Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

IQ: Scrape Across The Sky

Alle „The Road Of Bones“-Songs zusammen in Bild und Ton
keine Wertung
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 129:18
Release: 20.01.2017
Label: GEP (Giant Electric Pea)

IQ haben zu den Niederlanden ganz offensichtlich ein sehr gutes Verhältnis: Vor sieben  Jahren erschien die letzte offizielle Live-DVD „The Wake: Live At De Boerderij“, auf der sich, wie der Titel schon verspricht, eine Gesamt-Liveperformance ihres Klassikeralbums „The Wake“ von 1985 wiederfindet. Der neueste audiovisuelle Tonträger aus dem Hause der Briten – die inzwischen bis auf die Tastenposition wieder im Original-Line-up musizieren – wurde in derselben Location aufgenommen, erstmals in der Geschichte der Band wird das Ganze auch auf Blu-ray erscheinen.

Im Mittelpunkt steht bei „Scrape Across The Sky“ ganz klar das aktuelle Album „The Road Of Bones“, das nicht nur mit sämtlichen Songs der regulären Scheibe in der Setlist vertreten ist, sondern auch noch den in der Special Edition enthaltenen Song „Ten Million Demons“ bietet. Insgesamt verteilen sich zwölf Tracks auf rund zwei Stunden – als waschechte Prog-Rocker haben es sich die Fünf nicht nehmen lassen, ihren Fans mehrere besonders lange Songs zu kredenzen, neben dem wundervollen Zwanzigminüter „Without Walls“ sind dies vor allem „The Seventh House“ und gleich zu Beginn ein aus „Awake And Nervous“ sowie „The Darkest Hour“ bestehendes Medley mit jeweils über zehn Minuten Dauer.  

Absolute Klassiker wie „Outer Limits“ und "Widow’s Peak“ finden sich auch diesmal im Set wieder, was manch einen vielleicht stören mag, zumal beide Songs auf dem „The Wake“-Album sind, welches wie erwähnt vor einigen Jahren ohnehin als Komplett-Livemitschnitt herausgebracht wurde. Die Qualität der Stücke selbst kann natürlich niemand leugnen, möglicherweise wäre stattdessen die eine oder andere Nummer aus der Menel-Ära oder vom grandiosen „Dark Matter“-Longplayer nicht unangebracht gewesen – beides findet keine Berücksichtigung. Andererseits: Was Letzteres betrifft, sei an dieser Stelle auf die limitierte Auflage von „Frequency“ verwiesen, die eine Bonus-DVD u.a. mit Stücken von jener Platte ihr Eigen nennt, und auch auf dem Anfang 2016 veröffentlichten „Live On The Road Of Bones“-CD-Doppeldecker finden sich mit „Sacred Sound“ und „Born Brillant“ von „Dark Matter“ zwei Stücke.

Eine leichte Tendenz zur Veröffentlichungswut darf man den Herren demnach schon unterstellen, womit sich die Frage stellt, ob man „Scrape Across The Sky“ tatsächlich braucht. Da es sich hier um die erste Blu-ray der Band handelt, ließe sich dies wohl vor allen Dingen beantworten, wenn man die technische Komponente heranzieht, sprich in erster Linie die Bildqualität. Dummerweise lag der Redaktion lediglich die Audio-Variante vor und keine DVD oder gar Blu-ray, sodass eine Bewertung des Optischen leider nicht möglich ist.

Das Set selbst ist allerdings eine runde Sache und fließt wunderbar; die Protagonisten sind schließlich allesamt exzellente Musiker, die Instrumente fein differenziert herauszuhören, und es ist ein Genuss, dem gefühlvollen Spiel zu lauschen. Gerade die filigranen Bassläufe von Rückkehrer Tim Esau sind ein Fest für die Ohren. Hin und wieder hat man aber das Gefühl, das Schlagzeug stünde etwas zu sehr im Vordergrund und die Gitarre könnte ein wenig mehr Schmackes vertragen, dieser Eindruck entsteht vor allem bei „Frequency“, wo die Lead-Melodie ein bisschen dünn herüberkommt.

Außerdem scheinen die Publikumsreaktionen arg zurückhaltend, nur nach den Songs brandet einigermaßen Jubel auf, ansonsten ist es sehr still, obwohl das Live-Feeling von der Performance selbst gut zur Geltung kommt – keine Ahnung, ob da bezüglich des Zuschauerbereichs im Nachhinein ein wenig heruntergeschraubt wurde. Ebenso ist es ein Rätsel, weswegen nach jedem Song ausgeblendet wurde, zumal es sich ja um ein komplettes Konzert und nicht einzelne Fetzen von mehreren Auftritten handelt. Man kann nur hoffen, dass dieses vollkommen unnötige Ausfaden bei der Blu-ray nicht vorgenommen wurde und sich auch Frontmann Peter Nicholls etwas gesprächiger zeigt. Möglicherweise kann man dort außerdem einen guten Blick auf Keyboarder Neil Durant werfen kann, der des Öfteren mit mehreren Sounds gleichzeitig arbeiten muss – die Bewältigung dieser Aufgabe zu beobachten, dürfte für jeden Fan sicherlich ebenfalls ziemlich interessant sein.

Trotz leichter Einwände und Kritikpunkte: Nicholls ist wie immer sehr gut bei Stimme, die Instrumentalfraktion wurde ja schon gelobt und alle Songs von „The Road Of Bones“ nun auch live mit Bild und Ton beisammen zu haben (beim genannten Doppeldecker hatte man sie zumindest in Audioform ebenfalls schon alle zu hören gekriegt), ist schließlich ebenfalls durchaus reizvoll – einen Fehler begeht also garantiert niemand, hier zuzuschlagen. Wenn jedenfalls auf der Blu-ray auch Bild und Schnitte taugen, kann hier jeder Prog-Fan bedenkenlos zugreifen, auch die, die die „Live On The Road Of Bones“ bereits im Schrank stehen haben.

comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend