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Iskald: Revelations of Reckoning Day

So schön kann eine Polarnacht sein
Wertung: 10/10
Genre: Melodic Black Metal
Spielzeit: 47:58
Release: 26.09.2008
Label: Indie Recordings

Erst zwei Jährchen ist es her, da machte das Projekt Iskald mit seinem Full Length-Debut „Shades Of Misery“ gehörig auf sich aufmerksam. Dieses Projekt besteht aus den beiden Norwegern Simon Larsen (Gitarre, Bass, Keyboards, Vocals) und Aage Andre Krekling (Drums, Vocals), die mit Sessionmusikern schon mit Band wie Behemoth, Satyricon, oder Gorgoroth auf der Bühne gestanden haben.

Nun steht der Winter an und die beiden Norweger schicken die Hörer mit ihrem zweiten Werk „Revelations Of Reckoning Day“ temperaturtechnisch schonmal ohne schützende Winterjacken und Ohrenschützer mitten in eine eisige Polarnacht.

Dieser durch Mark und Bein gehende Eingangsscream und die daraufhin mit sofortiger Wirkung einsetzende Riffwand in „Ruin Of Mankind“, die eisig ist und unüberwindbar steil wie die Eiger Nordwand nach einem Regen mit überfrierender Nässe lässt den Hörer sofort erstarren. Und so schön wie es auch aussieht, wenn sich der Reif der Eiseskälte über die Landschaft legt, so stellt sich auch dieser Song dar: Die Melodien sind herrlich anzuhören und von grandioser Schönheit, aber trotzdem überzogen von grimmiger Kälte.

Mit einem Blick aus dem Fenster in die dunkle Nacht muss ich mich erstmal vergewissern, ob der Regen, der vorhin vom Himmel gekommen ist, nicht auch schon seinen Aggregatzustand verändert hat, und nein: Es sind nur die eisig-schönen Riffs von „A Breath Of Apocalypse“. Na, da bin ich ja beruhigt und umso mehr verzückt ist mein Herz, das für ebensolchen Black Metal schlägt, denn hier gibt es neben einem ausgeprägten Sinn für Tempovariation (ich sage nur: Vom Bereich der Blastbeats zu gemächlichem Midtempo) auch wieder geniale Melodien.

Und ab geht´s mit den “Warriors Of The Northern Twilight, Part 2” in die flotten Regionen des melodischen Black Metal, ohne jedoch in kopfloses Gekloppe abzuschmieren. Sehr feines Teil mit sehr guten Melodien, die schönerweise aber nicht aufgesetzt wirken. Dieses Teil kann ein gewisses Maß an Groove nicht von der Hand weisen. Wirklich sehr gut!

“Endtime (Instrumental)” hätte man sich vielleicht sparen können, so quasi mitten in der Scheibe wirkt es eher ein wenig deplatziert. Wäre am Anfang oder Ende des Werkes vielleicht sinniger gewesen. Herrlich, wie eingangs “The Orphanage” der Bass auch mal kurz allein vor sich hin brabbeln darf, bevor dich die Riffs in die nächste Gletscherspalte hinabreißen. Hier zeigen die Jungs wieder sehr schön, wie sie mit verschiedenen Tempi und Melodien umgehen können.

“Det Stilner Til Storm” haut mal nicht gleich von der ersten Sekunde an auf den Putz, sondern es gibt hier erstmal ein instrumentale Intro, das den Weg freigibt für melodisch gesehen den besten Song des Albums, in dem man außerdem die technische Versiertheit der Musiker sehr schön heraushören kann. Diese Melodien sind absolut wunderbar anzuhören und alles in allem ist dieses wunderschöne Stück neben "Dommedag" der beste Track des Werkes, auch wenn sich die einzelnen Songs nur in Nuancen etwas nehmen, da das gesamte Material durchweg einen sehr hohen Standard aufweist.

“Tartarus” ist ein weiteres grooviges Stück des Albums und weist zudem auch das höchste Maß an Eiseskälte auf. Ist mit knapp über zwei Minuten auch der eindeutig kürzeste. Ja, wenn sich das so anhört, wenn man auf dem Weg hinab zum Gehörnten ist wie in „Journey To Hell“, dann nehmt mich doch bitte mit: Herrlich anzuhörendes Melodic-Riffing, bei dem ich mich ernstlich frage, wie die Norweger das so gut hinbekommen, dass sich die Melodien so eisig anhören. Nahezu unerreicht, ehrlich. Sogar der Chor klingt gelungen.

Einfach wunderschön, wie ein vereister See im Schein der Mitternachtssonne … Das war meine Assoziation, die ich bei den Klängen von “Dommedag” bildlich vor Augen hatte, warum, weiß ich auch nicht. Macht euch einfach ein eigenes Bild beim Hören dieses genialen Songs. Ein brilliantes Riffing und fesselnde Melodien lassen den Song zu einem Finale hinauslaufen, bei dem man den letzten eiskalten Schauer im Nacken verspürt.

Black Metal-Puristen der ersten Stunde werden an der Produktion keine Freude haben, doch diejenigen, die den Fortschritt zulassen, werden umso mehr ihre helle Freude daran haben: Kristallklar, pur und überhaupt nicht kratzig oder gar roh wehen einem da die eisigen Klänge durch die Hörgänge. Da haben Stamos Kolousis und Vangelis Labrakis ganze Arbeit an den Reglern geleistet.

Fazit: Kann jedem ohne Einschränkung empfohlen werden, der frostig-schöne Black Metal-Klänge zu seinen favorisierten Klängen zählt. Für mich definitiv eines DER stärksten Black Metal-Alben des Jahres 2008.

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Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging