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Is LOVE Alive?: Final Journey

Mutig und eigenwillig
Wertung: 8/10
Genre: Doom Metal / Psychedelic
Spielzeit: 49:47
Release: 06.12.2018
Label: Independent

Im Grunde müsste man hier nur die Begleitmail veröffentlichen und gut ist, denn dort ist Is LOVE Alive?-Bandkopf Tom mit reichlich Herzblut und Liebe im Detail auf alle bisher bei den vorherigen beanstandeten Inhalten auf Herz und Nieren eingegangen – und hat gleich auch einen kleinen Blick in die doomige Glaskugel geworfen und ein paar weitere, so sicherlich aufkommende Fragen mit beantwortet. Klar dürfte langjährigen LeserInnen sein, oder denjenigen, die sich die bisherigen Reviews der Bergkamener hier durchlesen, dass die vier Doomer eben bei uns einen Stein im Brett haben, und das schon fast ausschließlich aus einem schlichten Grund: Sie kehren sich glaubhaft einen feuchten Kehricht um Erwartungen und ziehen ihr Ding genauso durch wie sie wollen. Gut, das machen viel Bands, könnte man nun in den Raum werfen, aber die bisher von vielen angetragenen Kritikpunkte zu Bandname- bzw. Logowahl und wie „untrue“ unkorrekt das Ganze doch sei, ist ein weiteres Indiz für ungehorsame Unangepasstheit.

Soundtechnisch bieten die Vier auch weiterhin psychedelisch angehauchten Doom Metal bis hin zu deutlich metallischeren Strukturen, auch wenn sich zwei Positionen im Bandgefüge geändert haben: Zum einen ist mit Falko Bröggelwirth ein neuer Kerl hinter den Kesseln (man kennt sich halt auch schon ganz gut von Injustice System), fast aber schon wichtiger ist der Mut, den abgewanderten Frontmann Stefan Hüsing durch die allen noch unbekannte Frontfrau Anne Brandenburg zu ersetzen – was den Songs eine komplett andere Note verleiht. Da macht es dann auch wieder Sinn, den drei älteren Demonummern „Separate Darkness (From Light)“ von der dritten Demo „III Social Jetlag“ (2014) sowie „Plastic Jesus“ und „Against“ – beide von der zweiten Demo „Against“ von 2011 – erneut einen Chance zu geben.

Werfen wir zuerst einen Blick auf die vielleicht einigen schon bekannten Stücke. „Separate Darkness (From Light)“ klingt soundtechnisch gegenüber dem „Original“ etwas frischer, Anne singt deutlich weniger nölig depressiv als Stefan noch bei der Erstversion dieser Nummer, sondern baut eher einen Hauch zuversichtlichen Optimismus ein, dazu feine Doomschleifen, die eine leicht hypnotische Wirkung entfalten, teilweise nahezu schon minimalistisch tönen, ohne aber ihre mitnehmende Wirkung zu verfehlen. Ein richtiger Knaller aber ist anschließend „Plastic Jesus“, denn hier treffen Doom und Metal durchaus in Konkurrenz, Drummer Falko setzt eindeutig mehr Akzente und auch Sängerin Anne bietet mit breiter, selbstbewusster Brust ein breiteres Aktionsspielfeld. Fast zur Hälfte des Songs wechseln sie zur Headbang-geeigneten Abgehnummer mit dem growlendem Drummer Falko inklusive strangem Solo und unterwerfen sich erst wieder in der letzten Minute der Doom-Kontrolle, aber auch hier darf weiterhin Falkoden Ton angeben. Die ebenfalls aus 2011 kommende Nummer „Against“ gehört zu den variantenreichen, zu Beginn eher melancholisch-depressiven Songs, sakrale, dezente, aber immer wieder präsente Backchöre mischen sich unter das deutlich postrockigere Werk, doch Is LOVE Alive? bleiben groovig und verwehren sich so rockig bis psychedelisch ein wenig dem klassischen Doom.

Als zweiter Anspieltipp geht auch schon der Opener „Edis Rehto“ mehr als locker ins Retro-Ohr, denn wenn man mit dem Sound der Bergkamer vertraut ist, dann sorgen schon die ersten Gitarrentakes für ein herzlich umarmendes, bekanntes Willkommen. Neusängerin Anne setzt ein paar erste, vollkommen unaufgeregte, unaffektierte und warme Akzente, wirkt zugleich aber auch noch ein wenig zu zurückhaltend. Sehr schleppender Song, das Quartett verlässt seine traditionelle Doom-Linie nicht, auch wenn das Gitarrensolo zu Beginn des letzten Drittels eine erfrischend positive Note einbringt und kurz vor Schluss noch ein Sprachsample einen moderneren Touch einstreut.

Auch der anschließende Titeltrack „Final Journey“ gehört zu den simpel gehaltenen Doomern mit zurückhaltenden progressiven Kurzausflügen, wobei Is LOVE Alive? deutlicher denn je die frühe Doomschule aus Black-Iommi mit einer Prise Bruce Franklin-Trouble offenbaren und einen herrlichen Akzent durch ein schön morbides, wenig aufdringliches und dadurch erst recht intensives Keyboard im hammondpurpleschen Soundgewand einbauen.

Die andere Seite zeigen die Vier dann eher mit „The Cross I Carry“ auf: Schon vom Start weg gleich mal mehr Uptempo, nur um dann doch wieder mit minimalistischem Riff und viel Gefühl die groovige Doom-Keule zu schwingen, allerdings bleiben sie hier ein wenig blass, kontern aber ganz prima mit dem sehr homogen eingefügten Hammond-Orgel-Solo, welches ein bisschen 70er-Feeling einwebt und die postrockigen Einflüsse betont. Im Rausschmeißer „Army Of The Lost“ zeigen sie sich dann nochmals von der deutlicheren Heavy-Schlagseite, doch natürlich schimmern auch hier die Doom-Wurzeln durch. Sprechsamples zu Beginn, Anne mit tiefer gelegter Stimme, mit fast schon proglastiger Ausrichtung krachen sie mit starker Heavy-Schiene und wieder fast schon erneut growlendem Falko-Gesang mächtig in die Klötze, da passt es auch ganz hervorragend, wie sie das mit zwei Stimmen angereicherte „Army Of The Lost“ herausbrüllen/-singen. Schön auch das zartklampfige Finale, welches allerdings immer wieder die Frage aufwirft, ob da nicht gleich nochmals etwas nachkommt. Dagegen schenken wir uns das zu lang geratene psychedelische Instrumentalstück „Purple Starship Blues“, welches eher gewöhnungsbedürftig als „LSD-Flashback trifft auf fernöstlichen Entspannungstanz“ eine sehr eigenwillige Zäsur darstellt.

Auch wenn es heutzutage bei der Flut an Veröffentlichungen sicherlich nicht einfach ist, sich ausreichend Gehör zu verschaffen, so haben Is LOVE Alive? ganz sicher das Potenzial, sich im Doom-Lager mit ihrem doch eher eigenwilligen Ansatz und so ganz fernab der mainstreamigen Allerwelts-Dauerschleifen durchzusetzen. „Final Journey“ ist dann hoffentlich auch nicht das Schlusswort, sondern lieber ein Startschuss für LiebhaberInnen eigenwilliger und selbstständiger Mucke aus dem Pott. Der eigene „Kopf“ muss sich doch lohnen dürfen...

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