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James LaBrie: Static Impulse

Unterm Strich gutes Soloalbum des Dream Theater-Sängers, das erstaunlich hart geworden ist
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive / Melodic Death Metal
Spielzeit: 50:54
Release: 24.09.2010
Label: InsideOut / EMI

Der Schock darüber, dass Mike Portnoy vor etwa drei Wochen bei Dream Theater ausgestiegen ist, dürfte bei vielen Fans der New Yorker Prog-Metal-Institution noch ziemlich tief sitzen. Auch die Veröffentlichung eines neuen Soloalbums von Frontmann James LaBrie dürfte wohl eher ein schwacher Trost sein und wenig von diesem völlig unerwarteten Ereignis ablenken. Andererseits gibt diese Sensationsmeldung der Promotion des just zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten „Static Impulse“ vielleicht noch einen richtig guten zusätzlichen Schub, so zynisch sich das auch anhören mag.

Wie auch immer: Streng genommen ist „Static Impulse“ erst das zweite richtige Soloalbum des Sängers, nach dem 2005 erschienenen „Elements Of Persuasion“, da die beiden zuvor auf den Markt geworfenen Alben „Keep It To Yourself“ (1999) und „MullMuzzler 2“ (2001) unter dem Banner der allerdings von ihm selbst gegründeten Band MullMuzzler herauskamen.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass das neueste LaBrie-Werk, wie von ihm selbst verkündet, tatsächlich härter und aggressiver als alles ist, woran der 47-Jährige bisher beteiligt war; und das, obwohl auf dem letzten Traumtheater-Album immerhin – wenn auch nur kurz – zum ersten Mal vereinzelte Blastbeats auftauchten. Die gibt es phasenweise auch auf „Static Impulse“ zu hören, performt von Darkane-Schlagzeuger Peter Wildoer, der sich außerdem für einige sporadische Growl-Sequenzen verantwortlich zeichnet; und wenn man sich den Drummer einer schwedischen Melodic-Death-Metal-Combo ins Boot holt, verwundert es natürlich nicht so sehr, wenn das Ganze in einem recht harten Album resultiert. 

So erinnert gleich der Beginn der Platte in Form von „One More Time“ an typischen Göteborg-Death-Metal; Wildoer growlt zu speedigem Riffing und erst, als später James mit seinem unverkennbaren Klargesang einsetzt, ist klar, dass hier keine Schwedentod-Gruppe am Werk ist. Natürlich mag der ein oder andere sagen, dass es heutzutage schon zum absoluten Standard geworden ist, cleane und todesmetallische Vocals zu kombinieren und angesichts dieser Beschreibung genervt die Augen verdrehen – doch muss man zugeben, dass diese Verknüpfung auf „Static Impulse“ nicht gezwungen oder aufgesetzt wirkt. Es ist sogar eher ganz interessant, James’ Stimme in diesem Kontext zu hören.

Bei „One More Time“, den folgenden Tracks „Jekyll Or Hyde“ (gerade bei so einem Titel liegt das Wechselspiel der verschiedenen Gesangsstile natürlich irgendwo nahe und macht durchaus Sinn) und „Mislead“ geht es jedenfalls ordentlich zur Sache, die Gesangslinien sind, wie auch die Growls, gelungen, und die Hooklines zünden. Erst bei den an vierter und fünfter Stelle stehenden „Euphoric“ und „Over The Edge“ wird der Fuß vom Gaspedal genommen und LaBrie singt erstmals alleine, bevor man danach wieder heavier agiert.

Insgesamt merkt man, dass James Bock hat, sich wieder so richtig nach Herzenslust auszutoben – bei Dream Theater wird er leider häufig nicht vollwertig in den kreativen Prozess mit eingebunden. Der Kanadier zeigt, wie auch seine Band (allein die Soli von Gitarrist Marco Sfogli sind echte Leckerbissen), eine engagierte Leistung – dass er sowohl unheimlich ausdrucksstark singen kann, als auch technisch ein formidabler Barde ist, dürfte aber ohnehin bekannt sein –, und glänzt mit einigen sehr hörenswerten, fein ausgearbeiteten Gesangsarrangements. Auch das Songwriting, für das er sich erneut mit seinem langjährigen Sidekick, Keyboarder Matt Guillory, zusammentat, kann alles in allem überzeugen. Zum Ende hin wirkt einiges hin und wieder etwas austauschbar („Who You Think I Am“ und „Superstar“ reißen nicht wirklich vom Hocker und die an letzter Stelle stehende Ballade „Coming Home“ ist schon eine ganz schöne Schnulze geworden, obwohl sie trotzdem irgendwie ganz hübsch ist), dennoch ist „Static Impulse“ eine gute, im Übrigen auch amtlich produzierte Scheibe (modern, aber nicht steril) geworden. Ob sie besser als „Elements Of Persuasion“ ist, muss jeder selbst entscheiden, da sie sich doch ziemlich vom 2005er Output unterscheidet. Und das ist eben das gute an Soloalben für den jeweiligen Künstler: Er hat mehr Freiheiten als bei seiner Stammband und kann mehr ausprobieren, weil die Fans meist nicht unbedingt eine bestimmte Erwartungshaltung haben. Das hat James LaBrie verstanden und macht schlichtweg das, worauf er Lust hat.

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