und die basische Kameraarbeit eine willkommene Abwechslung zu dem übertriebenen Hochglanz-Scheiß mit zehn Millionen Schnitten in der Sekunde wie bei vielen anderen Musik-DVDs heutzutage. Auch der Sound macht Laune: Differenziert eingefangen, aber sehr echt, geht das Underground-Feeling zu keiner Sekunde verloren.

Was die Performance angeht, so gibt es für die Grind-Combo mit den besten Texten (allein wegen der abstrusen wie zynischen Poesie der Lyrics wird die Band schmerzlich vermisst werden) trotz des Abschieds keinen Grund zu Sentimentalitäten, vielmehr nimmt man das Ganze wie immer mit dem Band-eigenen, kauzigen Humor: „Wenn das so weitergeht, machen wir am Ende noch wie beim Helloween-Konzert was mit Konfetti-Luftballons“, grinst Frontkreischer Markus „Bony“ Hoff, als Sprechchöre aufkommen, „…oder auch nicht.“ Ansonsten werden wenig Ansagen vollzogen, man beschränkt sich darauf, den Leuten lieber knochentrocken ordentlich einzuheizen, Stagediver sind dennoch erstaunlich wenige auszumachen. Als kleine Überraschung holt man bei „Gekochtes für Tiere“ außerdem Ex-Sänger Simon Schaffrath auf die Bühne, der von den Fans frenetisch gefeiert wird, was Bony wiederum dazu hinreißt, anzumerken: „Die sind anscheinend alle nur für dich gekommen“.

Es ist ein kurzes, aber sehr unterhaltsames Vergnügen, was auch für das Bonusmaterial gilt. Die drei Features dauern zusammen nicht einmal fünf Minuten und ob man Backstage-Impressionen, bei denen Drummer Christof Kather seine Bongo-Künste präsentiert, während Gitarrist Klaus schief auf einer Trompete herumdudelt, und eine Filmsequenz darüber, wie Leute im Regen herumtanzen, braucht, sei dahingestellt, aber hier kann man eben wieder nur auf den eigenwilligen Humor der Truppe hinweisen. Und der Bonus-Filmschnipsel „Eine Bootsfahrt, die ist lustig“ reißt ohnehin alles heraus: Während die Band auf einem Boot performt und dabei über einen Fluss schippert, brüllt Bony zwischen zwei Songs zu den Zuschauern am Ufer: „Hört auf zu glotzen, geht arbeiten!“ – Ähnlich unbezahlbar wie der Typ, der sich mit den Jungs anlegt, weil die ihm nicht schnell genug weg sind. Der Mann sieht auch nicht gerade nach einem potentiellen Grindcore-Hörer aus und droht, die Polizei zu rufen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Um ein dickes, fettes Paket mit zig Dokus und drei verschiedenen Auftritten handelt es sich bei „Abschiedskonzert“ nicht, doch im Gegensatz zu anderen Bands verabschieden JaKa sich eben lieber still, heimlich und dezent. Die DVD ist sicherlich alles andere als spektakulär, sondern ganz simpel auf das Nötigste reduziert, doch genau das passt zu der Gruppe. Muss man als Fan schon angesichts der Umstände haben.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann