Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

IQ: Frequency

Mit einem Wort: Großartig
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 62:00
Release: 22.05.2009
Label: Inside Out / SPV

„Frequency“ ist bereits das neunte Studioalbum des 1982 gegründeten britischen Prog-Rock-Quintetts IQ und das erste ohne ihren langjährigen Keyboarder und Mitbegründer Martin Orford. In dessen Fußstapfen ist Mark Westworth getreten, welcher allerdings – soviel sei von vornherein gesagt – seine Sache ganz ausgezeichnet macht und offensichtlich keinerlei Probleme hatte, dieses schwere Erbe anzutreten.

Die Scheibe wird mit dem Titeltrack eröffnet, der wirklich ein absoluter Hammer ist und an „A Crack In The Ice“ vom Arena-Album „The Visitor“ erinnert – zumindest was den simplen, aber enorm effektiven, durch Mellotron-Sounds und melodische Gitarrenleads verfeinerten Rhythmus im Bass angeht, mit dem das Stück eingeläutet wird. Diese Passage geht in smoothe E-Piano-Klänge über, zu denen schließlich der Gesang einsetzt. Peter Nicholls’ Stimme sorgt mit ihrer natürlichen Wärme und Schönheit sofort für ein angenehmes Gefühl und garantierten Gänsehautfaktor – mal abgesehen von den ohnehin absolut göttlichen Gesangsmelodien, die sich sofort im Hirn festsetzen und zum Mitsingen auffordern. Auch die danach folgende Sequenz, bei der Tempo und Härte angezogen werden, besitzt vor allem aufgrund der chromatischen Abwärtsfolge und der himmlischen Melodien in Gesang und Gitarre eine hohe Eingängigkeit und will zumindest bei mir die Gehörgänge auch nach Tagen nicht verlassen. Ein Auftakt nach Maß – diesen Song will man immer wieder hören und eine Steigerung scheint schon jetzt eigentlich nicht mehr möglich.

Die folgenden Stücke allerdings beweisen, dass IQ in der Lage sind, das unglaublich hohe Niveau des Openers zu halten: „Life Support“ beginnt als sanfte Pianoballade mit einmal mehr wunderschönen Gesangslinien, um etwa ab der Mitte zu einer spacigen Nummer mit viel Synthesizerklängen und einer mystisch klingenden Gitarrenmelodie zu mutieren. Atmosphärische, schwebende Keyboardteppiche, die das Ganze untermalen, verleihen einem das Gefühl von Schwerelosigkeit während des Hörens und beweisen, dass Mark Westworth mit Sicherheit ein würdiger Nachfolger von Martin Orford ist.

„Stronger Than Friction“ ist dann der erste Track jenseits der Zehn-Minuten-Grenze und einmal mehr stechen insbesondere im sehr eingängigen Chorus die exzellenten Gesangslinien hervor, vielseitig unterstützt von Orgel, Mellotron und mal Ayreon-mäßigen, mal sphärischen Keyboardklängen. Langeweile sucht man hier vergebens: Etwa ab der Mitte setzt ein ruhiger, wehmütig anmutender Part ein, dem eine sich stetig steigernde, verspielte Passage folgt, bei der die Anfangsmotive wieder aufgegriffen und verarbeitet werden. Großartig!

Das sich anschließende „One Fatal Mistake“ geht ohne Übergang direkt aus dem vorigen Stück hervor und ist eine zu Tränen rührende, aber völlig kitschfreie Ballade allererster Güte. Hier spricht Sehnsucht und ehrlicher Herzschmerz förmlich aus jeder einzelnen Note – wahrlich zum Heulen schön.

Wesentlich härter geht es dann wieder bei „Ryker Skies“ zur Sache, einem weiteren, fast zehn Minuten langen Epos, welches durch die omnipräsenten spacigen Synthesizer eine sehr futuristische Atmosphäre innehat. Durch diese Science Fiction-Stimmung und dem schleppenden, aber kraftvollen Rhythmus fällt der Song ein bisschen aus dem Rahmen, was jedoch nur umso mehr für Abwechslung sorgt.

Mit „The Province“ folgt dann das längste Stück der CD. In dieser düsteren Nummer, in der permanent eine bedrohliche Stimmung vorherrscht, ziehen IQ alle Register ihres Könnens: Verträumte Akustikpassagen wechseln sich mit mal schnellen, mal Riff-betonten Parts ab, es ertönen abgefahrene Synthesizer- und melodische Gitarrensoli, zwischendurch wird auf superbe Weise das Gitarrenthema aus „Life Support“ eingebaut, bis es schließlich zu einem epischen Finale kommt. Ganz groß auch erneut, wie das Keyboard, natürlich äußerst durchdacht und stets genau richtig eingesetzt, in allen nur erdenklichen Variationen auftaucht: Klavier, Hammondorgel, Mellotron, Synthesizer – hier ist alles dabei.

Beschlossen wird „Frequency“ mit besinnlichen Klängen: „Closer“ ist erneut eine sehr emotionale, ergreifende Ballade, die sich über Akustikgitarren und Pianoklänge immer mehr emporschraubt und in einem bombastischen Mittelpart mit Kirchenorgel gipfelt. Völlig genial, wie hier Melodiefetzen aus „Stronger Than Fiction“ wieder aufgegriffen werden.

Ein phantastisches Finale eines wahrhaft phantastischen Albums, das keine einzige schwache Sekunde enthält und wirklich von der ersten bis zur letzten Minute begeistert. Hier stecken sowohl unheimlich viele Emotionen drin, als auch technisches Können und eine Kreativität und Spielfreude, wie sie so mancher IQ wohl nicht mehr zugetraut hätte. Peter Nicholls ist glänzend bei Stimme und Mark Westworth zeigt, dass es auch ohne Martin Orford geht. Zehn Punkte sind geradezu unumgänglich für dieses Meisterwerk!

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann