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James LaBrie: Beautiful Shade Of Grey

Erfrischendes, akustisch geprägtes neues Soloalbum des Dream Theater-Sängers
Wertung: 8,5/10
Genre: Acoustic / Rock
Spielzeit: 48:11
Release: 20.05.2022
Label: InsideOut

Neun Jahre nach seinem letzten Output „Impermanent Resonance“ meldet sich Dream Theater-Frontmann James LaBrie zurück und stellt seine vierte Soloplatte (die Platten mit MullMuzzler zählen technisch gesehen nicht als Solowerke) „Beautiful Shade Of Grey“ vor. Natürlich war er in dieser knapp eine Dekade währenden Zwischenzeit nicht untätig und hat mit seiner Hauptband immerhin vier Alben veröffentlicht („A View From The Top Of The World“ erschien ja erst letztes Jahr) – der Kanadier ist also sehr umtriebig und scheint stets neue Ideen zu haben.

So unterscheidet sich seine neueste Soloscheibe sehr deutlich von den beiden vorigen, die zwischen Prog und Melodic Death balancierten; statt ordentlich auf die Zwölf zu zimmern, wählt James diesmal einen akustischen Approach. Nicht etwa in Singer/Songwriter-Manier – eine Person mit Gitarre, wie die Folkmusiker der Sechziger und Siebziger – und auch nicht im MTV Unplugged-Stil, sondern schon wie eine Rockband, nur dass statt elektrischer vornehmlich akustische Gitarre verwendet wird. Ein cooler Ansatz. Unterstützt wird er dabei von Songwriting-Partner Paul Logue, der auch Akustikgitarren und Bass übernommen hat, und den er bereits 2011 das erste Mal traf, als er bei einem Song Gastgesang für dessen Melodic-Metalband Eden’s Curse beisteuerte und mit dem er nun erstmals ein Album aufnahm.

Die Zusammenarbeit ist auf jeden Fall ein Volltreffer, herausgekommen sind eine ganze Reihe starker Songs mit Hitpotenzial, die eher kompakt gehalten sind und sich somit nicht nur von LaBries früheren Solosachen, sondern natürlich auch vom komplexen, ausladenden Material seiner Hauptband unterscheiden. Mit dem Opener „Devil In Drag“ und dem fast noch besseren „SuperNova Girl“ als Follow-up liegen gleich zu Beginn zwei großartige Tracks vor; ersterer besticht mit dem stampfenden Riff, letzterer durch seine opulenten Melodien, beide wurden mit hervorragenden Refrains ausgestattet.

Mal gibt es ruhige, melancholische, langsam gehaltene Momente wie „Sunset Ruin“, das zusätzlich mit Cello und orchestraler Begleitung auf die Tränendrüse drückt ohne übertrieben kitschig zu wirken, oder das ohne Schlagzeug auskommende „Am I Right“, das sich, unterstützt durch weibliche Vocals im Hintergrund, kontinuierlich steigert. Dann wieder findet sich eine folkig angehauchte Nummer wie „Wildflower“, die zum Teil gar ein wenig an Tom Petty denken lässt, oder ein geradezu tanzbarer Ohrwurm der Marke „Hit Me Like A Brick“. Unbedingt erwähnenswert ist auch das nachdenklich anmutende „Give And Take“, bei dem das technisch hochwertige Gitarrenspiel ein absolutes Highlight darstellt.

Hier ist James’ alter Kumpel Marco Sfogli zu hören, der bei den Soloalben des mittlerweile 59-Jährigen immer wieder auftauchte und auf „Beautiful Shade Of Grey“ für die Soli und gelegentlichen E-Gitarren-Einschübe zuständig ist, während Logue sich vornehmlich auf die rhythmischen Parts konzentriert. Eine interessante Personalie stellt auch LaBries Filius Chance dar, der sich hinter das Schlagzeug geklemmt hat, was übrigens nicht etwa auf den Vater zurückzuführen ist, sondern laut Promoschreiben ein Vorschlag von Paul Logue war. Komplettiert wird die Truppe von Keyboarder Christian Pulkkinen, der mit Orgel, Klavier und atmosphärischen Sounds für geschmackvolle Farbtupfer sorgt.

James LaBrie und seine Mitmusiker haben ohne Übertreibung das vielleicht bisher beste Soloalbum in der Karriere des DT-Sängers erschaffen, voller Schönheit und Anmut, ohne aber in Schönheit oder gar Kitsch zu ersaufen. Das Ganze tönt sehr erfrischend, zeitlos und mit spürbarer Lust eingespielt und eingesungen, die Songs zeigen bei aller Kompaktheit das handwerklich hohe Level der Band, sodass hier auch, aber eben nicht nur Dream Theater-Fans reinhören sollten. Das Led Zeppelin-Cover „Ramble On“ passt mit seinem folkig-akustischen Charakter wie Arsch auf Eimer zum Restmaterial und wurde sowohl passend ausgewählt als auch stilvoll umgesetzt und die „Electric Version“ von „Devil In Drag“ ist ein netter Bonus. Sehr erfreulich, dass James im Vergleich zu manch anderem nicht immer nur dasselbe machen, sondern Neues ausprobieren will.

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