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Irontree: The Faceless

Ehrliche und spannende DIY-Mischung
Wertung: 7,5/10
Genre: Death/Thrash/Heavy/Black Metal
Spielzeit: 46:22
Release: 22.10.2021
Label: Eigenproduktion

Irontree sind eine der Bands, die im Rhein-Neckar-Raum ein schmerzlich unterrepräsentiertes Dasein fristen, dabei sind die vier MusikerInnen in der einen oder anderen Formation bereits seit 20 Jahren im Musikbusiness aktiv. Der Backkatalog ist aber bislang mehr als überschaubar: 2012 gab es mit „Branch One“ sage und schreibe eine einzige Demo, erst jetzt im Oktober konnte dann das Full-Length-Debüt „The Faceless“ veröffentlicht werden – und das, obwohl einige der „neuen“ Songs gar nicht mal so neu sind, sondern bereits seit 2014 in der sprichwörtlichen Schublade schlummern beziehungsweise sich Vorabversionen einiger Tracks bereits auf der Demo wiederfinden. Asche auf euer Haupt, aber andererseits: besser spät als nie.

Um die musikalische Mischung von Irontree zu überblicken, benötigt man tatsächlich mehr als nur einen Durchlauf: Sich selbst charakterisiert die Truppe als „Abyssic Heavy Metal“, was zum rauen DIY-Sound durchaus passt; will man aber einige spezifischere Genres benennen, kann und darf man sich nicht zwischen Death, Thrash, Black und Heavy Metal entscheiden wollen. Bisschen zackige Hardcore-Attitüde mit dazu, dann ist das etwas chaotische Puzzle komplett.

Gewöhnen muss man sich an die Stimme der „Brüllfee“, die ebenso unpoliert daherkommt wie der Rest der Scheibe und dementsprechend ordentlich Arsch tritt, aber weit von dem entfernt ist, was man im Mainstream so bei „female fronted“ zu hören bekommt (und ganz ehrlich: Ich freu mich drüber!). Soundtechnisch kratzen Irontree immer wieder an schwarzmetallischen Eigenproduktionen, auch die teils sehr düsteren Soundwände (beispielsweise bei „Fall From Grace“, das nebenbei mit tollen halbgesprochenen Passagen aufwartet) passen super zum derzeitigen diesig-nebligen Wetter und wecken den Nihilisten im geneigten Zuhörer.

Gehen wir aber noch mal zurück zum Beginn der Scheibe, wo mit „False Gods“ direkt von der ersten Sekunde an ordentlich auf die Tube gedrückt wird; live sicherlich ein Steilgeh-Garant, wird der Hörer hier direkt mit ordentlich Groove versorgt, todesmetallisch angehauchte Gitarren und ein tightes Drumming sorgen vor allem im Refrain dafür, dass die Doppelvocals besonders gut unterfüttert werden – ein geiler Einstand!

Bei „Chemical Sleep“ wird‘s dann vor allem gesangstechnisch etwas chaotisch, dafür prescht „Cruficied“ aber wieder schön nach vorn; „Ghosts Of The Irontree“ markiert dann ein definitives Highlight der Scheibe, auch wenn der Gesang in den Strophen teils etwas nasal daherkommt – im Refrain kann man dann aber wieder den doppelten Gesang abfeiern, der sich irgendwo zwischen klassischem Heavy Metal und Thrash festbeißt.

Einfach nur einen Song bei YouTube auszuchecken, reicht bei Irontree einfach nicht. Man muss sich auf den etwas kruden Mix einlassen (wollen), dann bietet „The Faceless“ aber schweißtreibende Unterhaltung. Wer sich mit der Stimme der Fronterin etwas schwertut, der sei getröstet: Im Verlauf fügt sich die „Brüllfee“ recht gut ins Gesamtbild ein, super-groovig auch die Passagen, in denen Gesangsunterstützung geboten wird, instrumental kann man dann gar nicht mehr meckern, wird hier doch alles verwurstet, was das Herz erfreut, inklusive fast schon episch zu nennender Gitarrenparts. Wenn man den Mut hat, sich Irontree zu stellen, macht „Abyssic Heavy Metal“ auf jeden Fall Spaß – wobei ich ja davon ausgehe, dass die Band in der Liveversion nochmal Sympathiepunkte sammeln kann.

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