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Jack White: Blunderbuss

Abwechslungsreicher Alleingang des Blues-Bewahrers
Wertung: 9/10
Genre: Blues/Rock/Pop
Spielzeit: 44:23
Release: 20.04.2012
Label: XL Recordings

Bei Platten von Jack White ist es immer zunächst der äußere Schein, der ins Auge springt: Ob die knallige Schwarz-Weiß-Rot-Ästhetik seiner mittlerweile aufgelösten Erfolgsband The White Stripes, das holzige Südstaaten-Retro-Flair der Raconteurs oder der finstere schwarz-goldene Anstrich von The Dead Weather – der gebürtige Detroiter war schon immer ein Fan von Farbsymbolik. Mit einem neuen Projekt unter eigenem Namen und einer neuen Platte (dem ersten Soloalbum eben) muss daher auch ein neuer Dresscode her, der diesmal auf zartes Hellblau und Polaroid-Optik setzt. Das wirkt gediegen, stilvoll, elegant und nicht zu modern – und passt damit perfekt zu dem, was White auf „Blunderbuss“ zu hören gibt.

Denn der ganze Zinnober wäre schon immer eine Farce gewesen, wenn sich der Output des Multitalents nicht stets durch einen hohen Qualitätsstandard und eine gewisse Eigenheit auszeichnen würde. Hier macht auch das Soloalbum keine Ausnahme – mit dem Unterschied natürlich, dass White diesmal nicht im Kontext einer Band steht, sondern ganz allein das Rampenlicht genießt. Trotzdem kann der geneigte Hörer so einiges aus Whites anderen Projekten in den Songs wiedererkennen: Da gibt es sanfte Südstaaten-Popsongs („Blunderbuss“), die so ähnlich auch von den Raconteurs stammen könnten, einen düsteren Track wie „Freedom At 21“ mit Seven-Nation-Army-Riffanleihen, der sich auch mit Alison Mossharts Hexenröhre gut gemacht hätte und unschuldig wirkende Liedchen nach Art der White Stripes („Hip (Eponymus) Poor Boy“). Doch auch die zahlreichen anderen Projekte, an denen White als Musiker oder Produzent beteiligt war, hinterlassen ihre Spuren: Da finden sich sowohl Anklänge an seine Produktionen mit Country-Legende Loretta Lynn und Rockabilly-Queen Wanda Jackson, als auch an den James-Bond-Titelsong mit Alicia Keys oder die Arbeit mit Danger Mouse an einer von Morricones Western-Soundtracks beeinflussten Platte.

All das kann man in „Blunderbuss“ wiederfinden, wenn man mag. Trotzdem bleibt die Platte in erster Linie ein Jack-White-Soloalbum und lässt sich auch ohne Weiteres als genau das wahrnehmen. Kein Zweifel, wer hier der Chef im Ring war, auch wenn beeindruckende stilistische Vielfalt herrscht: Der aufgekratzte, angepunkte Bluesrock, mit dem man White ziemlich automatisch verbindet, ist mit „Sixteen Saltines“ zwar vertreten, aber in der Unterzahl. Insgesamt dominieren eher die ruhigeren, dabei aber nicht minder intensiven Klänge, die durch den Luxus einer beliebig großen Zahl von Studiomusikern an mannigfaltigen Instrumenten Ausflüge in allerlei Genres von (natürlich) Blues über Swing, Rock, Folk und Country bis hin zu Gospel zulassen. Zentrales Instrument der Platte ist so wider Erwarten auch nicht die Gitarre, sondern das Klavier und andere Tasteninstrumente, die vor allem den Songs der zweiten Hälfte einen angenehm luftigen Sound verpassen. Auf Whites berühmte Sechssaiter-Eskapaden muss man natürlich trotzdem nicht verzichten: Gitarrensoli unter großzügiger Verwendung des Octavers gibt der Maestro gern und oft zu Gehör – ein Verzicht auf dieses Trademark wäre wohl auch sträflich gewesen.

Ansonsten schafft er wie immer vor allem über seinen Gesang Wiedererkennungswert: Sanftes Säuseln, rasanter Sprechgesang und aufgekratztes Falsett gehen wie gewohnt Hand in Hand, werden aber – und hier kommt wieder die Stilvielfalt ins Spiel – gern und oft durch vor allem weiblichen Gesang bereichert: Die erste Single „Love Interruption“ erhält den letzten Schliff erst durch den großartigen Duettbeitrag von Ruby Amanfu und das rockige Swing-Cover „I'm Shakin'“ macht vor allem dank der Gospel-Damen im Hintergrund so richtig Laune. So wird das erste Soloalbum des umtriebigen Band-Musikers Jack White ironischerweise vor allem dadurch zu einer wundervollen Angelegenheit, dass er eben nicht alles alleine macht, sondern sich die Freiheit nehmen kann, mit unterschiedlicheren Menschen als je zuvor zusammenzuarbeiten. Das soll nicht heißen, dass der Output bei einem kompletten Alleingang schlechter gewesen wäre: Ein solcher waren ja gewissermaßen schon alle White-Stripes-Alben (denn seien wir doch mal ehrlich: Meg White hatte jetzt nicht unbedingt den größten künstlerischen Einfluss). Aber erst die unbegrenzten Möglichkeiten eines fehlenden Band- und Konzept-Korsetts erlauben den Abwechslungsreichtum von „Blunderbuss“, das damit zu einem erwarteten Album-Highlight des ersten Musikhalbjahres 2012 gerät.

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