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Insomnium: Argent Moon

Anhören, versinken, genießen!
Wertung: 8,5/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 23:11
Release: 17.09.2021
Label: Century Media

Ziemlich genau zwei Jahre nach ihrem letzten Longplayer „Heart Like A Grave“ melden sich Insomnium mit einer neuen Vier-Track-EP namens „Argent Moon“ zurück. Natürlich waren auch die Finnen von der Pandemie nicht verschont geblieben und hatten wie so viele andere ihre Tourpläne über den Haufen werfen müssen; nachdem man „diesen Schock überwunden hatte“, wie es im Promoschreiben heißt, sei man aber zu dem Schluss gekommen, dass die Zeit am sinnvollsten genutzt wäre, wenn man sich auf das Komponieren und Einspielen neuen Materials konzentrieren würde.

Das erste jener vier neuen Stücke stellte die Band bereits Ende März nebst Musikvideo vor: „The Conjurer“, das auch als Opener der Kurzrille fungiert, durfte demnach den meisten Fans bereits bekannt sein. Ein recht getragener Song, der mit einer für diese Formation absolut typischen Tonfolge beginnt, die sich sofort einprägt und einen wieder mal umgehend in den Insomnium-Kosmos voller weiter, einsamer Landschaften, romantischer Winternächte und finnischer Melancholie hineinkatapultiert. Songschreiberisch stark wird die recht simple Basismelodie immer wieder leicht variiert und das Stück mit gelegentlichen Tempovariationen und Wechseln dynamisch gehalten.

Doublebass-Passagen werden hier und da eingestreut, Blastbeats allerdings sind auf der gesamten Scheibe nicht vorhanden – die komplette EP ist eher im Mid- und Downtempo angesiedelt, man schaltet also verglichen mit den letzten Alben mindestens ein, zwei Gänge runter. Aber welcher Insomnium-Fan hört diese Band schon allein wegen ihres Tempos und Härtegrades? Wie immer geht es hier in erster Linie um Atmosphäre und ebenso schöne wie elegische Melodien und da diese auch auf „Argent Moon“ ganz klar im Vordergrund stehen, gibt es keinen Grund für irgendeinen Supporter, sich dieses Minialbum nicht zuzulegen.

Im Gegenteil, prinzipiell sind trotzdem wieder alle Trademarks der Truppe aus Joensuu vorhanden, nur dass diesmal die poetische, romantische Seite der Band deutlicher zum Vorschein kommt. Besonders zeigt sich dies in den folgenden drei Songs – der Eröffnungstrack ist sicher noch der härteste, zumal hier Niilo Sevänen noch alleine die Vocals übernimmt; erst ab der zweiten Nummer „The Reticent“ greift der ja erst vor wenigen Jahren fest zum Line-Up hinzugestoßene Jani Liimatainen auch gesanglich mit cleaner Stimme ein. Der Wechselgesang zwischen den beiden ist so effizient wie bisher kaum je zuvor bei der Band, die Stimmung in jenem zweiten Song schwankt zwischen hypnotisch-verträumt und kraftvoll-aufwühlend.

Noch krasser ist dies in „The Antagonist“ zu hören, bei dem Liimatainen eine ganz vorzügliche Gesangsleistung darbietet, die sich im federleichten Refrain maximal mit Niilo Sevänens tiefen Growls ergänzt. Der Song mag pathosbehaftet sein, fährt bei aller Inbrunst dennoch etliche treibende Doublebass-Momente auf und markiert ebenfalls eine sehr starke Nummer. Das abschließende „The Wanderer“ fußt dann auf akustisch vorgetragenen Akkorden, die von wunderbar eingebetteten symphonischen Keyboards untermalt sind, und tatsächlich kann man sich hier sehr gut vorstellen, durch hübsche Landschaften zu wandern und die Natur zu genießen. Wechselgesang steht auch hier auf dem Programm; das Stück steigert sich stetig, um am Ende mit herrlichen mehrstimmigen Vocals die EP passend abzurunden.

Abgesehen vom Opener liegen tatsächlich nur „Balladen“ vor, um mal das in der Szene doch eher verpönte Wort anzuführen, aber dies natürlich nicht im konventionellen Sinne, denn allein durch Sevänens Growls und dadurch, dass immer mal wieder das Tempo angezogen wird, herrscht trotzdem zu keinem Zeitpunkt Langeweile oder Kitschalarm. Insomnium haben trotz aller Death-Metal-Einflüsse schon immer einfach schöne Musik gemacht und daran hat sich auch auf „Argent Moon“ nichts geändert. Die vier Songs stehen sowohl für sich, bilden aber gleichzeitig eine gute Einheit – wirkliche Neuerungen kann man zwar erneut mit der Lupe suchen, aber das was an Material geboten wird, ist gewohnt kompositorisch und handwerklich tadellos, sodass man auch für das nächste Full-Length-Album keinerlei Bedenken haben muss. Anhören, versinken, genießen!

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