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Insomnium: Shadows Of The Dying Sun

Das bisher reifste Album der Finnen
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 56:48
Release: 25.04.2014
Label: Century Media

Immerhin bei einem halben Dutzend Alben sind Insomnium mit ihrem neuesten Streich „Shadows Of The Dying Sun“ inzwischen angekommen, und nachdem man sich mit jedem Release immer mehr gesteigert hat und gerade für die letzte Scheibe „One For Sorrow“ ziemlich durchgängig gute Kritiken abgreifen konnte, prognostizieren nicht wenige mit der jetzigen Veröffentlichung den endgültigen Durchbruch für die Finnen – sofern man das hohe Level des Vorgängers denn halten oder gar ausbauen kann.

Die vorab veröffentlichte Single „While We Sleep“ hinterließ in jedem Fall schon mal einen guten Eindruck; viel Neues in dem Sinn war dabei nicht zu erkennen, doch das hat trotz des Abgangs des langjährigen Gitarristen Ville Vänni 2011 wohl auch keiner tatsächlich erwartet (zumal ja Ville Friman schon immer Hauptsongwriter war) – längst haben die Jungs ihren eigenen Sound gefunden, ein Konglomerat irgendwo zwischen schwedischem Melodic Death Metal à la At The Gates, finnischen Folklore-Einsprengseln und ganz viel Amorphis- und Sentenced-Elementen. Trotz dieser nicht zu leugnenden Einflüsse sind Insomnium mittlerweile eine Combo, die unter hunderten herauszuhören ist; allein diese schwebenden, schwelgerischen Gitarrenmelodien, wie sie auch in „While We Sleep“ an allen Ecken und Enden auftauchen, sind sicherlich bei keiner anderen Band in dieser Form zu finden.

Auch wenn die Suomi-Truppe letztlich über die gesamte Albumdistanz betrachtet ihre bekannten Trümpfe ausspielt und nicht bahnbrechend viel verändert hat, herrscht verglichen mit den vorigen Platten dennoch mehr Abwechslung vor. Die Songs besitzen einfach noch mehr Dynamik, die verschiedenen Liedteile wurden noch flüssiger und cleverer zusammengebastelt und auch die Stücke selbst unterscheiden sich deutlicher denn je voneinander, was zeigt, dass die Band noch mal einen Tick mehr gereift ist. So wechselt beispielsweise „Revelation“ völlig unauffällig zwischen schnellen Passagen und wundervoll luftigen, singenden Clean-Gitarren, und auch in „Black Heart Rebellion“, das Sevänen als den „vielleicht brutalsten Song, den wir bisher aufgenommen haben“ bezeichnet, kommen zwar kräftig Blastbeats zum Zuge, dennoch gibt es ohne Schwierigkeiten auch Platz für Akustikgitarren und nahezu erhabene, getragenere Stellen, in denen das Mainriff raffiniert variiert wird.

Ähnlich verhält es sich mit dem mit acht Minuten längsten Stück „The River“, das die wohl vielfältigste Nummer der Platte markiert: Blastbeats, folkige Parts, die an Barren Earth erinnern, hymnisches Midtempo – hier werden alle Register gezogen. Hingegen handelt es sich bei „Ephemeral“ um einen recht straighten Melo-Death-Song, der wiederum streckenweise sogar ein wenig an die Portugiesen Moonspell denken lässt, letztlich aber dennoch unverkennbar Insomnium ist.

Ganz große Highlights auf „Shadows Of The Dying Sun“ dürften vor allem auch „Collapsing Words“ sowie der an letzter Stelle platzierte Titeltrack darstellen. Ersteres besticht in erster Linie durch das Hauptriff, welches zwar erneut absolut Insomnium-typisch, aber nichtsdestotrotz wahnsinnig mitreißend ausgefallen ist und zu sofortigem Mitsingen und Headbangen animiert, während letzterer mit seinem sehr düsteren Vibe etwas aus dem Rahmen fällt, sich aber trotzdem glänzend in die wie immer dichte Atmosphäre einfügt. Eine echte Dunkelhymne, die sich stetig steigert und schließlich in einer mächtigen Gitarrenwand mit einer wundervoll darüber wabernden Melodie endet.

Ganz anders dann wieder „Lose To Night“ und „The Promethean Song“, zwei regelrecht marschierende Kompositionen mit äußerst eingängigen Clean-Refrains, von denen die zweitgenannte mit Abstand als die stärkere bezeichnet werden muss. Beide fügen sich problemlos in die Tracklist ein. Mit anderem Worten: Das finnische Quartett hat sein bislang vielseitigstes und reifstes Album veröffentlicht, das die sich am meisten voneinander unterscheidenden Tracks beinhaltet, die aber trotzdem eine homogene Einheit bilden. Nun müsste es doch wirklich mit dem Leibhaftigen zugehen, wenn in Sachen Bekanntheitsgrad nicht endlich mehr drin ist als bisher.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann