Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts: Peregar

Hier steppt der russische Bär zu rustikalen Klängen
Wertung: 6.5/10
Genre: Folk, Rock, Ska, Punkt
Spielzeit: 44:57
Release: 04.03.2011
Label: Sumo Rex

Folk-Rock und Irish Folk erfreuen sich mittlerweile im deutschen Lande eines recht großen und wachsenden Fankreises, man frönt der Musik mit eigenen Festivals und Bands wie Schandmaul oder Fiddler's Green können sich auf den vorderen Chartplätzen tummeln. Weniger Gehör fanden dabei bisher osteuropäische Klänge, wie sie zum Beispiel von Gogol Bordello oder 44 Leningrad gepflegt werden. Zudem zeigte auch Eric Fish kürzlich in seiner „Bildungsoffensive“, dass es sich gut auf Russisch flucht und man unterschiedliche Folk-Einflüsse bestens miteinander koppeln kann.

Balkan-Beat-Partys halten nun aber nicht nur in fast allen deutschen Städten Einzug, sondern erfreuen sich auch einer zunehmend größeren Beliebtheit. Wen mag es also wundern, dass immer mehr Bands mit Folkeinflüssen, die östlich der Oder-Neiße-Grenze liegen, an unser Ohr dringen. Jüngstes Beispiel sind Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts. 2008 entstand ihre EP „Begi Suka“ und nun legen sie mit ihrem Debütalbum „Peregar“ nach. Die sechs Herren aus Trier sind nicht nur mit dem passenden Namen ausgerüstet, sondern auch mit Akkordeon, Geige, Bass, Gitarre, Schlagzeug und viel Blech bewaffnet. So bewaffnet ziehen sie nun in die weite Welt, um ihr zu zeigen, wie der russische Bär steppt und vor allem, auf was er tanzt!

Wer hier filigranes Balalaika-Spiel oder wehmütige Heimatgesänge erwartet, sei enttäuscht. Kein Gedanke geht an die Weite der Taiga, an lauschige Birkenwäldchen oder gar Katjuscha; nein, hier gibt es eine Mischung aus russischer Folklore, Ska und Punk um die Ohren, die ausschließlich dem Zwecke des Feierns dient. So wird zu Beginn mit Pauken und Horn Fahrt aufgenommen, um in eine Ska-Polka zu münden, bei der das obligatorische „He“ natürlich nicht fehlen darf. Die Stimme von Ivan gibt dem Ganzen den Charme einer durchzechten Nacht und lässt die Vermutung aufkommen, dass die berüchtigten „sto“ Gramm wohl nicht nur zum textlichen Inhalt gehören.

Weiter geht es mit den beschwingten Rhythmen von „Popalis“, die im Refrain punkige Züge aufnehmen und gut auf „Moskau-Berlin-Madrid“ einstimmen. Hier werden nun die drei Städte nicht nur textlich, sondern auch im entsprechenden musikalischen Klangbild gegrüßt und man lässt sogar mit Flamenco-Rhythmen der Feierlaune weiter ihren Lauf. Dreht es sich bei „Suka-Bljad“ anfangs noch um die untreue Verlobte, kommt doch bald die wahre Geliebte Wodka wieder auf den Tisch und so wundert es nicht, dass man Alkohol und Nikotin im gleichnamigen Song ein folkloristisches Denkmal setzt. Gönnen sich die Kreml Krauts an dieser Stelle eine kurze Verschnaufpause, zieht man in „Ventilator“ wieder die Geschwindigkeit an, Ivan quält seine Stimme bis zum Letzten und die einsetzenden Chorusse lassen auch einen Hauch von "Don Kosaken"-Feeling aufkommen.

Bei „Onkel Sascha“ zeigt sich das Sextett von seiner melancholischen Seite. Die zurückgefahrene und einfache Instrumentierung gibt dem Titel eine besondere Note und dem Album eine gelungene Abwechslung, zu der die klagenden Laute Ivans bestens passen. Danach geht es im gewohnt ruppigen Speed-Folk weiter und man bindet mit „Gori Moja Duscha“ den Sack voller tanzbaren Folk-Titeln zu - wobei hier angemerkt sei, dass man das Album bis zum wirklichen Ende anhören sollte, die Erinnerungen eines Kätzchens haben es sich mit seinen jammernden Klängen tatsächlich verdient.

Auf „Peregar“ werden Spaß, Lebensfreude und eine Träne Melancholie vereint. Die Songs laden zum Tanzen, Feiern und Mitgrölen ein und eignen sich so bestens für einen Live-Gig. Nach mehrmaligem Anhören verliert der Silberling allerdings an Glanz. Der räudigen Anmut einer Wodka geschwängerten Säufernacht folgt bald der Kater und die Ernüchterung, dass es sich musikalisch doch eher um Durchschnitt handelt. Sicher werden Ivan und seine Krauts nicht den großen künstlerischen Anspruch hegen und dies ist auch nicht zwingend erforderlich, jedoch würde dem Album etwas mehr Abwechslung und Fingerfertigkeit gut tun. So ist die Scheibe zwar fast ein Muss für jede Balkan-Party, aber nicht zum Dauerverzehr geeignet, und eher als Wodka, Speck und saure Gürkchen statt als Krim-Sekt und Beluga-Kaviar einzustufen.

comments powered by Disqus

Das Wochenende klingt mit Volldampf aus

 

 

„Das ist genau der Punkt, kein erhobener Zeigefinger“

Perfekter Tour-Abschluss, der mehr Zuschauer verdient hätte

Kurzweiliger Abend mit kleinem Vorgeschmack auf das kommende Album

Wenn es im August schneit und trotzdem alle schweißgebadet nach Hause gehen

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging