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Jackyl: Jackyl

Diese Scheibe darf in keiner Sammlung fehlen
Wertung: 9.5/10
Genre: Southern Hard Heavy Rock
Spielzeit: 42:42
Release: 10.08.1992
Label: Geffen

Seit circa 27 Jahren beschäftigt sich nun schon der Rezensent mit der härteren Stromgitarrenmusik. Immer häufiger kommen Worte wie „früher war die Musik besser“ über seine Lippen. Altersstarsinn oder unbegreifliche Gehirninkontinenz? Entscheidet selbst; um es Euch einfacher zu machen, hab ich mal einige teilweise absolut unterbewertete Alben herausgekramt und werde sie euch nun noch mal ins Gedächtnis rufen. Den Anfang machen die Redneck Punks aus den Staaten mit dem Namen Jackyl. Ihr gleichnamiges Debütalbum konnte in den USA Platinstatus einheimsen, aber in Europa hielt sich der Erfolg dahingehend eher in Grenzen, auch wenn sie gern gesehene Gäste bei MTV waren.

Der erste Kracher steht auch direkt mit „I Stand Alone“ als Opener zur Verfügung. Riffbetontes, kräftiges Gerocke mit dem charismatischen Sänger Jesse James Dupree (das James kam allerdings erst später in der Karriere hinzu). Mit bester Headbanging-Anregefunktion hämmert sich die Band schnurstracks in das Gedächtniszentrum und der unheimliche Groove, den die Band an den Tag legt, reißt einfach jeden Rockversessenen mit. Okay, die Lyrics der Band sind eher platt und provokant ausgerichtet, was aber genau in die Zeit passte. Rebellen sollt ihr sein, niemand braucht eine PMRC!

Fast im gleichen Takt knallt dann auch „Dirty Litle Mind“ daher. Die Band hat sich den Ruf als AC/DC der Südstaaten erarbeitet. Deutlich straighter geht es aber zur Sache, bei diesem Song wird fröhliches Orgiengestöhne untermalt, welches natürlich sehr passend zu dem Text ist. Aber Lyrics hin, Texte her, die Band rockt mit relativ einfachen Mitteln ohne spielerische Extravaganzen. Einfach herrlich. Das ist Party und Abgehmucke in einem.

„Down On Me“ ist dann die nächste Glanztat der Band. Man grölt automatisch schon bei den ersten Hördurchgängen mit, die beiden Gitarren von Jimmy Stiff und Jeff Worley sorgen für viel Stimmung, ohne dass sich die beiden mit ihren Fingern verausgaben müssen. Da wird auch mal eine zeitlang ohne Gitarren nur mit dem Schlagzeug und / oder Bass weitergemacht. Das geht natürlich nur, weil Jesse Dupree den Hörer mit seinem Organ gefangen nimmt.

Eine schöne Powerballade haben sie dann mit dem Mitgröhler „When Will It Rain“ auch an Bord. Langsam stapft der Song voran, getragen von den Gesangslinien mit diesem mördermäßigen Refrain. Den kann man auch mit zwei Promille im Blut noch mitgrunzen. Zwischendurch zeigen die beiden Sechssaiter, dass sie nicht nur riffen können. Viel besser kann man das eigentlich nicht machen. Da kann man nichts Negatives zu schreiben, denn dies ist in seiner Schlichtheit einfach nur genial. Heutzutage würde man da Soundeffekte reinzimmern, Keyboards dudeln lassen und alles verwässern.

Dann wird es Zeit, mal das Tempo ein wenig anzuziehen: „Redneck Punk“. Von der Songstruktur her mit ein wenig Anleihen an „Ballroom Blitz“ von The Sweet oder manchen von euch bekannter in der Version von den Schweizer Eidgenossen Krokus. Geile Abgehnummer ohne zu hohe Geschwindigkeit, ein Schelm wird denken, das würde an den begrenzten Fähigkeiten der Band liegen. Und dann kommt das, was sich in kürzester Zeit zur Bandhymne herauskristallisiert hat: „The Lumberjack“. Feinster Heavy Blues Rock mit dem wohl ersten Kettensägensolo in der Musikgeschichte. Das glaubt ihr nicht? Zur Hölle, statt der Gitarren gibt es ein Chainsawsolo! Muss man kennen, muss man gehört haben. Eine Hymne für die Ewigkeit, und wie die Band selbst zum Schluss kundtut: „That`s the way we like it!“ Und da kann ich nur zustimmen. Ein Lacher dann natürlich auch, wie Jesse im Hühnerstall mit seinen Stimmbändern die Kettensäge imitiert und hinter dem Federvieh herläuft.

„Reach For Me“ ist dann etwas melodischer geraten, ohne aber die Standards von Jackyl zu vernachlässigen. Coole Nummer, welche aber nicht ganz mit den vorherigen Krachern mithalten kann. Ähnlich wie „Back Off Brothers“ kann der Song zwar überzeugen, aber den hohen Qualitätsstandard, den die Band selbst mit dem ersten Teil der Scheibe gesetzt hat, nicht halten. Man nickt unweigerlich mit und hat gute Laune, aber man zerlegt vor Begeisterung nicht sein Wohnzimmer.

Thomas Bettini darf mit seinem Bass „Brain Drain“ eröffnen. Die absolut gelungene Produktion setzt hier eigentlich jedes Instrument passend ins rechte Licht. Druckvoll transparent wird hier losgerockt. Leider ist der Refrain von „Brain Drain“ etwas zu sehr auf Chartharmonien angelegt und will mir in diesem Kontext nicht wirklich munden. Mit fast fünf Minuten ist es auch der mit Abstand längste Song des Albums

„Just Like A Devil“ ist nicht gerade ein romantischer Song, obwohl für Amokläufer vielleicht schon. Es wird wieder deutlich mehr gerockt, der Schädel fliegt unaufhaltsam vor und zurück und das Haar bekommt diese tolle Luftigkeit, wie ihr sie von Konzerten kennt. Yehaa, das rockt und Sex pur, was der Texte da beschreibt, aber das geht natürlich noch provokanter.

„She Loves My Cock“ ist da noch offensichtlicher für die Zensur bestimmt. Ja, so war das Anfang der Neunziger, es wurde kein Blatt vor den Mund genommen. Ein Partykracher, der auch heute gerade wegen des Textes immer noch sehr gut funktioniert. Die Unbekümmertheit, mit der die Band hier aufwartet, ist schon etwas Besonderes. Leider ist dies auch das beste Album in der Bandgeschichte.

Fazit: Ein Hammeralbum, welches einfach mitreißt. Das Ganze wird zwar auch immer wider mal als Asi-rock oder Proletenrock bezeichnet, aber im Grunde ist es einfach guter Heavy Rock, mal mit Blues, mal mit Southern Einflüssen oder eben Hard oder Sleaze Rock. Für jede Party gut oder auch nur, wenn man gerade mal Abbrucharbeiten machen will. Was will das Rockerherz mehr? Diese Scheibe darf in keiner Sammlung des Genres fehlen.

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