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Iron Maiden: The Book Of Souls

Ein paar kleine Durchhänger, aber insgesamt solide
Wertung: 8/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 92:16
Release: 04.09.2015
Label: Parlophone Label Group (Plg) (Warner)

Es scheint, je älter die Herren von Iron Maiden werden, desto länger werden auch ihre Songs und Alben. Bereits der letzte Studio-Output „The Final Frontier“ wies eine stolze Länge von über 76 Minuten auf, bei mehreren Songs zwischen acht und elf Minuten. Als nun die Ankündigung kam, dass die fünfjährige lange Wartezeit nach eben jener Scheibe gar mit einem Doppelalbum entlohnt werden würde, war die Aufregung naturgemäß groß. In der heutigen Zeit des Konsums inklusive des unsäglichen Herunterladens von einzelnen Songs ein durchaus gewagtes Unterfangen, auch wenn Swallow The Sun dies mit der Ankündigung eines Triplealbums ja noch in diesem Jahr überbieten wollen.

Wenn eine Band sich einen solchen Schritt erlauben kann und den Segen ihrer Plattenfirma dazu bekommt, dann (zumindest in der Metalszene) sind dies aber Iron Maiden, die sich immer noch – im Gegensatz zu anderen Metal-Koryphäen wie Metallica oder Judas Priest – größter Beliebtheit erfreuen und viele Leute ziehen. Bestimmt sind Harris und Co. auf „The Book Of Souls“ stolz wie Oscar; dass viele Fans zunächst aber trotz aller Vorfreude ein wenig skeptisch an die Angelegenheit herantreten, liegt in der Natur der Sache. Nicht jeden überzeugte das letzte Album, ein paar Durchhänger gab es zuletzt immer mal und rein rechnerisch sind die Chancen auf Ausfälle bei einer Doppelplatte nur noch größer.

Bei „The Final Frontier“ waren die meisten Anhänger der Jungfrauen ob des merkwürdigen Intros doch sehr irritiert und auch der Opener von „The Book Of Souls“, „If Eternity Should Fail“, startet mit einer etwas seltsam anmutenden Synthie-Einleitung, die mit Sicherheit ebenfalls nicht allerorts für Begeisterung sorgen dürfte. Das Ende des Tracks, von Akustikgitarren und verfremdeten, gesprochenen Vocals getragen, fällt ebenfalls in die Kategorie „gewöhnungsbedürftig“. Der dazwischen eingebettete Song selbst ist allerdings eine ordentliche Eröffnungsnummer mit melancholischem Touch und gutem Refrain. Soundtechnisch gibt es keine großen Revolutionen: Eine typische Maiden/Shirley-Produktion halt, die insgesamt irgendwie durchgeht, auch wenn der hölzerne Drumsound erneut nervt.

Das anschließende „Speed Of Light“ gehört mit fünf Minuten Länge zu den kürzeren Stücken des Doppeldeckers und wurde sicherlich auch deshalb als erste Single ausgewählt. Hauptkriterium hierfür ist jedoch wohl der eingängige Refrain, trotzdem ist der Song ein bisschen standardmäßig geraten. Hinzu kommt, dass Bruce Dickinson bei der enormen Höhe der Töne im Chorus ziemlich forciert, was im Übrigen auch für das folgende, songschreiberisch deutlich stärkere „The Great Unknown“ gilt. Klar, der Mann hat gerade eine Krebserkrankung überwunden und natürlich habe ich unglaublich viel Respekt für ihn als Person und vor dem, was er geleistet hat, aber es ist nun einmal Tatsache, dass auch seine Stimme irgendwann ihren Tribut fordert. Dass Dickinson mit Leidenschaft agiert, soll ihm aber keinesfalls abgesprochen werden, und generell ist es natürlich bemerkenswert, in was für Höhen er in seinem Alter noch vorstoßen kann.

