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Ingrimm: Böses Blut

Mittelalter gekonnt in Härte verpackt
Wertung: 7.5/10
Genre: Mittelalter Metal
Spielzeit: 43:45
Release: 21.05.2010
Label: Black Bards

Aus der Mittelalter-Rock-Szene gibt es schon lange keine Innovationen mehr zu hören – Genre-Größen haben sich entweder wie Subway To Sally vom ursprünglichen Sound emanzipiert oder nehmen nur minimale Veränderungen an ihrer Musik vor, wie es bei Schandmaul der Fall ist. Mit „Böses Blut“ veröffentlichen Ingrimm ihr mittlerweile drittes Studioalbum und legen dabei erneut die Betonung auf Mittelalter-„Metal“, denn anders als bei vielen Genre-Kollegen wird dieser Einfluss deutlich offensiver verarbeitet, so dass ein äußerst feuriges Gemisch entsteht.

Zwar bewegt man sich auf textlicher Ebene deutlich im Mittelalter und auch die Melodieführung verlässt sich meistens auf eingängige Dudelsack-Melodien, das Fundament bildet jedoch Metal, der häufig mit Thrash- und Death-Einflüssen liebäugelt – allerdings nicht nur in Ansätzen, denn auch beim Gesang wird auf extremere Stile zurückgegriffen, bei Ingrimm sind zwischen den Folk-Instrumenten auch Screams und Growls nicht ungewöhnlich. Frontmann Fenris, der sich auch für die sich meistens ein ganzes Stück über dem Durchschnitt bewegenden Lyrics verantwortlich zeigt, erinnert mit seinem rauen Organ des Öfteren mal an In Extremo-Sänger Micha Rhein, geht aber gerne häufig noch heftiger zur Sache. Obwohl der Gesang die meiste Zeit über gut mit der Musik harmoniert, fallen gelegentlich auch schwächere Momente auf, in der die Stimmleistung einfach nicht mit dem Rest der Band mithalten kann und eher negativ ins Auge fällt.

„Die Pest“ präsentiert sich gleich zu Anfang als Stellvertreter für den Kern des Ingrimm-Sounds: Harte Strophen, in denen immer mal wieder Screams und sogar Doublebass-Attacken zu hören sind werden im Refrain von einer einprägsamen Sackpfeifen-Melodie und mitreißendem Gesang abgelöst. Mit „Tempus Fungit“ wird das Album zwar weniger brachial, aber ebenso stark weitergeführt: Das melancholische Stück beginnt mit ruhigen Klängen und baut sich langsam auf, bis sich die gelungen Riffs entfalten und auch einige Schreie hinzukommen. Repräsentativ für die härteren Songs der CD sind der Titeltrack „Böses Blut“ und das überragende Stück „Eisenwind“: Beide Tracks verlassen sich auf eine deutliche Thrash-Schlagseite und machen ordentlich Tempo, wobei letztgenanntes Stück in Sachen Dynamik eindeutig überlegen ist und mit einem großartigen Chorus punkten kann.

Eine melodischere Herangehensweise verfolgt beispielsweise „Stella Maris“ - trotz dem hohen Tempo dominieren die Dudelsäcke das Gesamtbild und sorgen ebenso wie in dem Heavy Metal-orientierten „Wasser Zu Wein“ für eine stärkere Betonung der Folk-Einflüsse. Kurz vor dem Abschluss sorgt „Der Rabe“ noch für einen zwiespältigen Eindruck: Die Strophen dümpeln zwar eher nichtssagend vor sich hin, der episch anmutende Refrain und das gute Dudelsacksolo können jedoch ein wenig dafür entschädigen. Beenden tun Ingrimm das Album mit „Flammenfest“ ein wenig ungewöhnlich, denn hier wird eine sehr gelungene Halbballade geboten. Anfangs noch mit zurückhaltendem Gesang und besinnlichen Klängen eingeleitet, gesellen sich nach und nach harte Gitarren und eine Melodie dazu, die dem Stück einen bombastischen Anstrich verpasst und wunderbar mit dem interessantesten Text auf „Böses Blut“ zusammenspielt.

Mit „Böses Blut“ sollten sich Ingrimm endgültig einen festen Platz in der Szene erspielen können, denn gerade durch die deutliche Betonung der Metal-Elemente hebt sich die Band vom Gros der Genre-Kollegen ab.Trotz einiger Schönheitsfehler wie dem nicht immer einwandfreien Gesang und einigen Wiederholungen zeigt sich das Quintett als gereifte Truppe, die sich ihren eigenen unverwechselbaren Stil erspielt hat und den Vergleich mit Genre-Größen nicht mehr scheuen muss. Mittelalter Rock-Fans, die sich nicht von den harten Klängen abschrecken lassen, sollten hier unbedingt einmal hereinhören, denn Ingrimms Vorstellung von dieser Musikrichtung bereichert die Szene ungemein.

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