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Intronaut: Void

weckt nicht den Drang, oft gehört zu werden
Wertung: 4.5/10
Genre: Metalcore, Noisecore
Spielzeit: 50:20
Release: 20.11.2006
Label: Lifeforce Records

Kann sich noch einer an die Werbung mit den beiden Klitschkow-Brüdern erinnern? Wo es hieß: „Tolstoi…schwere Kost“? Genau so muss man sich die Mucke von Intronaut vorstellen. „Intronaut? Sehr schwere Kost“. Definitiv kein Rundling für Menschen, die es eher mögen, wenn ihnen die Nahrung leicht und fluffig durch die Gedärme rutscht. Es herrschen Ecken und Kanten vor und beim Genuss kann es deshalb vorkommen, dass man hier und da mit Verdauungsproblemen oder leichten Krämpfen konfrontiert wird. Also Vorsicht!

Genau wie mir wird der Bandname vielen Lesern kaum etwas sagen. Nicht weiter schlimm, denn ihr habt gerade mal eine EP namens „Null“ verpasst, die in diesem Jahr via Goodfellow Records in die Regale gebracht wurde. Nun haben sich Lifeforce Records dieser noch jungen Band angenommen und legen ohne große Umschweife das erste, vollständige Album nach. Bisher haben die Jungs des Labels immer einen guten Riecher bei jungen Bands gehabt. Ich bin mal gespannt, wie sich da Intronaut entwickeln.

Auch wenn ich bei den Mannen aus Los Angeles, USA, von einer jungen Band gesprochen habe, sind die einzelnen Mitglieder nicht wirklich Neulinge im großen Haifischbecken. Zusammengerauft haben sich nämlich an den Drums Danny Walker (von den Grindern Uphill Battle), an der Gitarre Sacha Dunable (Ex-Anubis Rising), Leon del Muerte an der Gitarre + Gesang (ehemaliger Impaled–Gitarrist und Exhumed-Bassist) und Bassist Joe Lester. Eine illustre Mischung mit Backgrounds, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

„Aber nu ma Butter bei de Fische“…oder wie es so schön heißt. Ich habe es ja schon angedeutet, dass die Mucke von Intronaut eher schwer verdaulich ist. So richtig lässt sich die Tonerzeugung deshalb auch nicht einordnen. Doch ich nenne mal ein paar Eckpunkte und ihr könnt dann die Quersumme bilden oder anders…euch einen Reim darauf machen: Disblief, Tool, Killing Joke, Meshuggah und eine ordentliche Portion Metalcore und Noisecore obendrauf. Alles in allem sehr technisch, sehr sperrig und abseits aller Strophe-Refrain-Muster. Minutenlange Instrumentalpassagen, wo die Musiker zeigen, was sie technisch auf der Pfanne haben, ohne jetzt in Egotrips zu verfallen. Dazu ein heiseres Brüllen, das mehr als weiteres Instrument als eigentlicher Gesang verstanden werden muss.

Dummerweise ist ein fetter, brachialer Sound nicht alles, was eine so vertrackt aufspielende Band benötigt, um wirklich zu fesseln. Man fühlt sich eher auf einem Spacetrip als auf einer Straße, die mit Geraden, Ecken und Kurven durch einen Tonträger führt. Bei Tool sind es die genialen Arrangements und der Gesang, die mich fesseln. Bei Meshuggah sind es die geilen Riffs, die unbändige Härte und die perfekte Verschmelzung aller einzelnen Komponenten. Das alles bieten Intronaut nicht.

Obwohl ich beim Opener „A Monolithic Vulgarity“ noch recht frohen Mutes war. Das Teil schiebt sich fett und heavy aus den Boxen und zeigt mehr als deutlich, was den Hörer die nächsten 50 Minuten erwartet. Besonders gelungen finde ich hier den Wechsel zwischen melodischen Passagen und vollkommener Disharmonie und die Berg- und Talfahrt zwischen Mördergroove und vertrackten Elementen. Hinten raus wird’s dann zwar etwas verspielt und lahm, geht aber trotzdem noch in Ordnung.

Um so eine Qualität noch mal zu erleben, musste ich dann aber bis zum letzten Track warten, der eigentlich nur ein Bonustrack ist. Trotzdem folgen Intronaut auch hier wieder dem gekonnten Wechsel zwischen Melodie und der adäquaten Disharmonie. Das haben sie echt raus, wird jedoch in den restlichen Songs kaum zelebriert. Passend dazu die Abwechslung zwischen lauten und leisen Passagen, wo jede für sich doppelt so intensiv wirkt durch das angesprochene Wechselbad.

Der Rest des Album kippt von der Qualität weit nach hinten. Die Songs laufen rechts rein und kommen links wieder heraus ohne auch nur einen sensiblen Nerv aktiviert zu haben. Nickt man mal kurz ein, muss man sich auf der Displayanzeige erst einmal einen Überblick verschaffen, wo man überhaupt ist. Nicht gerade ein Anzeichen für interessantes, abwechslungsreiches Songwriting.

Fazit: Wenn sich die Jungs nicht ein wirklich gutes Livekonzept überlegen, um die fünf bis sechs Minuten langen Songs perfekt in Szene zu setzen und damit den Zuhörer in ihren Bann zu ziehen, sieht es wohl eher mau aus, denke ich. Mit der Platte haben sie es bei mir jedenfalls nicht geschaut, den Drang zu wecken, dass Teil öfters zu hören und sie mir deshalb zuzulegen.

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