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Jag Panzer: The Scourge Of The Light

Viel Licht und wenig Schatten
Wertung: 8.5/10
Genre: US Power Metal
Spielzeit: 48:49
Release: 25.02.2011
Label: Steamhammer/ SPV

30 Jahre Jag Panzer, und was schon länger angekündigt war, machten die Power Metaller aus Colorado nun wahr – das neunte Studioalbum erblickt das Licht der weltweiten Metallergemeinschaft. Sieben Jahre haben die Mannen um Fronter Harry „The Tyrant“ Conklin gebraucht, um die letzte Scheibe „Casting The Stones“ abzulösen. Sieben Jahre, und das in einer stark veränderten Musiklandschaft, in der immer mehr auch im Metal der schnelle Erfolg zählt. Doch wer so viele Sonnenwenden hinter sich hat, dem verzeiht man auch allzu gerne die Wartezeit. So ist das mit den Kultkapellen – da haust du ein später als Jahrhundertwerk beschriebenes Album wie „Ample Destruction“ 1984 heraus und kannst immer noch unzählige Jahre später davon zehren.

Doch nun steht ein Jahr der Wahrheit an – schließlich sind halt die sieben Jahre kein Pappenstiel. Dazu kommt auch noch die beim Headbangers Open Air 2010) gestrichene Show – da muss nun ein famoses Album her, um auch wieder die gierenden Fans in Deutschland ins Boot zu holen. So ganz unvorbereitet sind die Fans aber nicht, denn mit „Union“ stand schon seit Wochen ein Song im Netz und konnte ausführlich gehört werden.

Und genau dieser Song wird sicherlich die Fans auch in zwei Lager spalten. Die einen werden ehrfürchtig auf die Knie sinken und in devoter Pose dem Metalgott danken, dass Jag Panzer einen derartigen Ohrwurm nun auch vertont haben – eine Gesangslinie wie gemacht fürs Mitsingen, ein geniales Gitarrensolo, auch überhaupt mit soviel Pathos und Epik angereichert, dass „Union“ doch glatt als neue Hymne herhalten könnte. Die Kritiker aber werden verlauten lassen, dass zugegeben, das Solo sehr songdienlich daher kommt und auch sehr sich ins Ohr schmeichelt, aber das war es auch schon. Es trieft nur so vor Pathos, zäh wie Schmierkäse, und genauso käsig kommen auch die Vocals daher – singen kann der Harry ja, aber doch bitte nicht für den nächsten Hausfrauenclub.

Zum Glück können Jag Panzer das aber besser, als der Teaser implizierte. Mindestens genauso episch wie „Union“, aber mit einer viel feineren Gesangslinie kommt „Bringing On The End“ daher, Harry legt in seine Stimme einen Hauch von Aggression, um dann nur kurze Zeit später mit allem Herzschmerz darauf hinzuweisen, wie abwechslungsreich ein Organ genutzt werden kann. Mit solch einem Song fällt der letzte Vorhang noch lange nicht, aber der Bringer ist „Bringing On The End“ aber auch nicht.

Auch der zweite Song der CD, „The Setting Of The Sun“, haut in dieselbe Kerbe – na ja, hauen ist da etwas übertrieben, denn mit viel melancholischem Gehabe und episch eingefügten Streichersound liebkost man die Seelen der Fans. Doch Jag Panzer können noch anders, wie der Opener „Condemned To Fight“ beweist. Fette Double-Bass treffen auf aggressiv treibende Vocals, und gerade die Leadgitarre sorgt für den unterhaltsamen Kontrast und wirbelt wie durch Klassik-Mozart inspiriert. Ein bisschen Bombast, das war es auch schon, genug um zu knallen, um den Song als Anspieltipp zu empfehlen.

Mit „Cycles“ offerieren Jag Panzer ihre progressiver Ader, allerdings nicht mit weit geöffneten Venen, denn allzu sehr wollen sie sich bei diesem Experiment wohl doch nicht aus dem Fenster lehnen. Dabei steht dieser Song der Truppe sehr gut zu Gesicht, und gerade Harrys Gesang sorgt einmal mehr für Entenpelle. Das aber auch die Gitarrenfraktion, namentlich Mark Briody und Christian Lasegue, mit amtlichen Riffs aufwarten kann und wohl in der Blütezeit des Zusammenspiels jedwegen klebrigen Staub aus dem Kelch blasen kann, machen sie einmal mehr in „Let It Out“ wie „Hans Dampf in allen Gassen“ klar – ein Double-Bass Power Metal-Track mit feinsten Soli, der sich ins erste Tabellendrittel der CD-Wertung einnistet.

Leicht traurige Pianoparts eröffnen „Burn“, und auch die Gitarren nehmen das melancholische Gefühl auf, bis beschwingt „The Tyrant“ mit höher gelegten Vocals spätestens im Refrain für einige Virgin Steele-Anleihen sorgt, um dann wieder am Schluss in den Melancholie-Piano-Tiefen zu versinken.

Ganz großes Kino offenbaren Jag Panzer allerdings im Rausschmeißer „The Book Of Kells“. Die Epik-Keule schwingt die ganze Zeit, ein bisschen Savatage dringt ein und unterstützt Harry dabei, wie die dort besungenen Tattoos lebendig durch die Botanik huschen – da spannt sich die eigene Hautfarbe und zeigt ein seltsames Eigenleben – „The Book Of Kells“ bilden kurzweilige, unterhaltsame, träumerisch nachdenkliche mehr als sieben Minuten großer Musikkunst.

Beim neunten Studioalbum setzen Jag Panzer nicht nur auf powermetallische Epen, sondern flechten geschickt und auf sanfte, aber nachdrückliche Art und Weise auch starke melancholische Momente ein. Das eben erwähnte „Book Of Kells“ ist schon nahezu ein Lehrbeispiel monumentaler Dramatik. Das Gitarrenduo Mark und Christian brilliert ständig mit einfühlsamen Riffs und extrem griffigen Hooklines, die nicht nur von Harry „The Tyrant“ Conklin aufgegriffen, sondern mit Leichtigkeit übertroffen werden. Zwar tauchen auch wie mit „Union“ schwache Momente auf und zeigen, dass Jag Panzer das Spiel nicht über die volle Distanz im Griff haben und dominieren. „The Scourge Of The Light“ ist zwar nicht der alles überragende Lichtblick, stellt aber die meisten anderen US-Power Metal-Scheiben locker in den Schatten und kann sich in der Sonne aalen.

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