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Inhume: Moulding The Deformed

Blut und Gedärme schützen nicht vor Monotonie
Wertung: 6/10
Genre: Death Metal, Grindcore
Spielzeit: 36:14
Release: 12.03.2010
Label: War Anthem Records

Der aufmerksame Beobachter wird bemerkt haben, dass das nebenstehende Cover zensiert wurde – was zwar schade ist, weil die Gestaltung, nun, sagen wir mal, interessant ausfällt, aber durchaus nötig war, denn im Gegensatz zu der Front des neuen Inhume-Silberlings „Moulding The Deformed“ nimmt sich selbst das härteste Cannibal Corpse-Cover aus wie die Kritzeleien eines Kleinkindes. Blut und Gedärme all over, was zwar weder im Death Metal noch im Grindcore ein Novum darstellt, von den Niederländern jedoch geradezu exzessiv betrieben wird.

Kein Wunder also, dass die Truppe sich schon international einen Namen machen konnte und das nicht nur aufgrund ihrer sehr speziellen Cover; seit 1994 treibt das Gespann schon in blutiger Mission sein Unwesen, damals noch in neunköpfiger Besetzung. Bis heute haben Inhume ihr Line-Up extrem abgespeckt und sind nun als Quintett unterwegs: Sänger Dorus, der erst seit 2003 dabei ist, und Urgestein Joost bilden dabei die Front am Mikro – letzterer hat auch den Sängerposten bei den Goregrindern Cliteater inne -, sowie Drummer Roel (nebenbei bei Snaggletööth), Gitarrist Ben und Basser Loek (beide bei Skullhog). In 16 Jahren Bandgeschichte kann einiges passieren, und so können die Grinder auf zwei Demos, drei Full-Length-Scheiben und diverse Split-CDs, unter anderem mit Mundo De Mierda und den Schweizer Death-Grindern Mumakil, zurückblicken. Mit „Moulding The Deformed“ attackiert jetzt ihr viertes Album unsere Gehörgänge – ein ziemlicher Brocken, der mehr Grind als Death Metal versprüht und keinen Stein auf dem anderen lässt.

Ungeschliffen und roh kommt der Sound aus den Boxen und erstickt somit sämtliche Vergleiche mit den Amis Cannibal Corpse, deren Sound von Platte zu Platte glatter produziert klingt, im Keim. Old School lässt grüßen, die Drums poltern lustig vor sich hin, und Joost und Dorus strapazieren Stimmbänder und Lungen aufs Äußerste. Dabei wird schon bei „Deadbeat“ klar: Innovationen kann man hier vermutlich vergeblich suchen. In einem Gemisch auf Blut und Gedärmen machen die fünf Holländer das, was sie am besten können: Leute erschrecken. „Pandemic“ beweist durch minimale Gesangsvariationen zumindest die Absicht, ein wenig Abwechslung in das Geballer zu bringen, der Song walzt für Grindcore-Verhältnisse fast zu langsam aus den Boxen; beeindruckend sind allerdings die beiden Sänger, die sich durch „Bree-Bree“-Geschrei, tiefe Growls (bei denen man sogar hier und da ein Fetzchen Text verstehen kann) und manisches Gekreische kämpfen, als gäbe es kein Morgen.

Bei „Wretched Worm“ muss wieder der Vergleich mit Cannibal Corpse herhalten, denn wer denkt hier nicht sofort an deren 2004er Scheibe „The Wretched Spawn“? Inhume gehen hier jedoch sehr viel rauer und vor allem bedrohlicher zu Werke als ihre Kollegen, erzeugen gar eine Art düstere Grundstimmung – wobei es für Grindcore-Bands ja schon ein Wunder ist, irgendeine Art Stimmung zu erzeugen, abgesehen von Mordlust – und gebieten glücklicherweise der Monotonie der vorherigen Stücke Einhalt. Leider hält das nicht lange an: Der Titeltrack bollert wieder allzu böse vor sich hin, und auch das knapp zweiminütige „Phobia“ überzeugt nicht unbedingt durch Einfallsreichtum. Erst „Sea Of Limbs“ fällt mit den treibenden Drums und den fast summenden Gitarren etwas aus dem Rahmen.

Zweieinhalb Minuten im Durchschnitt bringen die Songs auf den Zähler und das reicht auch völlig, um einem das Gehirn matschig zu machen. Inhume sind durchaus gut in dem, was sie tun, und gelten nicht ohne Grund als eine der besten – und ältesten – Death-Grind-Bands überhaupt. Trotzdem hält auf „Moulding The Deformed“ die Monotonie recht schnell Einzug, die Drums klingen auf jeden Song einfach zu ähnlich und auch die Gitarrenspur weist meist nur minimale Veränderungen auf. Ein großer Pluspunkt der Band ist allerdings das Zusammenspiel der beiden Sänger, die es schaffen, eine gewisse Dynamik in die Platte zu bringen. Old School-Fans dürften hier ihre Freude haben, Fans der moderneren Klänge sollten die Platte mit Vorsicht genießen.

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