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Insidious Disease: Shadowcast

Sicherlich eines der besseren Allstar-Projekte
Wertung: 7.5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 36:35
Release: 09.07.2010
Label: Century Media

Ende letzten Jahres formierte Shagrath, bekanntermaßen der Sänger von Dimmu Borgir, zusammen mit King, dem Ex-Bassisten von Gorgoroth, das Black Metal-Projekt Ov Hell, das nicht nur mit dem protzigen Zusatz „Satan’s all stars“ versehen war, sondern von dem die beiden Großmäuler auch noch – letztlich völlig zu Unrecht, wie sich herausstellte – behaupteten, es sei etwas „noch nie Dagewesenes“.

Nun zieht Shagraths Bandkollege Silenoz nach und veröffentlicht ebenfalls mit einer Old-School-Extreme-Metalband ein Album – und das, obwohl er mal angab, 24 Stunden am Tag nur Dimmu Borgir zu leben. Wahrscheinlich hat es deshalb auch so lange gedauert, bis „Shadowcast“ endlich auf die Menschheit losgelassen werden konnte, denn genau genommen wurde die Band Insidious Disease bereits 2004 gegründet; im Prinzip zieht Silenoz also gar nicht nach, sondern ist mit seiner Band und diesem Album erst jetzt aus dem Quark gekommen. Rein von den Namen her handelt es sich hier wirklich um eine absolute Supergroup: Shane Embury von Napalm Death bedient den Bass, Jardar (früher Old Man’s Child) die zweite Gitarre, Tony Laureano (ex-Nile) die Drums und als Sänger fungiert Marc Grewe, ehemals Frontmann bei Morgoth.

Im Gegensatz zu Ov Hell, die ja eher in die Black Metal-Abteilung gehen, wird bei Insidious Disease völlig unüberhörbar altem Death Metal gefrönt und man macht im Gegensatz zu den „Satan’s all stars“ auch gar keinen Hehl daraus, Old School zu sein und spart sich dummes Gewäsch von wegen, das sei noch nie dagewesen.

Wer also Innovation erwartet, kann sofort aufhören, weiterzulesen, wer hingegen Bock hat, sich mal wieder nach allen Regeln der Kunst die Fresse polieren zu lassen, ist hier genau richtig aufgehoben. Die Band spielt eine Mischung aus amerikanisch-technisch geprägtem Todesblei mit einigen melodischen Einsprengseln – meist holzt man sich in hohen Temporegionen durch die Gegend, mal zieht man die Handbremse und setzt mehr auf Groove.

Natürlich werden bei dieser Beschreibung und noch dazu der Tatsache, dass es sich um eine Art Death Metal-Supergroup handelt, sogleich Erinnerungen an Bloodbath wach und die Parallelen sind auch keineswegs von der Hand zu weisen. Ein weiterer Grund, sich die Frage zu stellen, ob die Welt das drölfzigste Old School Death Metal-Projekt wirklich so dringend braucht, doch ehrlich gesagt: Ich habe keine Lust mehr, diese Frage zu beantworten, weil sie sich bei solcher Art von Musik im Prinzip immer wieder stellt; letztlich lässt sie sich nicht zwingend beantworten, und wenn, dann höchstens mit „Jein“.

Das, was die Jungs hier bieten, hat ganz klar Format – bei den Namen im Line-Up darf man ja auch eigentlich nichts anderes erwarten – gutes Songwriting inbegriffen. Der Opener „Nuclear Salvation“ zeigt aber so was von, wo der Hammer hängt, „Boundless“ ist um einiges getragener, dafür aber umso eingängiger und nicht weniger böse, „Conceived Through Hate“ ist ein gutes Beispiel für die erwähnte Mischung aus Groove und Raserei, und „Value In Flesh“ bietet einige sehr gelungene Tempo- und Rhythmuswechsel. Lediglich in der Mitte wird die Platte ein wenig zu eintönig und ermüdend („Rituals Of Bloodshed“ ist ein wenig zu sehr Standard, aber gerade dieses Stumpfe werden einige natürlich besonders schätzen), insgesamt gibt es aber in songschreiberischer Hinsicht nicht wirklich viel zu meckern; dass sich die ein oder andere Passage mal ein wenig gleich anhört, liegt in der Natur der Sache und sollte nicht allzu sehr auf die Goldwaage gelegt werden.

Über die technischen Fähigkeiten müssen wohl nicht erst großartig Worte verloren werden; das Drumming ist selbstredend fantastisch, die melodischen Gitarrensoli bieten willkommene Abwechslung zu dem wüsten Geprügel und Marc Grewe, der ein bisschen wie eine Mischung aus John Tardy und Max Cavalera klingt, hat im Vergleich zu vielen seiner Genrekollegen eine angenehm deutliche Aussprache. Zudem wartet die Scheibe mit einer guten, druckvollen Produktion auf.

Wenn man also nur nach diesen Gesichtspunkten geht, ist „Shadowcast“ absolut empfehlenswert – kein Freund von Old School-Todesmetall kann viel falsch machen, wenn er hier zugreift. Aber die sind ja ohnehin die Zielgruppe – alle anderen haben eh schon längst aufgehört zu lesen...

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann