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IQ: The Road Of Bones

Definitiv düsterer als „Frequency“, aber nicht ganz so stark
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 53:13
Release: 09.05.2014
Label: RSK Entertainment (Soulfood)

Was tut eine Band am besten, wenn sie zuletzt ein absolutes Topalbum veröffentlicht hat, das – wenn überhaupt – nur schwerlich überboten werden kann? Richtig, sie schert sich nicht darum, was die Leute erwarten oder um angeblichen Druck, sondern macht weiter und lässt eine Platte folgen, die ganz anders ist als der Vorgänger. Ja, „Frequency“ war nach meiner bescheidenen Meinung ein ganz großes Stück Musik, bei dem ich auch nach wie vor hinter jedem einzelnen der zehn damals vergebenen Punkte stehe.

Mit „The Road Of Bones“ haben IQ nun fünf Jahre später eine Scheibe am Start, die sich tatsächlich doch relativ deutlich vom 2009er Output unterscheidet. Natürlich klingen die Briten unverkennbar, doch wie Frontmann Peter Nicholls bereits im Vorfeld andeutete, hat die Platte von Anfang an einen merklich düstereren Vibe und nähert sich damit dann schon eher an das 2004er Werk „Dark Matter“ an. Auch ist der Zugang zu den Songs insgesamt schwieriger als auf „Frequency“, doch lediglich fünf Kompositionen in der Tracklist implizieren ja ohnehin, dass diesmal wieder mehrere längere Stücke dabei sind, deren Struktur es erst einmal zu ergründen gilt.

Herzstück des Langspielers bildet denn auch das mittig platzierte, fast 20 Minuten währende „Without Walls“, ein Epos, das jedem Progger sofort das Herz höher schlagen lassen sollte, denn für den passionierten Progfan gibt es doch nichts Besseres, als mit einem amtlichen Longtrack auf eine Traumreise zu gehen und diesen zu erforschen, oder? Der Song ist auch gleich ein wunderbares Beispiel dafür, wie man bei seinen typischen Trademarks bleibt, aber trotzdem Veränderungen einbaut: Die Grooves in den etwas wuchtigeren, rockigeren Parts sind absolut charakteristisch für IQ, ebenso die Art, wie Keyboards und Orgel eingesetzt wurden (obwohl hier schon wieder ein Wechsel stattgefunden hat; der erst 2007 zur Band gestoßene Mark Westworth, welcher Dauer-Tastendrücker Martin Orford abgelöst hatte, wurde 2010 seinerseits durch Neil Durant ersetzt, außerdem zockt für John Jowitt am Tieftöner mittlerweile wieder Ur-Bassist Tim Esau), doch allgemein schwebt wie erwähnt eine wesentlich dunklere, teilweise fast bedrohliche Stimmung über dem Ganzen und die beinahe chaotische Entladung, mit der der letzte Instrumentalpart endet, bevor dieser durch ein herrlich schwelgerisches Finale kontrastiert wird, in dem man den Anfangsteil wieder aufgreift, ist ebenfalls eher ungewöhnlich.

Bereits dem ansonsten in recht typischer IQ-Manier groovenden Opener „From The Outside In“ wohnt wenigstens in der Strophe eine düstere Atmosphäre inne, während der Refrain etwas aufgehellter daherkommt. Der darauffolgende Titeltrack hingegen glänzt mit bedächtigem Aufbau und offenbart zunächst eine vergleichsweise spartanische Instrumentation, sodass Nicholls’ Stimme im Vordergrund steht; besonders die perkussiven Elemente machen sich allerdings gut und bringen zusätzliche Farbtupfer ins Geschehen. Erst am Ende wird der Härte- und Bombastgrad angezogen und eine mächtige Keyboard- und Gitarrenwand türmt sich auf – nicht das einzige Stück der Platte, für das mehrmaliges Hören vor dem abschließenden Urteil empfohlen sei.

„Ocean“ ist mit sechs Minuten noch die kürzeste Nummer von allen geworden und erinnert doch äußerst stark an „Closer“ vom Vorgänger, jedoch irgendwie mit esoterischerem Charakter und trotz des interessanten Schlagzeugrhythmus auch nicht ganz so gelungen. Das abschließende Zwölf-Minuten-Finale könnte logischerweise mit „Until The End“ nicht besser betitelt sein und auch hier zeigen sich die Briten als erfahrene Progband, die einfach weiß, wie man einen Longtrack spannend, behutsam und plausibel aufbaut. Die Vibes sind hier ebenfalls eher dunkel, sodass das Album als Ganzes in sich sehr schlüssig und homogen herüberkommt.

Dennoch kann „The Road Of Bones“ nicht ganz mit seinem direkten Vorläufer mithalten. Andererseits: Wer „Frequency“ genauso wie der Autor abgefeiert hat (oder immer noch abfeiert), sollte an den neuen Output lieber nicht mit der Erwartungshaltung herangehen, dass es gilt, an irgendetwas heranzureichen oder gar zu überbieten. Alben sind letztlich ja Momentaufnahmen einer Band und es ist auf jeden Fall erfreulich zu registrieren, dass IQ sich nicht bloß wiederholen – das kann man ihnen auch nach über 30-jährigem Bestehen wahrlich nicht vorwerfen. Eine gute, erneut von Gitarrist Mike Holmes soundtechnisch in Szene gesetzt Scheibe liegt in jedem Fall vor. Kritisch sei nur angemerkt, dass sich Peter Nicholls in Zukunft vielleicht doch wenigstens ein bisschen weniger des Autotunings bedienen könnte.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann