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Jamie Lenman: Devolver

Auf Dauer eher anstrengend
Wertung: 7/10
Genre: Alternative Rock, Indie, Crossover
Spielzeit: 42:09
Release: 27.10.2017
Label: Big Scary Monsters

Der berufliche Werdegang des Jamie Lenman liest sich recht abenteuerlich: Bereits 2001 hatte der gute Mann mit seiner damalig neu gegründeten Band Reuben erste Erfolge, letzten Endes stieg die Band mitsamt der damals vorherrschenden Post-Hardcore-Welle soweit hinauf, dass sogar Touren mit Billy Talent stattfanden; zehn Jahre währte der Traum, bis die Erschöpfung ihren Tribut zollte und die Band sich auflöste, woraufhin Lenman sein Doppel-Soloalbum „Muscle Memory“ mit Folk-, Blues-, Country- und Thrash-Metal-Einflüssen (!) aufnahm, zwischendurch mit einem Bläsertrio tourte und sich ganz nebenbei noch seinem eigentlichen Standbein, der Illustration, widmete.

2017 steht nun also das zweite Soloalbum des Briten in den Startlöchern, „Devolver“ mit Namen, und schon nach dem ersten Eindruck zeigt der Mann sich hier stilistisch deutlich geordneter. Von Thrash und Country keine Spur, dafür bewegt man sich in rockig-experimentellen Gefilden, mit viel Indie und Post-alles-mögliche im Grundrezept. Außerdem hat sich Lenman zu einigen Electro-Ausflügen hinreißen lassen, die bei den meisten Songs aber erstaunlich gut ins Gesamtbild passen.

Gerade die erste Single „Mississippi“ fällt da irgendwie schon aus dem Rahmen, handelt es sich hierbei doch um ein zorniges, verzerrtes Manifest mit stampfendem Rhythmus und ist so gar nicht mit Songs wie beispielsweise dem Triphop-affinen „Hardbeat“ zu vergleichen. Dass der Sänger in der Post-Hardcore-Szene tatsächlich auch eine gute Figur gemacht hat, kann man auf „Personal“ erahnen, wenn Lenman sich emotional-angepisst durch die Strophen singt und im Refrain dann einige richtig schöne Ausraster zu hören sind.

Die experimentellere Seite des Engländers gibt es dann sicherlich bei „I Don’t Know Anything“ zu hören, einem tatsächlich britisch klingenden Track, der leicht chaotisch alle möglichen Stile mischt und sich entsprechend auch eher schlecht in die restliche Tracklist integrieren kann. Überhaupt scheint sich Lenman gegen Ende der Platte nochmal mehr zu trauen: „Bones“ kommt mit einem verstörenden Intro aus Klavier und verzerrten Electro-Samples daher, fast wird man hier schon an die Kollegen von Muse erinnert, auch diese Ähnlichkeit rettet den Track aber nicht über die volle Distanz.

Ausgerechnet der finale und etwas ruhigere Titelsong kann noch mal ein paar Pünktchen ziehen, was vor allem an der schönen weiten Hintergrundmelodie liegt; obwohl der Song so durchaus im Radio laufen könnte, wird hier noch mal eine wunderbar melancholische Abschiedsstimmung aufgebaut, die trotzdem zum Rest der Platte passt. Dennoch bleibt das zweite Soloalbum des Briten als Ganzes eher gewöhnungsbedürftig: Über weite Strecken wird hier interessante und abwechslungsreiche, fast schon Crossover zu nennende Kost serviert, viele Tracks haben aber einen etwas zu chaotisch, beinah zusammengestückelten Touch, der auf Dauer einfach anstrengend wirkt.

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