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Iroha: Iroha

Fesselnde Monotonie
Wertung: 7.5/10
Genre: Shoegaze/Drone/Doom
Spielzeit: CD1: 47:12 CD2: 66:19
Release: 18.02.2010
Label: Denovali Records

Iroha – ein wichtiges japanisches Gedicht zur Heian-Zeit, das sich inhaltlich dem Vanitas-Motiv widmete und alle Silben der damaligen Sprache genau einmal verwendete. Eine Synthese aus Melancholie und Ordnung könnte man also sagen und ähnlich sieht es auch mit der danach benannten Band Iroha aus, die nun ihr Debüt via Denovali veröffentlicht und geordnete Schwermut zelebriert. Aus dem Land der aufgehenden Sonne kommt die Truppe jedoch nicht, vielmehr stecken hinter dem Projekt die drei Briten Andy Swan, Dominic Crane und Diarmuid Dalton – Letzterer dürfte vielen insbesondere als Bassist von Jesu bekannt sein.

Entsprechend verwundert es wenig, dass diese einen nicht unerheblichen Einfluss auf Iroha ausgeübt haben dürften und der Sound der beiden Bands sehr nah beieinander ist. Zwar agiert das Trio insgesamt weniger experimentell als Jesu, die Basis des Sounds bildet aber ebenfalls eine Mischung aus der Verträumtheit des Shoegaze, dem durchdringenden Widerhall des Drone und der schleppenden Schwere des Doom. Glücklicherweise funktioniert diese zugleich ungewöhnliche und doch passende Kombination auch bei Iroha, so dass auch deren erstes Album den Hörer langsam aber sicher in seinen Bann zieht und ihn durch verschwommene Tagträume schweben lässt. Dabei ist die Monotonie ein ständiger Begleiter – in den schwerfälligen Melodien findet sich genauso wenig Variation wie in dem gleichförmigen, fast geflüsterten Gesang; dramatisches Songwriting überlassen Iroha lieber anderen Bands. Wer dieses Genre kennt, weiß jedoch, dass dies lediglich Mittel zum Zweck ist und nicht weiter ins Gewicht fällt, denn letztendlich ist es die wabernde Atmosphäre, die den Songs ihre Identität verleiht und den Hörer fesselt.

Einzelne Songs herauszupicken und auseinanderzunehmen, fällt entsprechend schwer, ist „Iroha“ doch vielmehr als Ganzes zu betrachten und legt kaum Wert darauf, durch besonders herausragende Momente aufzurütteln. Manch einer mag das einschläfernd finden, doch Geduld wird bei diesem Werk belohnt: Mit jedem Hördurchgang versinkt man ein wenig tiefer in dem unwirklichen Klangkosmos und lässt sich von schwermütigen Melodien einlullen, bis man diese Parallelwelt schließlich gar nicht mehr verlassen will. Das sanfte Zerren des dröhnenden Basses hypnotisiert ebenso wie die anderweltlichen Synths, die sich mal wabernd und flächig, mal schillernd und widerhallend ihren Weg durch die rauschenden Riffs bahnen, die zwischenzeitlich aber auch wie in „Dreams“ härtere Formen annehmen. Diese Momente der Abwechslung sind insgesamt aber eher spärlich gesät – gerade dadurch weiß der Hörer sie jedoch zu schätzen und findet so im Nebel Lichter, an denen er sich orientieren kann.

Auch in der Gleichförmigkeit gibt es letztendlich Momente, die besonders berühren und für echte Gänsehaut sorgen: Ohne sich allzu stark vom Rest der Songs zu unterscheiden, trifft „Drifted“ beispielsweise mitten ins Herz; einfach weil die richtige Melodie zum richtigen Zeitpunkt erscheint und die Melancholie auf die Spitze treibt. In „Eternal“ begegnen einem ebenfalls einige dieser besonderen Sekunden – in schleppendem Tempo, mit deutlichem Doom-Einschlag gehalten, finden sich in dem Song einige sehr ruhige Passagen, in denen die Gitarren zugunsten des von Synths unterlegten Gesangs schweigen und die Textzeilen so besonders herausstechen. Am experimentellsten gibt man sich im Titelstück „Iroha“, in dem tatsächlich das eingangs erwähnte Gedicht von der japanischen Gastsängerin Mio intoniert wird. Der mehrstimmige Gesang und die gleißenden elektronischen Klänge geben dem Song eine mystische Stimmung und machen ihn zum unbestrittenen Highlight auf dem Album – in diese Richtung könnte man sich ruhig noch ein wenig weiter wagen, denn dort klingt die Band wirklich einzigartig.

In dem hübsch aufgemachten Digipak findet sich neben dem eigentlichen Album auch noch eine Bonus-CD, auf der sich ein alternativer Mix der Songs von Jesu-Mastermind Justin K. Broadwick und drei weitere Remixe finden. Da versteht es sich natürlich von selbst, dass die zweite Version der Stücke noch ein wenig mehr nach Broadwicks Band klingt, was diesen aber definitiv nicht schlecht steht. Besonders interessant ist hierbei noch der „Black Galaxy Remix“ von „Last Day Of Summer“, der mit harschen Beats zeigt, dass die Musik Irohas auch in elektronischer Form funktioniert.

Andy Swan und seine Mitstreiter haben mit ihrem Debüt ein sehr stimmungsvolles und dicht gewobenes Machwerk zustande gebracht, dass trotz der starken Ähnlichkeit zu Jesu zu fesseln und faszinieren vermag. Wen die Wiederholungen im Songwriting stören, wird mit Iroha nicht viel anfangen können - alle, die sich aber gerne in verträumte Klanglandschaften fallen lassen, können mit diesem Erstling nicht viel falsch machen. Jesu-Fans können hier natürlich ebenfalls blind zugreifen, denn gelegentlich wird dem großen Bruder gleichgezogen und zeitweise bewegt man sich sogar über dessen Durchschnitt. Wenn die großen Momente wie in „Drifted“ noch ausgeweitet werden und weitere Experimente wie „Iroha“ gewagt werden, sollte beim nächsten Album noch ein deutlicher Sprung nach oben möglich sein.

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