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Iron Maiden: Maiden England '88

Wichtig(st)es Zeitzeugnis
Wertung: 8,5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 100:00/ 156:00
Release: 22.03.2013
Label: EMI

Zeitreisen in die Achtziger können so schön sein – nicht nur immer verklärt durch des Metallers Blick, dass doch früher alles besser war. Früher war wahrlich nicht alles besser, aber vieles anders, darauf kann man sich sicher einigen. Männer durften noch Achselhaare haben, Vokuhilas („vorne kurz, hinten lang“) waren modern, doch auch VHS-Kassetten mit der akuten Bandsalatbedrohung gehörten zur allgemeinen Unterhaltung dazu. Und wenn dann einer dieser Kunststoffmonster doch bis heute durchgehalten hat, dann wird es bei einem Magnetband mit Iron Maiden-Inhalt mittlerweile derart durchgenudelt sein, dass man das Schätzken nur noch selten bis gar nicht in den Recorder schmeißt, um das schöne Sammlerstück bloß nicht zu beschädigen.

Natürlich wird ein Teil der puristischen Szene aufschreien und anmerken, dass die britischen Urgesteine einmal mehr den Hals nicht voll bekommen können, wenn es heißt, man könnt mit einer DVD doch wieder ein bisschen Kohle mehr einfahren, da ja schon seit 2001 das große DVD-Veröffentlichungsfieber ausgebrochen ist und der heimische Schrank schon so aus allen Iron-Maiden-Nähten platzt.

MAUL halten, denn was mit „Maiden England '88“ vorliegt, ist wohl eines der wichtigsten Zeitzeugnisse aus der Jungfrauengeschichte, wenn nicht sogar der Metallandschaft schlechthin, da muss man gar nicht um den heißen Brei reden. Natürlich kann man sich trefflich streiten, ob denn der Sound korrigiert werden müsse, ob die digitale Bildbearbeitung denn auch wirklich das Gelbe vom Ei sei – wer sich vorliegende DVD ansieht, wird sich nur all zu gerne all zu schnell in den magischen Maiden-Jahren verlieren, meinetwegen die Luftgitarre von der Wand zupfen, ein paar Gerstenkaltschalen dabei vernichten und nachher sich darüber wundern, warum die Stimme denn angeschlagen ist – bei der Auswahl an Klassikern muss man einfach mitsingen, das geht gar nicht anders.

Die Möglichkeit, unter verschiedenen Soundmöglichkeiten auszuwählen, wird hier gerne ein wenig hinten angestellt, denn auch so bietet das Gebotene genug Zeit zum Träumen: Die markanten, an „Seventh Son Of A Seventh Son“ angelehnten Bühnenaufbauten, die endlich mal wieder nicht zu hektischen Schnitte, die manchmal genial einfache Kameraführung – hier sei explizit die auf etwas über Kopfhöhe im Rückraum installierte Kamera mit zahlreichen „Durch die Arme“-Aufnahmen erwähnt - oder als Beispiel wie bei „Killers“, als die Fans so nahe an der Bühne wirken, wie es heutzutage gar nicht mehr denkbar wäre.

Und natürlich bekommt man auch so manch anderes Schmankerl mit: Da wird bei „The Number Of The Beast“ kurz mal in die Kamera gewunken, Brucis Puppenspiel vor „Infinite Dream“ gibt genauso die lockere Stimmung auf der Bühne wieder wie der Bühnentechnikerchor bei „Heaven Can Wait“. Und vor allem wird man ständig eines gewahr: Wie fit die Herren doch sind, sprinten sie doch regelmäßig quer über die riesige Bühne, erklimmen die Aufbauten, bis hin zu den neckischen Spielen, die Bruce bei seinem Drummer wagt – „jetzt weiß man, warum er nur Drummer ist“.

Im Gegensatz zur VHS-Version kommen auch endlich die drei damals nicht veröffentlichten Tracks „Run To The Hills“, „Running Free“ und „Sanctuary“ zum Einsatz. Natürlich könnte man einwenden, dass man die Tracks doch schon rückwärts pfeifen kann, was natürlich mit Blick auf die restliche Setlist durchaus Sinn machen würde – aber seien wir doch ehrlich: Hier im DVD-Kontext kann man sich einfach nicht satt hören noch sehen.

Kritisch muss man durchaus anmerken, dass natürlich die Bildqualität trotz aller Bearbeitung mit heutigen Standards nicht mithalten kann, wobei auch schon damals galt: Rot ist des Fotografen Tod. Sprich: Hier tauchen diverse Unschärfen auf, die auf modernen Medien aber ebenfalls vorhanden sind. Trotzdem hätte man sicherlich mit einem Filter auch den kurz vorhandenen Grauschleier bei beispielsweise „Die With Your Boots On“ wegretuschieren können – aber wie oben erwähnt: Es ist und bleibt ein Zeitzeugnis.

Auf der zweiten DVD halten sich dann Freud und Leid etwas die Waage, denn man darf sich schon fragen, warum denn „The History Of Iron Maiden Part 3“ hier landet – das hätte man mit Teil 1 und 2 auf einer anderen, vorherigen Bonus-DVD zusammen erledigen können – Marketingstratege sei Dank. Wichtiger dabei ist allerdings dann das komplette „12 Wasted Years“-Angebot – tolle Liveaufnahmen aus den Anfängen der Band, die einmal mehr zum Träumen verleiten, wobei man schon arge Qualitätseinbußen hinnehmen muss. Als Bonus gibt es dann auch noch die Videoclips von damals, über deren Umsetzung man auch heute noch sich trefflich amüsieren kann, deren Songs aber allesamt zu heutigen Klassikern gereift sind.

Viele Worte, die eigentlich nur eines ausdrücken: Wer die Schnauze voll vom VHS-Tape hat, wer nicht komplett anachronistisch lebt, wer das Material noch überhaupt nicht kennt und wer nicht absolut klamm in der Geldbörse ist, der wird mit „Maiden England '88“ nichts falsch machen können. Dabei gilt nicht wie im DVD-Vorspann eine Warnung vor Epilepsie wegen der Lichteffekte, sondern absolute Suchtgefahr für Maiden-Fans.

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