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Infinite Horizon: Illumination

Das lange Warten hat sich gelohnt!
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Metal / Power Metal
Spielzeit: 54:39
Release: 26.08.2017
Label: Eigenproduktion

Geschlagene acht Jahre hat es gedauert, bis Infinite Horizon endlich mit dem Nachfolger zum 2009 erschienenen „Dominion“ aufwarteten, nachdem die Band aus dem Siegerland zuvor meist im Zwei- oder Dreijahresrhythmus veröffentlichte. Allerdings hat sich in dieser Zeit auch einiges im Bandcamp getan, denn mit Boris Marcukaitis und Martin Reinschmidt hat man mittlerweile einen neuen Drummer bzw. Bassisten an Bord, außerdem wurde entschieden, das nächste Album in eigener Regie herauszubringen, da laut eigenen Worten die vorigen Plattenfirmen der Combo vorschreiben wollten, dass die Songs nicht länger als sechs Minuten dauern dürfen. Bei einer Gruppe mit progressiven Anleihen eigentlich unfassbar – kein Wunder, dass die Jungs da absolut keinen Bock mehr drauf hatten.

Dass man sich so lange Zeit gelassen hat, war jedoch ganz offensichtlich ein guter Entschluss, denn „Illumination“ ist, so viel sei vorab gespoilert, eine bärenstarke Platte geworden. Am Sound, der beim Vorgänger doch von einigen Seiten kritisiert wurde, ist gefeilt worden, sodass die Scheibe sehr transparent tönt, und auch das Songwriting befindet sich auf einem recht konstanten Niveau.

Bereits der Opener „The Infinition“ bietet sogleich Power-Prog vom Feinsten – eingeleitet von einem dezenten Bassriff, das alsbald in scharfkantiges Riffing übergeht, verziert von hauchdünnen Keyboards und sparsam eingesetzten Gitarrenlicks. Die eigentliche Stärke liegt jedoch im Chorus, der sich gut mitsingen lässt und zudem mit sich gut machendem „Ahaha“-Hintergrundgesang angereichert wurde.

Tatsächlich sind es in erster Linie die Refrains, auf die der größte Fokus gelegt wurde; trotz etlicher filigraner Gitarrensoli sind Infinite Horizon keine Combo, die auf Teufel komm raus ihre technischen Fähigkeiten in den Vordergrund stellen muss, sondern Wert darauf legt, dass der Song selbst nicht aus den Augen verloren wird. So ist es auch beim treibenden „Falling Empires“, das auf einem Helloween-artigen Mainriff basiert, vor allem der Chorus, der herausragt, ebenso im in der Strophe entspannteren „Lost In The Future“, das im Refrain einen geradezu dramatischen Ausbruch verzeichnet und das des Weiteren mit einer saftigen Hammondorgelpassage gegen Ende punkten kann.

Nicht unbedingt typisch für eine für eine Formation mit Power-Metal-Roots, dass das gesamte Album von einer melancholischen Grundatmosphäre geprägt ist, was allerdings sehr angenehm anmutet; besonders deutlich kommt dies bei „Awaken“, dem mit ein paar effektiv eingesetzten Growls untermalten „Thrones Of Grief“ sowie dem superben „Testing The End Of All Times“ zum Vorschein. „Sun And Shield“ fällt ebenfalls in diese Kategorie, kommt mit seinen auflockernden Akustikgitarren aber auch sehr fluffig und leichtfüßig daher – irgendwie so ein Song, den man gut morgens hören kann und der durch seine überragenden Gesangsmelodien auffällt.

Überhaupt erledigt Frontmann Marc M. Lemler wieder mal einen sehr guten Job und fällt nicht wie bei manch anderer Prog-Kapelle hinter seinen Kollegen an den Instrumenten zurück, außerdem hat er sich einmal mehr bei den Texten sehr viel Mühe gemacht, die allesamt nachdenklich und tiefsinnig ausgefallen sind. Selbstverständlich zeigt sich dies auch beim 16-Minuten-Rausschmeißer „Revelation“, der mit biblischen Motiven spielt, ohne dass die Band sich gleich als Hardcore-Christen outet und ständig mit dem erhobenen Zeigefinger wedeln würde. Der Mammutsong sticht schon allein aufgrund seiner Länge bei der Tracklist hervor – hier tobt sich das Sextett allem Anschein nach so richtig aus, gerade vor dem Hintergrund, dass man ihnen zuvor epische Ausmaße annehmende Titel verbieten wollte.

Mit einem Bombast-Intro, das selbst Nightwish zur Ehre gereicht hätte, wird die Nummer eingeleitet, um dann in ein kraftvolles Riffing zu münden, dem eine sehr aufgewühlt klingende Strophe folgt, die wiederum zu einem Refrain führt, bei dem das Tempo deutlich gedrosselt wird, was das Ganze aber nur umso wirkungsvoller gestaltet. Ausgiebige Instrumentalparts, die jedoch zu keinem Zeitpunkt erzwungen erscheinen, sind natürlich ebenfalls zu finden – alles geschmackvoll mit richtig dosierten, niemals cheesigen Keyboards, und sehr clever, wie man den Refrain in der Mitte in etwas schnellerem Tempo darbietet.

Dass Infinite Horizon „Illumination“ als ihre bis dato beste Platte bezeichnen und mächtig stolz darauf sind, ist völlig verständlich. Trotz starker Instrumentalleistung und sich nach und nach offenbarenden kleinen Details in den Arrangements steht stets der Song im Fokus und es wird nie aufdringlich frickelig. Das lange Warten hat sich also gelohnt!

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