Von den kürzeren Nummern darf man getrost „Tears Of A Clown“ (von Bruce selbst als Lieblingssong des Albums genannt) als Highlight bezeichnen: ein schöner Ohrwurm mit einem simplen, aber sehr prägnanten Mainriff, in dem sich die Band laut eigener Aussage Gedanken über Robin Williams und seinen für viele überraschenden und schockierenden Selbstmord gemacht hat. Sehr stark auch „Shadow Of The Valley“, das zwar mit einem geradezu dreist zur Schau gestellten Rip-off von „Wasted Years“ beginnt, sich dann aber zu einer spannenden Nummer entwickelt, bei der besonders die Gitarrenpassage gegen Ende überzeugt; ein klug ausgetüfteltes Arrangement, bei dem die dreifache Gitarrenpower endlich einmal klar und deutlich zum Vorschein kommt.

Ebenfalls interessant und wendungsreich ist „The Man Of Sorrows“ geworden, das balladesk und melancholisch beginnt, um im weiteren Verlauf zu einem Midtempo-Rocker mit zarten Keyboard-Einschüben zu mutieren und letztlich gekonnt mit einer psychedelisch angehauchten Sequenz auszufaden. Überhaupt hat die zweite CD gegenüber der ersten die Nase vorn, die Ideen sind einfach origineller, sieht man mal vom eher belanglosen „Death Or Glory“ ab.

Dies führt automatisch zu dem mit größter Spannung erwarteten Epos „Empire Of The Clouds“, mit 18 Minuten die längste Komposition in der Geschichte Iron Maidens, und komplett von Frontmann Bruce Dickinson verfasst, der sich hierfür außerdem auf den Klavierhocker gepflanzt hat. Tatsächlich hat man Maiden so noch nicht gehört, die perlenden Pianoklänge machen sich sehr gut und die Melodien, gerade im Gesangsbereich, sind schlicht wundervoll. Auch die Einfälle in der Mitte mit den orchestralen Anleihen sind sehr cool und zeigen die Band mal von einer anderen Seite, wobei die typischen Dudelmelodien immer noch eindeutig zeigen, wer hier musiziert. Sehr progressiv und ganz klar das Highlight des Albums.

Weniger großartig ist die andere Mammutnummer „The Red And The Black“, die wiederum Bandchef Steve Harris im Alleingang komponierte. In der Mitte stark arrangiert und mit schönen Soli versehen, wäre hier ein bisschen mehr Kompaktheit angebracht gewesen, zumal das Stück grundsätzlich auf einem sehr primitiven Riff basiert, auf dem dafür, dass es nicht sonderlich originell ist, zu häufig und zu lange herumgeritten wird. Außerdem ist das Bassintro so überflüssig wie nur sonst was und dass eben jenes dann auch am Ende wieder hervorgekramt wird, konnte man sich denken – unnötig bleibt es trotzdem.

Auch der immerhin zehneinhalb Minuten lange Titelsong endet so, wie er anfing: in diesem Fall mit einer ruhigen Akustikgitarre. Dazwischen findet sich ein gelungener Longtrack, nicht so gut wie „Empire Of The Clouds“, aber stärker als „The Red And The Black“, zunächst in mittleren Tempobereichen gehalten, wieder durch dezente Keyboards angereichert, die für etwas mehr Atmosphäre sorgen, und gekrönt von einem epischen Refrain, in dem Bruce seine vielleicht beste Gesangsleistung des Albums abliefert. Im zweiten Part wird das Tempo angezogen und Smith, Murray und Gers dürfen nach Herzenslust solieren.

Ich persönlich finde „The Final Frontier“ nach wie vor nicht übel und sehe „The Book Of Souls“ auf einem ähnlichen Niveau. Ein paar kleine Durchhänger, aber insgesamt eine solide Angelegenheit. Mit dem ungeliebten Shirley-Sound muss man nun mal leben und die anfängliche Skepsis angesichts eines solch umfangreichen Werkes ist zwar nachvollziehbar, doch das Album wächst definitiv mit mehreren Durchläufen – natürlich ist bei so einem langen Werk ein wenig Geduld erforderlich.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann